Zweibrücken
Maler im Evangelischen Krankenhaus: Im letzten Jahr noch mal alle Flure gestrichen
Harald Beetz arbeitete schon im Evangelischen Krankenhaus, bevor er dort überhaupt einen Arbeitsvertrag unterschrieben hatte – als Maler bei der Zweibrücker Firma Werner, die damals in dem Haus tätig war. „Da hat mich dann mein späterer Chef angesprochen, ob ich nicht im Evangelischen anfangen will“, erinnert sich Beetz. Für ihn war das ein großer Schritt. Bereits 17 Jahre lang hatte er zu diesem Zeitpunkt für die Firma Werner gearbeitet. Dennoch wagte er den Wechsel. „Ich habe aber gesagt, dass ich da bis zur Rente arbeiten will.“ Dieses Ziel hat Beetz erreicht. Der Zweibrücker legte eine Punktlandung hin: Am 30. September 2016 schloss die Klinik auf dem Himmelsberg für immer ihre Türen, am 1. Oktober begann für ihn der Ruhestand.
An seine Zeit im Evangelischen Krankenhaus denkt er bis heute gerne zurück. „Ich habe es empfunden, als wären wir eine große Familie“, sagt er. Jeden Tag sei er mit guter Laune zur Arbeit gegangen. Beetz kannte jeden Winkel des Krankenhauses – vom Keller über die Stationsflure und den OP bis hinauf aufs Dach. Dort gab es sogar einen Hubschrauberlandeplatz, erzählt er. „Da ist aber nie ein Hubschrauber gelandet. Und da wird auch nie einer landen“, verrät Beetz.
Im letzten Jahr neue Tapeten und frische Farbe
Im letzten Jahr des Krankenhauses veränderte sich die Stimmung. „Vor allem gegenüber der Geschäftsleitung“, sagt Beetz. Auch der Umgangston unter den Mitarbeitern sei rauer geworden. Warum das Krankenhaus schließen musste, konnte damals niemand verstehen. „Ich kann das bis heute nicht nachvollziehen“, ergänzt er. Umso grotesker erschien ihm, was gleichzeitig geschah: Noch im letzten Klinik-Jahr erhielt er den Auftrag, die Flure neu zu streichen. Neue Betten wurden angeschafft. Und vor dem Gebäude, so erinnert er sich, wurde sogar ein nagelneues Schild angebracht – das kurze Zeit später mit schwarzen Tüchern verhüllt wurde. „Wir haben dann gefragt, warum das zugehängt wird. Und uns wurde gesagt: ,Weil das Krankenhaus zumacht’“, erinnert sich Beetz. „Ich glaube, der Landesverein wollte das Haus nicht mehr haben“, spekuliert er. Von der Geschäftsleitung und von der Kirche fühlte er sich belogen.
Ob noch einmal etwas aus dem Evangelischen Krankenhaus wird? Beetz glaubt nicht daran. „Es ist schade, dass man so ein Haus wegschmeißt. Ich sag’ immer: ,mein Haus’. Das ist so, wenn man jeden Raum darin kennt.“ Gerne würde er das Innere der Klinik mal besichtigen. „Mich interessiert vor allem, was aus meinem Farblager geworden ist“, sagt er. In der Kammer, tief im Kellergeschoss des Krankenhauses verborgen, stand einst sogar ein Farbtresor, der sich im Falle eines Brandes automatisch verschlossen hätte.
Im Aufzug erwacht die „Leiche“ zum Leben
Beetz plädiert dafür, das Krankenhaus abzureißen. Auf dem Gelände könnte stattdessen ein großes Wohnhaus entstehen. Der gewaltige Bau oberhalb der Stadt verfällt seiner Ansicht nach zunehmend. „Ich war letztens oben. Drumherum ist alles verwuchert.“ Der Brand vor einigen Wochen habe sein Übriges dazu beigetragen. Die Erinnerungen an das Krankenhaus sind dennoch lebendig geblieben. „Ich habe heute noch alles vor mir. Ich könnte mit geschlossenen Augen durchgehen und würde mich zurechtfinden“, sagt Beetz.
Fragt man ihn nach seiner eindrücklichsten Krankenhausgeschichte, fällt ihm sofort eine Begebenheit im Aufzug ein. Einmal fuhr er vom Kellergeschoss nach oben, als ihn Kollegen fragten, ob er nicht ein Bett mit einem angeblich Verstorbenen mitnehmen könne. Beetz willigte ein. „Die Tür ging zu, wir fuhren los. Auf einmal packte mich eine Hand. Ich hatte fast einen Herzinfarkt, so sehr hab’ ich mich erschrocken“, erzählt er lachend. Die Pointe: Der „Tote“ im Bett war gar nicht tot – sondern einer seiner Kollegen aus der Technik, der ihm einen Streich gespielt hat.
Die Serie
Vor zehn Jahren, im September 2016, schloss das Evangelische Krankenhaus in Zweibrücken für immer. Die RHEINPFALZ hat mit Ex-Mitarbeitern der Klinik gesprochen. Wie war es, damals im Evangelischen zu arbeiten? Wie haben die Mitarbeiter die Monate vor der Schließung erlebt? Wie geht es für sie weiter? Welche Zukunft sehen sie für ihr Evangelisches? Die bisher erschienenen Teile finden Sie unter www.rheinpfalz.de/evkhzw10.


