Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Zweibrücker Industriegeschichte: Von der Dreschmaschine zur autonomen Erntemaschine

In der Ausstellung zur Zweibrücker Industriekultur im Stadtmuseum ist auch dieser Lanz-Mäher zu sehen, der von einem Traktor gez
In der Ausstellung zur Zweibrücker Industriekultur im Stadtmuseum ist auch dieser Lanz-Mäher zu sehen, der von einem Traktor gezogen wurde.

Die Namen Christian Wery, Heinrich Lanz und John Deere sind eng mit der Entwicklung von Erntemaschinen verknüpft. Sie schrieben ein Stück Zweibrücker Industriegeschichte.

Als Urvater der Zweibrücker Erntemaschinen gilt der Zweibrücker Schlossermeister Christian Wery. Er eröffnete 1863 eine „mechanische Werkstätte“ in der Wallstraße, die bald in die Kaiserstraße umzog. Wery bot neben vielen anderen Produkten auch landwirtschaftliche Geräte an, die dem Bauern die Arbeit erleichterten. Wurde bisher mühevoll von Hand gemäht, ersetzten von Tieren gezogene Grasmäher zehn bis 15 Handmäher.

Zum Vergleich: Vor 150 Jahren ernährte ein Landwirt mit seiner Arbeit drei Personen. Mit Sichel und Sense wurde das Getreide geschnitten und zu Garben aufgerichtet, damit es trocknen konnte. Danach musste es noch gedroschen werden. 1950 ernährte ein Landwirt schon zehn Personen; 1990 waren es 67 und heute sind es 153 Personen.

Geschichte von Zweibrücker Betrieben

Diese Zahlen hat Ferdinand Zumbach zusammentragen. Der Maschinenbauer und ehemalige Mitarbeiter der Firma John Deere ist aktiv im Verein Zweibrücker Industriekultur. Dieser hat sich vorgenommen, Historie und Gegenwart von Zweibrücker Betrieben zu erforschen und darzustellen. Der Verein hat sich in die Ausstellung zur Zweibrücker Industriegeschichte eingebracht, die derzeit im Zweibrücker Stadtmuseum zu sehen ist. In dieser ist auch ein Grasmäher der Lanz-Werke zu sehen.

Maßgeblich an den Produktivitätssteigerungen in der Landwirtschaft beteiligt war der Zweibrücker Christian Wery. Er baute nicht nur Grasmäher, sondern auch eine erste Dreschmaschine. Der Betrieb wuchs, die Fabrik in der Kaiserstraße wurde zu klein, sodass Wery 1884 mit seinem Betrieb in die Schillerstraße umzog, wie Zumbach erklärt. Der Firmenzug in der Kaiserstraße indes ist heute noch zu lesen.

Umsatz bricht ein

Werys Betrieb entwickelte sich zu einer der bekanntesten Firmen für Erntemaschinen in Deutschland. Es wurden nicht nur Maschinen aus Amerika importiert und vertrieben, sondern zum Beispiel auch selbstbindende Getreidemäher gebaut. Der Schritt von der handwerklichen zur industriellen Fertigung war vollzogen.

Doch während des Ersten Weltkriegs brach der Umsatz ein, das Unternehmen geriet in finanzielle Schwierigkeiten. Werys Konkurrent aus Mannheim, die 1859 gegründete Heinrich Lanz AG, übernahm 1919 zunächst einen Teil, und 1931 dann sämtliche Firmenaktien. Der Betrieb wurde umbenannt in Lanz AG Mannheim, Zweibrücker Betrieb, und auf Grundstücken der Firma an der Homburger Straße erweitert und modernisiert. Bekannt ist die Firma Lanz für den „Bulldog“, der laut Zumbach seinen Namen von seiner Frontansicht haben soll, die einer Bulldogge ähnelt.

Nächster Krieg, nächste Übernahme

Nach dem Zweiten Weltkrieg verschlechterte sich die Ertragslage der Firma Lanz so sehr, dass der Weltmarktführer von Landmaschinen, die John Deere Company aus Illinois in den USA, die Firma 1956 komplett übernahm, wie Zumbach ausführt. Die Firma John Deere geht auf den Schmied John Deere zurück, der 1837 den ersten kommerziell erfolgreichen, selbstreinigenden Stahlpflug entwickelte und das Unternehmen gründete, das bis heute seinen Namen trägt.

Die deutschen Zweigwerke, einschließlich Zweibrücken mit seinem Werk an der Homburger Straße mit rund 1000 Mitarbeitern, firmieren seit 2012 unter der Bezeichnung John Deere GmbH & Co. KG. Die Mähdrescherproduktion wurde Zumbach zufolge ausgebaut; die Produktpalette umfasst verschiedene Mähdreschermodelle und Rotormähdrescher sowie Feldhäcksler für den weltweiten Markt. GPS-Steuerung ist zur Selbstverständlichkeit geworden.

Die Zukunft: autonomes Fahren

Während die Erntemaschinen nicht noch größer werden dürfen, weil dies die Straßenverkehrsordnung nicht erlaubt, wie Zumbach erläutert, geht die Entwicklung hin zum autonomen Fahren, sodass Erntemaschinen langfristig ihre Arbeit alleine verrichten könnten. Dann könnten auch kleinere Maschinen gleichzeitig auf dem Feld unterwegs sein, blickt Zumbach in die Zukunft.

Info

Die Ausstellung „Industrie.Kultur.Geschichte(n). Vom Hammerschlag zur Maschine“ ist bis 19. April im Stadtmuseum Zweibrücken zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags von 10 bis 18 Uhr sowie mittwochs bis sonntags und an Feiertagen von 14 bis 18 Uhr. Das Begleitprogramm mit Führungen, Vorträgen und Sonderveranstaltungen findet sich unter zweibruecken.de/museum.

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