Zweibrücken
So gehen die vier OB-Kandidaten in den Endspurt vor der Wahl
„Wen würde ich wählen?“ Dass er als Amtsinhaber bei dieser Frage in der Wahlumfrage aktuell vorne liegt – mit 30 Prozent, vor Christina Rauch (CDU), die es auf 24 Prozent bringt –, hatte Marold Wosnitza (SPD) so erwartet. „Ich bin zufrieden“, sagt der Zweibrücker Oberbürgermeister, der um seine Wiederwahl am 22. März kämpft.
Die RHEINPFALZ hat eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts CMR veröffentlicht. Dabei wurde deutlich, dass alle vier OB-Kandidaten in der Bevölkerung gut bekannt sind. Mit Marold Wosnitza (SPD) sind 92 Prozent der befragten Zweibrücker vertraut, mit der Beigeordneten Christina Rauch 89 Prozent. „Wie sollte man mich nach acht Jahren Amtszeit auch nicht kennen?“, weiß Wosnitza, dass bei seinen guten Werten der Amtsbonus eine Rolle spielt. Laut Umfrage liegt er bei den Kriterien „hat Führungsstärke“ und „versteht etwas von Wirtschaftspolitik“ vorn. „Wer davon nichts versteht und von Amtsführung im Rathaus keine Ahnung hat, dem würde aber auch der ganze Amtsbonus nichts nützen“, argumentiert Wosnitza.
Im Wahlkampf hält der Amtsinhaber nichts von floskelhaften Forderungen und Allgemeinplätzen. „Da muss man schon mit Themen und Inhalten ins Detail gehen. Darüber kann man sich zum Beispiel auf meiner Webseite informieren.“ Was er erreicht habe und sich für die nächsten acht Jahre vorgenommen hat, will der OB auch über einen Flyer kommunizieren, der in den nächsten Wochen in den Haushalten verteilt wird.
Wosnitza: Nach Serie von Krisen geht es aufwärts
Dass die Umfrage in der Stadt eine schlechte allgemeine Stimmung verortet, wundert Wosnitza nicht: „Seit Jahren reiht sich in Deutschland eine Krise an die nächste. Das schlägt sich auch in der Stimmung in den Kommunen nieder. Leider wird die schlechte Stimmung aus einigen politischen Ecken noch geschürt. Die haben ein Interesse daran, weil sie daraus für sich Honig saugen können.“
Dabei gehe es in Zweibrücken inzwischen aufwärts. „Zurzeit entstehen hier über 1000 neue Arbeitsplätze“, erinnert Wosnitza an die Amazon-Ansiedlung und die Erweiterung des Fashion Outlet. „Und in den Unternehmen zieht’s jetzt an. Die Auftragsbücher füllen sich wieder.“
Rauch: Zweibrücker Potenziale entwickeln
„Umfragen sind Momentaufnahmen“, sagt die Beigeordnete Christina Rauch (CDU). Es sei noch mehrere Wochen hin bis zum 22. März. „Für mich zählt der direkte Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern. Ich will weiter zuhören und dafür werben, dass wir Zweibrücken noch lebens- und liebenswerter machen. Unsere Stadt hat viel mehr Potenzial; das möchte ich gemeinsam mit den Menschen entwickeln“ – auch mit Vereinen, Ehrenamt, Wirtschaft, Verwaltung und Politik. Die Beigeordnete sagt, sie wolle „weiter zuhören und intensiv für meine Ideen für Zweibrücken werben. Bis zum 22. März.“
Auf die schlechte Stimmungslage in der Stadt angesprochen, sagt Christina Rauch, viele wünschten sich „mehr Orientierung, Verlässlichkeit und sichtbare Fortschritte“. Daher wolle sie „zuhören, präsent sein und konsequent handeln“. Vertrauen entstehe, „wo Menschen erleben, dass ihre Anliegen ernst genommen werden“. Sie selbst verfolge das Ziel, verstärkt die Innenstadt in den Fokus zu nehmen, die Wirtschaftsentwicklung zu stärken und in Zweibrücken für mehr Lebensqualität zu sorgen.
Hofer: Mit aktueller Stadtspitze geht es nur bergab
Christian Hofer (AfD) kommt in der Umfrage auf derzeit 14 Prozent der Stimmen. In puncto Bürgernähe, Wirtschaftskompetenz oder Führungsstärke schneidet er von allen vier OB-Bewerbern am schlechtesten ab; stellenweise mit Abstand. „Wenn ich in der Stadt unterwegs bin, spiegelt sich dieses Ergebnis mir gegenüber nicht wider.“ Bis zur Wahl plane die AfD noch mehrere Veranstaltungen, zudem wolle er bis dahin noch mehr Präsenz in der Innenstadt zeigen. „Und wir haben jetzt auch Plakate von mir“, ergänzt der AfD-Kandidat. Warum erst jetzt? „Die sind erst jetzt fertig geworden.“
Der AfD-Kandidat will die 25 Prozent der Wähler, die derzeit noch unentschlossen sind, noch für sich gewinnen. Dann käme er rechnerisch auf 39 Prozent der Stimmen. Was immer noch nicht genug wäre für den Sieg im ersten Wahlgang, aber die Qualifikation zur Teilnahme an der Stichwahl bedeuten würde. Gelänge ihm das, würde Hofer in einer Stichwahl lieber gegen Marold Wosnitza antreten. „Da hätte ich die Hoffnung, dass die CDU-Wähler dann zur AfD tendieren.“
Auf die schlechte Stimmung in der Stadt angesprochen, zeigt sich Hofer wenig überrascht. „Das deckt sich mit den Aussagen der Bürger, die ich höre.“ Viele klagten bei ihm über eine marode Infrastruktur, Mängel beim Nahverkehr, Schneckentempo beim Glasfaser-Ausbau und zu viele Leerstände. Hofer kritisiert: „Mit der aktuellen Stadtspitze geht es nur noch bergab. Probleme werden viel lieber ausgesessen als angepackt.“
Eren: Fragt die Leute, was sie wollen
„Ich will mir die 25 Prozent holen, die noch unentschlossen sind“, sagt auch Atilla Eren. Wie der parteilose Bewerber (Umfrage: acht Prozent) das schaffen will? „Ich zeige klare Kante. Ich will mit Argumenten überzeugen.“ Dass er bei der Frage nach persönlicher Wirtschaftskompetenz und der Einschätzung der Wähler, wie gut er die Stadt nach vorne bringen kann, weniger gut abschneidet, stört ihn wenig. „Wenn das die Meinung der Leute ist, dann ist das so.“ Gerade mit Blick auf diese beiden Kriterien will Eren bis zum Urnengang am 22. März noch aufholen. „Wir müssen das Leben in der Innenstadt voranbringen und dafür mal mit den Leuten reden, was sie überhaupt wollen.“
Dass viele Befragte die Stimmung in der Stadt als schlecht angeben, kann Atilla Eren nachvollziehen. „Es geht eindeutig bergab. Das ist nur schwer zu übersehen.“ Die Innenstadt sei karg, und in diesem Zusammenhang kritisiert der Kandidat die seiner Meinung nach zahlreichen Baulücken, nennt als Beispiel das Areal beim abgerissenen „Kronprinzen“. „Dass da jeder unzufrieden ist, ist doch klar.“ Eren weiß, dass die Stadt wenig Geld hat. Aber das Geld, das ausgegeben wird, solle lieber in „sinnvolle Investitionen“ fließen. Noch mal sagt er: „Wir müssen die Leute fragen, was sie wollen, und nicht einfach mal so was machen.“
Podiumsdiskussion
Zur Zweibrücker Oberbürgermeisterwahl am 22. März treten vier Kandidaten an: Amtsinhaber Marold Wosnitza (SPD), die Beigeordnete Christina Rauch (CDU), Stadtratsmitglied Christian Hofer (AfD) und der parteilose Bewerber Atilla Eren. Wer die Kandidaten und ihre Ziele näher kennenlernen möchte, sollte am Donnerstag, 26. Februar, 19 Uhr, zur RHEINPFALZ-Podiumsdiskussion in die Festhalle kommen. Dort stellen sie sich den Fragen von Redaktionsleiter Thomas Büffel und der stellvertretenden Redaktionsleiterin Sigrid Sebald. Der Eintritt ist frei. Wenn Sie Fragen haben, die wir an dem Abend den Kandidaten stellen sollen, dann schicken Sie uns eine E-Mail an redzwe@rheinpfalz.de.
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