Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Warum so mutlos? Wer erneuerbare Energien ablehnt, schadet dem Standort Deutschland

Zweibrücken arbeitet an einem Wärmeplan.
Zweibrücken arbeitet an einem Wärmeplan.

Wer möglichst lange an Öl, Gas und Verbrennerautos festhalten will, ist mit schuld, wenn die deutsche Industrie den Anschluss verliert.

Viele Zweibrücker wohnen in schlecht gedämmten, oft alten Häusern und heizen mit Gas oder Öl. Damit sich das ändert, arbeitet die Stadt an einem Wärmeplan, der aufzeigt, wie die 33.000 Einwohner in den nächsten fünf bis 20 Jahren wegkommen von den fossilen Brennstoffen. Das Ganze geht zurück auf ein Gesetz der vorherigen Bundesregierung. Die Stadt macht das nicht freiwillig, aber sie ist mit der Umsetzung früher dran, als sie sein müsste. Ob freiwillig oder nicht: Das Ganze ist richtig. Nicht nur wegen des Umwelt- und Klimaschutzes, sondern auch wegen des Geldes. Wegen des Geldes der Hausbesitzer und Mieter.

Denn der Preis für Öl und Gas wird in den nächsten Jahren ziemlich sicher weiter steigen. Nicht nur wegen der CO2-Abgaben, sondern weil Öl und Gas knapp werden und immer schwerer zu fördern sind. Und wie sich Kriege und Konflikte auf den Preis auswirken, sehen wir derzeit in Echtzeit durch den Krieg gegen Iran.

Niemand muss seine Heizung rausreißen

Der Wärmeplan ist zunächst eine Art Landkarte, was in Zweibrücken möglich wäre. Wie es derzeit aussieht und wohin die Reise gehen könnte. Verpflichtend ist er nicht. Weder für die Stadt noch für die Hausbesitzer. Niemand muss deshalb seine Heizung rausreißen. Schon gar nicht, wenn sie noch funktioniert. Und doch ist er gerade für die Hausbesitzer eine Chance: Wer in einem schlecht gedämmten Haus wohnt und eine alte Heizung hat, der hat hohe Heizkosten und braucht irgendwann eine neue Heizung. Egal ob die dann mit Öl, Gas oder erneuerbaren Energien läuft: Geld wird sie so oder so kosten. Mit dem Wärmeplan besteht aber die Möglichkeit, für umweltfreundlichere Alternativen Fördergeld zu bekommen und danach Heizkosten zu sparen.

Dennoch stieß das Thema gerade in den sozialen Medien sofort auf Kritik. Offenbar riecht es vielen zu sehr nach grüner Ideologie. Ganz so, als säße man – weil man Robert Habeck nicht leiden kann – lieber in einer zugigen Wohnung mit einer hohen Heizkostenabrechnung, um nur ja nicht mit einer modernen Technologie heizen zu müssen, die auch noch weniger klimaschädlich ist.

Woher kommt diese riesengroße Mutlosigkeit?

Dazu kommen die Sorgen, das Ganze könne nicht funktionieren. Und hier sind wir bei dem Punkt, der mich in dieser ganzen Debatte um Wärmepumpen, E-Autos und Solarstrom am meisten erstaunt. Der mich sogar etwas ratlos zurücklässt: Woher kommt diese riesengroße Mutlosigkeit? Das Gefühl, die Energie- und Verkehrswende sei etwas, was unmöglich zu schaffen ist. Dass es besser ist, am Ist-Zustand festzuhalten, nur um ja nicht Gefahr zu laufen, irgendeine Errungenschaft zu verlieren.

Dabei ist es doch gerade so: Deutschland droht, den Anschluss zu verlieren, gerade weil wir so mutlos sind und Angst haben, etwas zu verändern. Und daran sind eben jene mit schuld, die möglichst lange an Öl, Gas und Verbrennerautos festhalten wollen. Sie verhindern neue Entwicklungen. Wenn die nicht aus Deutschland kommen, dann aus anderen Ländern. Dann fahren auf unseren Straßen E-Autos von BYD aus China und keine VW.

Deutschland schafft das

Deutschland ist eine der größten Industrienationen der Welt. Wir haben großartige Erfindungen hervorgebracht. Und jetzt sollen wir es nicht schaffen, genug Stromleitungen in Neubaugebiete zu legen? Genug Sonnenenergie zu speichern, um Wohnhäuser mit Strom zu versorgen? Genug Ladestationen aufzubauen? Ich habe es vor drei Jahren an dieser Stelle schon einmal geschrieben, aber es passt immer noch: Vor 150 Jahren machten sich die Leute in London und New York Sorgen, dass ihre Städte bald im Pferdemist versinken würden. Dann wurde das Auto erfunden. Übrigens weil Carl Benz eben nicht die Pferdekutsche besser machte, sondern weil er etwas Neues schuf.

Mutig daran zu glauben, dass sich Verkehr, Stromerzeugung und Heizen ändern können und müssen, stärkt gerade den Standort Deutschland. Das hat am Ende gar nichts mit grüner Ideologie zu tun. Sondern damit, dass es erstrebenswerter ist, in einer Umgebung zu leben, in der weniger Verkehrslärm herrscht und die Luft sauberer ist. In einer warmen Wohnung mit bezahlbaren Nebenkosten. Und mit sicheren Arbeitsplätzen.

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