Speyer
Vegane Crêpes aus Speyer: „Crêpemacherei“ bei „Rock am Ring“ im Großeinsatz
Was haben das Festival „Rock am Ring“, das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring und der Weihnachtsmarkt in Otterstadt gemeinsam? Vor Ort gibt es Crêpes aus Speyer – und zwar von der „Crêpemacherei“. Die Speyerer Yasmin (36) und Christian Collet (38) gründeten das Unternehmen 2020 während der Corona-Pandemie. Doch wie kam es dazu, dass Crêpes aus Speyer auf Festivals, Konzerten und anderen Events in ganz Deutschland gefragt sind?
Christian Collets Mutter betrieb über 20 Jahre lang einen klassischen Crêpes-Stand auf regionalen Festen und Märkten: „Heike’s Schlemmerecke“. „Das Crêpemachen wurde mir quasi in die Wiege gelegt“, sagt Collet und schmunzelt. Als seine Mutter 2020 aufhörte, übernahmen Christian Collet und seine Frau das Geschäft nebenberuflich – mit neuem Konzept.
Veganer Teig und Bio-Produkte
Die beiden setzen auf vegane Produkte und Nachhaltigkeit: „Unser Teig ist zu 100 Prozent vegan“, sagt Yasmin Collet. In den meisten Crêpes-Teigen komme Ei vor – die Speyerer Crêpemacher verwenden in ihrer eigenen Teigmischung Hafer als Ersatz. Am Geschmack ändere das laut Collet fast nichts. „Viele vegane Gäste freuen sich sehr, da sie schon lange keine Crêpes mehr gegessen haben.“ Auch die Toppings seien zu drei Vierteln vegan. Es gebe aber weiterhin auch Toppings wie Schinken – man wolle Alternativen bieten, jedoch nichts vorschreiben. „Zudem arbeiten wir überwiegend mit Bio-Produkten“, ergänzt sie.
Neben Klassikern wie Zimt und Zucker sowie Nutella – laut Collet der Bestseller – stehen auch ausgefallenere Varianten auf der Karte, etwa ein Crêpe im mexikanischen Stil mit Guacamole, Käse und Nachos. Zu den dünnen französischen Pfannkuchen gibt es grundsätzlich keine Plastikteller, sondern essbare Waffeln – die Servierten sind biologisch abbaubar. „Wir leben privat auch sehr nachhaltig, das wollen wir genauso bei unseren Crêpeständen umsetzen“, sagt Yasmin Collet.
Unterstützung FCK-Graffiti-Künstler
Zu Beginn verpassten die beiden Verwaltungsangestellten dem Verkaufswagen der Mutter mit Hilfe des bekannten Graffiti-Künstlers Daniel Ferino, der sich auch auf dem Lautrer Betzenberg schon verewigt hat, einen neuen Anstrich. Das rostig-schwarze Retro-Design wurde anfangs skeptisch beäugt, hat sich inzwischen jedoch bewährt, so Collet. Der Wagen erhielt auch einen Namen: „Ruby“.
Mit „Ruby“ ging es im Winter 2021 zum ersten Einsatz: der Weihnachtsmarkt im Speyerer Industriehof. „Damals wussten wir noch gar nicht, wo die Reise hingeht“, erinnert sich Christian Collet. Mittlerweile, rund fünf Jahre später, ist das Team der „Crêpemacherei“ von zwei Personen auf 20 gewachsen, zwei weitere Verkaufswagen kamen hinzu: „Joko“ und „Charly“.
„Im Sommer so gut wie ausgebucht“
Die Einsätze haben sich sowohl hinsichtlich der Orte als auch der Anzahl stark verändert, sagt Christian Collet. „In der Hauptsaison von Mai bis September sind wir so gut wie ausgebucht.“ Glücksgefühle-Festival am Hockenheimring, Hurricane-Festival bei Bremen, 24-Stunden-Rennen am Nürburgring – die Liste ist lang. Um das alles zu organisieren, brauche es ein gutes, verlässliches Team, so Collet. Mitunter stehen alle drei Wagen am gleichen Wochenende auf unterschiedlichen Veranstaltungen.
Niemand im Unternehmen ist hauptberuflich angestellt. „Da kommen einige Nachtschichten auf einen zu“, sagt Yasmin Collet – und Urlaubstage gehen drauf. Spaß macht den beiden das Geschäft dennoch, sonst würden sie es sich nicht aufladen, sind sich die beiden einig. Mit zwei Kindern zuhause sei es aber immer wieder herausfordernd.
Exklusiv bei Rock am Ring und Promibesuch
Ein Festival sticht in diesem Jahr heraus: „Rock am Ring“ am Nürburgring ab 5. Juni. Dort sind die Speyerer Crêpemacher seit 2023 dabei. Neu ist, dass sie in diesem Jahr als Einzige auf dem Festival Crêpes verkaufen dürfen – und zwar mit allen drei Ständen gleichzeitig. Weit mehr als zwei Tonnen Teig, über eine halbe Tonne Nutella und mehr als 10.000 verkaufte Crêpes: Das sind laut Collet die Zahlen für das dreitägige Festival in der Eifel aus den letzten Jahren. Und damals waren dort noch andere Crêpes-Verkäufer vertreten.
Pro Stand brauche man vier bis fünf Personen, erklärt Christian Collet. Öffnung um 12 Uhr, Schließung um 2 Uhr nachts. „Das funktioniert nur im Kollektiv.“ Über den Tag werden die Schichten rotiert. Der Kontakt mit den Gästen sei eines der Highlights – mitunter auch mit Prominenten: „Bei einem Rennen am Nürburgring Anfang Mai war Max Kruse bei uns am Stand“, erzählt Collet. Der Ex-Fußballprofi habe den beschäftigten Standbetreibern sogar Getränke gebracht.
Speyerer Wurzeln nicht vergessen
Trotz großer Einsätze in ganz Deutschland bleiben die Gründer ihren Speyerer Wurzeln treu. Auf regionalen Festen wie der Frühjahrsmesse oder lokalen Weihnachtsmärkten sind sie weiterhin vertreten – soweit es der enge Zeitplan zulässt. Das Brezelfest in diesem Jahr verpassen sie wegen terminlicher Überschneidungen, ärgert sich Christian Collet. Spendenaktionen, unter anderem eine in Zusammenarbeit mit Edeka Stiegler für das Kinderhospiz in Dudenhofen, stehen ebenfalls regelmäßig an. „Natürlich wollen wir auch soziale Verantwortung für die Region zeigen“, so Collet.
Trotz der vielen Termine im Kalender: Ein Festival steht zumindest für Christian Collet noch auf der Wunschliste – Wacken. Der Hardrock auf dem Festival sei zwar nicht seine Musik, dennoch würde Collet dort gerne einmal Crêpes verkaufen. Bislang besteht jedoch noch ein Vertrag mit einem anderen Crêpes-Betreiber. Aber wer weiß: Vielleicht gibt es in einigen Jahren auch beim Hardrock-Festival im Norden Deutschlands Crêpes aus Speyer.