Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Bücherei-Umzug in Kirche: FWG wundert sich über Zweibrückens OB

OB Marold Wosnitza schlägt vor, die Mediothek in der Karlskirche unterzubringen.
OB Marold Wosnitza schlägt vor, die Mediothek in der Karlskirche unterzubringen.

Die FWG im Stadtrat kritisiert den Zweibrücker OB wegen dessen Idee, die geplante Mediothek in der leerstehenden Karlskirche unterzubringen.

Der Zweibrücker Stadtrat hatte im Sommer 2024 zugestimmt, dass die Stadt eine sogenannte Mediothek bekommt, die ins ehemalige City Outlet am Busbahnhof ziehen soll. Dort sollten Stadtbücherei und Jugendbücherei unter einem Dach zusammengefasst werden. Außerdem waren weitere Angebote geplant, darunter ein Café, ein Raum für Computerspiele, Arbeits- und Lernräumen, Spielecken für Kinder, ein Videostudio und moderne Geräte wie 3D-Drucker. Nun hat die Gewobau, der das Gebäude gehört, es jedoch für mindestens zehn Jahre an die Kaufhauskette Woolworth vermietet. Zweibrückens Oberbürgermeister Marold Wosnitza schlägt deshalb vor, die Mediothek-Pläne in der Karlskirche zu verwirklichen, die die protestantische Kirche abgeben möchte.

FWG ist vom OB enttäuscht

In seiner Haushaltsrede in der Dezember-Sitzung des Stadtrats griff FWG-Sprecher Kurt Dettweiler dieses Thema noch einmal auf. Dass die Gewobau das City Outlet an Woolworth vermietet – „so weit so gut“, fand er. Erstaunt sei er aber gewesen, dass bei der Unterzeichnung des Mietvertrages und der Pressekonferenz Dekanin Silke Gundacker und der Presbyteriums-Vorsitzende Heinz-Ulrich Koch „plötzlich mit am Tisch“ saßen. „In der Presse musste ich dann lesen, dass unser Oberbürgermeister für sein Projekt Mediothek den Kauf der Karlskirche ins Gespräch bringt“, sagte Dettweiler und ergänzte: „Ich finde es schon enttäuschend vom Oberbürgermeister, so vorzupreschen, ohne uns zu informieren.“ Bevor über ein solches Projekt überhaupt gesprochen werden könne, erwarte die FWG belastbare Gutachten, Kostenschätzungen, Finanzierungsmodelle sowie eine frühzeitige Beteiligung der politischen Gremien.

Teil einer Mediothek in der Karlskirche könnte auch die Bibliotheca Bipontina werden, deren historische Bände derzeit in Speyer lagern. Hier hat die CDU Bedenken. Sie sähe die Bipontina lieber weiter an ihrem angestammten Platz im Helmholtz-Gymnasium (HHG) und nicht in der Karlskirche „mit Spielecke und Mediothek“, wie Fraktionssprecher Pascal Dahler sagte. Nach der Vorstellung von OB Wosnitza soll die Bibliotheca Bipontina ebenfalls in die Karlskirche ziehen. Der komplette Altbestand soll nach Zweibrücken zurückkehren. Die Sammlung bleibe bestehen, sei auch weiter einsehbar, werde aber nicht mehr erweitert, hatte er im November erklärt. Die Bipontina sei dann keine eigene Bibliothek mehr, sondern werde Teil der Stadtbücherei im Besitz des Landes mit Personal vor Ort. Das sei „ein guter Kompromiss“, fand der OB.

CDU: Viele Synergieeffekte mit Helmholtz-Gymnasium

CDU-Stadtratsmitglied Elisabeth Metzger hatte bereits im März 2023 angeregt, dass die Karlskirche ein geeigneter Ort für die Bipontina sein könnte. Pascal Dahler verwies aber darauf, dass es dabei darum gegangen sei, die Bibliothek in Gänze zu erhalten – mit täglichen Öffnungszeiten und wissenschaftlicher Betreuung. Das habe der Stadtrat bekräftigt, als er im Herbst 2023 einstimmig eine Resolution zum Erhalt der Bipontina beschloss. Am jetzigen Standort gebe es viele Synergieeffekte mit dem HHG, fand Dahler.

Die CDU hatte wie bereits im Vorjahr beantragt, für die Sanierung der Räume im HHG 250.000 Euro in den Haushalt einzustellen. Die seien im Haushaltsansatz drin, erläuterte der stellvertretende Leiter der Kämmerei, Alex Kimmel. Das reiche aus, um eine mögliche Sanierung anzustoßen. Es sei aber bereits „zu erkennen, dass es teurer wird.“ Hoffnung könnte der Stadt Zweibrücken eine Nachricht aus dem rheinland-pfälzischen Innenministerium vom Montag machen: Pirmasens bekommt vom Land 673.000 Euro, um Dokumente und Unterlagen zur Stadtchronik und zur Stadtgeschichte an einem zentralen Standort zusammenzuführen. Hierfür soll ein Teil der Messehalle zum Stadtarchiv umgebaut werden.

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