Zweibrücken
Christian Dingler sorgt für einen Bauboom
Die mechanische Werkstatt, die Christan Dingler 1827 in der Zweibrücker Innenstadt eröffnete, wurde schon nach wenigen Jahren zu klein. Deshalb erwarb Dingler den in Ernstweiler gelegenen so genannten Schönhof, einen Mitte des 18. Jahrhunderts erbauten Gutshof, um mehr Platz für seine Fabrik zu haben. Dort wurden in der Folge unter anderem Druckerpressen und Dampfmaschinen gebaut.
Der Schönhof lag außerhalb der Stadt, östlich der heutigen Fahrenbergstraße. Westlich der Fahrenbergstraße hatte bereits der Vater von Christian Dingler 1813 einen parkähnlichen Garten erworben, in dem sich das so genannte Herzogliche Taubenhaus befand, das von der Firma Dingler zu unterschiedlichsten Zwecken verwendet wurde. Dieses Gartenhaus steht heute noch, ein Symbol für den Übergang von der herzoglichen in die industrielle Epoche Zweibrückens.
Zwischen Ernstweiler und der Herzogvorstadt lagen die damals noch unbebauten Stegwiesen. Sie wurden Ende des 19. Jahrhunderts unter anderem von der Dingler’schen Maschinenfabrik und deren Mitarbeitern bebaut.
Der Arm Christian Dinglers reichte aber schon davor bis in die von Herzog Christian IV. ab 1770 erbaute Vorstadt und bis zum heutigen Rathaus. Dieses wurde nur sieben Jahre als solches genutzt und dann verkauft. 1855 kam Christian Dingler in den Besitz des Hauses. Er ließ es aufstocken, wodurch die Symmetrie des Herzogplatzes verloren ging. Erst 1943 ging das Haus wieder an die Stadt Zweibrücken.
Mitte des 19. Jahrhunderts kam es zu einer starken Bautätigkeit entlang des ehemaligen Ernstweiler Weges, der in Dinglerstraße umbenannt wurde. Für den erforderlichen Anschluss in die Stadt wurde auch eine neue Straße durch die Stegwiesen gebaut, die Bismarckstraße, die die Kaiserstraße mit der Dinglerstraße verband.
Nachdem die Schwarzbachbrücken in Eisenkonstruktionen umgebaut waren, stand dem weiteren Ausbau der neuen Vorstadt nichts mehr im Weg. Privathäuser und gewerblich genutzte Bauten entstanden sowohl in den westlich der Herzogvorstadt gelegenen Stegwiesen als auch in den östlich sich anschließenden Augärten.
In der Folgezeit wurde die Bismarckstraße mit der neuen Vorstadt, der späteren Herzogstraße, verbunden: Diese Straße nannte man Verbindungsstraße, bis sie 1901 in Uhlandstraße umbenannt wurde. Das Haus Nummer 9 in der Uhlandstraße etwa wurde 1887 von Heinrich Schmidt erbaut, Fabrikzahlmeister bei Dingler. Ob die Nachbarhäuser ebenfalls von Mitarbeitern der Firma Dingler gebaut und bewohnt wurden, gilt es noch herauszufinden.
Quellen
Die Kunstdenkmäler der Stadt und des ehemaligen Landkreises Zweibrücken, Band 1, 1981, S. 221
Hofer Heinz und „Ortskartell Ernstweiler e.V.“ (Hrsg.), Ernstweiler. Aus der Geschichte eines Zweibrücker Stadtteils, 1995/2012, S. 79 ff.
Kampfmann L. (Hrsg.), Heimatkunde des Bezirksamts Zweibrücken, 1912, S. 228 ff., 245
Ludwig Hans, Die Dinglerwerke, S. 43 ff.
Reichling Helmut, Zweibrücken und die Industrielle Revolution, in: Glück-Christmann Charlotte (Hrsg.), Zweibrücken 1793 bis 1918: Ein langes Jahrhundert, 2002, S. 71 ff.
Diverse Archivalien aus dem Landesarchiv Speyer, dem Stadtarchiv Zweibrücken und dem Katasteramt Zweibrücken.