Zweibrücken
Industriekultur: Schätze aus stolzen Zeiten bewahren
Dingler, John Deere, Wery, Peschke, Pallmann und viele weitere. Wer kennt sie nicht, die Namen der historischen und aktuellen Industriebetriebe in Zweibrücken? Gerhard Herz und Dietrich Soyez sowie eine Reihe von Mitstreitern aus dem Freundeskreis Industriekultur möchten Lust auf die industrielle Geschichte Zweibrückens machen. Ein erster Schritt ist eine Website, die jetzt an den Start gegangen und auch mit der Internetseite der Stadt Zweibrücken verlinkt ist.
Bislang habe die lokale Industriegeschichte in der öffentlichen Wahrnehmung und Wertschätzung kaum eine Rolle gespielt, findet Gerhard Herz. Sie strahle aber seit 150 Jahren nicht nur in nähergelegene Großräume, sondern in die ganze Welt. Auf seine wechselvolle Industriegeschichte könne Zweibrücken stolz sein, finden der Arzt und der Geograf, beide im Ruhestand. Die Industriegeschichte spiegele sich aber auch in der Stadt, in Industrieanlagen, Betriebsgeländen, Wohnstätten, Gräbern bedeutender Industrieller oder aber auch in industriellen Gleisstrecken, die heute von Vegetation überwuchert sind und Aussagen wie „Der hat beim Dingler geschafft“. Diese Schätze zu heben und zugänglich zu machen habe sich der Freundeskreis auf die Fahne geschrieben.
Von Schuhen und Dampfmaschinen
Ein erster Schritt, Forschungsergebnisse zu präsentieren, ist laut den Initiatoren die eigene Website, die jetzt an den Start ging. Dort finden sich nicht nur eine interaktive Stadtkarte von Zweibrücken als Industriestadt, sondern auch detaillierte Informationen zu innenstadtnahen Betrieben wie etwa Dingler, Wery und Peschke; Informationen zu in Ortsteilen gelegenen Betrieben wie John Deere in Ernstweiler, Buchholz in Niederauerbach, Pallmann in Bubenhausen und WDI Blankstahl in Ixheim – historischer Sitz der Firma Roth, Heck & Schwinn – sollen folgen. Jüngere Ansiedlungen auf dem Flugplatz sollen später mit einbezogen werden, ebenso historisch bedeutsame Firmen zum Beispiel der Textil-, Schuh- und Lebensmittelindustrie sowie des Druckereiwesens. Neben kurzen Abrissen zur Geschichte der Firmen sind auf der Website zahlreiche Abbildungen der hergestellten Produkte zu sehen: Dampfmaschinen, Kräne, Ventilatoren, Baumaschinen und Bagger.
Um an die nötigen Informationen zu gelangen, wurden Quellen und Literatur studiert, Menschen befragt, die Stadt begangen, das Gelände kartiert. Doch damit nicht genug, dem Duo schwebt noch viel mehr vor, ein „Industriepfad“ etwa, der zu den sichtbaren Spuren Zweibrücker Industriekultur führt sowie ein Internetauftritt auf der Plattform „Kultur.Landschaft.Digital“. Unternehmen seien ebenfalls eingeladen, Beiträge beizusteuern, betonen die beiden; in den Begriff der Zweibrücker Industriekultur schließe man nicht nur historische, sondern auch heute produzierende Betriebe und Unternehmen ein. Die Ergebnisse der Arbeit sollen regelmäßig auf den digitalen Plattformen aktualisiert werden.
Eine erste „industrielle Erinnerungslandschaft“ wird in den nächsten Tagen im Edeka-Markt am Hilgardplatz entstehen, kündigen Herz und Soyez an. An ebenjener Stelle befand sich früher die Firma Pörringer & Schindler. Historische Unterlagen des Unternehmens wurden aus Privatbesitz zur Verfügung gestellt und sollen nun als Fotocollagen im renovierten Edeka-Markt zu sehen sein.