Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Von Druckerpressen zu Kränen: Wie die Dinglerwerke Zweibrücken prägten

Die Dinglerwerke Anfang des 20. Jahrhunderts. Rechts im Bild ist die einstige Brauerei und Gaststätte Tivoli zu sehen.
Die Dinglerwerke Anfang des 20. Jahrhunderts. Rechts im Bild ist die einstige Brauerei und Gaststätte Tivoli zu sehen.

Kaum einer trieb die industrielle Entwicklung Zweibrückens so voran wie Christian Dingler. Seine Werke für Druckerpressen und Dampfmaschinen waren Vorgänger der Kranbauer.

Die Dinglerwerke wurden im Jahr 1827 von Christian Dingler gegründet. Sie wurden erst von Mannesmann-Demag, dann von Terex und schließlich 2019 von Tadano übernommen. Angefangen hat die Firmengeschichte vor bald 200 Jahren mit einer Schlosserwerkstatt in der Pfarrgasse, der heutigen Ritterstraße, in der Zweibrücker Altstadt.

Die Dinglerstraße heute. Rechts geht der Tivoli-Weg ab. Das Tivoli stand an der Ampel.
Die Dinglerstraße heute. Rechts geht der Tivoli-Weg ab. Das Tivoli stand an der Ampel.

Zunächst stellte Christian Dingler, der die Schlosserei von seinem Vater übernommen hatte, Buchdruckpressen, Öl- und Schneidemühlen her. Bald darauf konzentrierte er sich auf die Konstruktion und den Bau von manuellen Druckerpressen. „Dafür ließ er sich zunächst Pressen aus den USA und England kommen, zerlegte und verbesserte diese“, erzählt Klaus Meissner, Vorsitzender des Vereins Zweibrücker Industriekultur. „Seine Kniehebelpressen baute er in drei Ausführungen, darunter die Zweibrücker Presse und die Dinglerpresse. Diese Pressen wurden in hohen Stückzahlen produziert und bis in die Schweiz und nach Schweden geliefert. Die Drucker schafften mit ihnen täglich bis zu 2000 Drucke.“

Eisenbahnwagen werden mit Pferdekarren transportiert

Der Verein erforscht seit rund fünf Jahren Vergangenheit und Gegenwart von Zweibrücker Betrieben und hat sich auch in die Ausstellung zur Zweibrücker Industriegeschichte im Stadtmuseum eingebracht. Sie läuft bis Mitte April. Zu sehen ist dort auch eine Zweibrücker Presse von Dingler. Der Vereinsvorsitzende Meissner war Maschinenbauer bei den Kranherstellern Mannesmann-Demag, Terex und zuletzt Tadano. Der 69-Jährige widmet sich der Geschichte der Dinglerwerke.

Für einen Fabrikationsbetrieb wurde Dinglers Werkstatt laut Meissner bald zu klein. Deshalb erwarb Dingler 1834 den Gutshof Schönhof in Ernstweiler. Meissner: „Als 1835 die ersten deutschen Eisenbahnen gebaut wurden, begann Dingler, Eisenbahnwagen zu produzieren. Weil es in Zweibrücken aber noch keine Eisenbahn gab, mussten diese mit Pferdewagen zur nächsten Eisenbahnstation in Homburg transportiert werden, um sie zu verschicken.“ Kurz darauf ließ Dingler seine eigene Eisen- und Metallgießerei bauen, um unabhängiger von der Belieferung mit Rohstoffen zu sein.

Eine der ersten Adressen für Dampfmaschinen

„1843 verließen die erste Dampfmaschine und der erste Dampfkessel die Fabrikhallen. Die Maschine wurde auf dem Schönhof aufgestellt, um die Fabrik mit Energie zu versorgen. Weitere Dampfmaschinen folgten bald, wurden erfolgreich verkauft und Dingler wurde zu einer der ersten Adressen für Dampfmaschinen in Deutschland. Auch Schleusen, Wehre und Brücken sowie Ventilatoren wurden gefertigt“, umreißt Meissner die stetig wachsende Produktpalette. Der Brand, der 1853 große Teile der Fabrik zerstörte, verhinderte den Aufstieg des Unternehmens nicht.

Der Schönhof auf einem Aquarell aus dem Jahr 1838.
Der Schönhof auf einem Aquarell aus dem Jahr 1838.

Die Blütezeit ist Meissner zufolge auf das Ende des 19. Jahrhunderts zu datieren. Dazu hatte nicht zuletzt der Anschluss Zweibrückens ans Eisenbahnnetz beigetragen: Der erste Zweibrücker Bahnhof aus dem Jahre 1857 war ein Kopfbahnhof gegenüber der Dingler’schen Maschinenfabrik. Dies vereinfachte die Transportwege für das Unternehmen. Vor dem Ersten Weltkrieg beschäftigten die Dinglerwerke über 1000 Personen und exportierten weltweit.

Was die Weltkriege mit den Dinglerwerken machen

Christian Dingler erlebte dies nicht mehr, er war bereits 1858 im Alter von 56 Jahren gestorben. Drei Jahre zuvor hatte er das Zweibrücker Rathaus am Herzogplatz 1 erworben und das Eckgebäude um ein Geschoss aufstocken lassen. Ein Walmdach ersetzte das Mansardendach. So steht das Gebäude noch heute; die Nachbargebäude der herzoglichen Vorstadt haben ihr Mansardendach behalten.

„Im Ersten Weltkrieg produzierte das Werk für die Rüstungsindustrie. Nach dem Krieg stand das Werk kurz vor dem Aus, konnte sich jedoch sanieren“, berichtet Meissner. Im Zweiten Weltkrieg war das Unternehmen am Bau der Reichsautobahnen beteiligt und beschäftigte auch Zwangsarbeiter. Nach 1945 drohte erneut die Zerschlagung, doch wiederum ging es weiter. „Schließlich wurden die Dinglerwerke 1954 in die Demag AG eingegliedert, zunächst von Terex und 2019 vom japanischen Kranhersteller Tadano übernommen“, erklärt Meissner. Tadano hat sich auf die Fertigung von Fahrzeugkränen verschiedener Leistungs- und Größenklassen spezialisiert.

Info

Die Ausstellung „Industrie.Kultur.Geschichte(n). Vom Hammerschlag zur Maschine“ ist bis 19. April im Stadtmuseum Zweibrücken zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags von 10 bis 18 Uhr sowie mittwochs bis sonntags und an Feiertagen von 14 bis 18 Uhr. Das Begleitprogramm mit Führungen, Vorträgen und Sonderveranstaltungen findet sich online unter zweibruecken.de/museum.

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