Sausenheim
Wie auf dem Betze: Bekannter Sprayer verschönert Wand dieses Fußballvereins
Die Emotionen kochen beim Fußball gerne mal hoch. Verzerrte Gesichter, hochgerissene Arme, die Siegerfaust erhoben: Wie das aussieht, kennt jeder Fan. Aber auch jeder andere kann genau das jetzt auf dem Gelände des Turn- und Sportvereins Sausenheim sehen. Die Wand am Sportplatz ziert neuerdings ein riesiges Graffiti, gesprüht vom bekannten Wormser Künstler Daniel Ferino – mit dem der Verein ein weiteres Projekt plant.
Über die Youtuber Tisi Schubech, also Timo Schulz und Simon Bechtold, die inzwischen fast eine Million Follower haben, sei der Kontakt zustande gekommen, erzählt Bastian Dahm, sportlicher Leiter der Fußballabteilung. Schulzs Kinder seien Mitglieder im TuS und kennen Ferino laut Dahm schon länger. Dort wiederum habe schon länger die Idee geschlummert, zumindest eine Wand am Vereinshaus zu verschönern, so Jugendleiter Lucas Colaco De Sousa. Konkret ging es um die Wand, an der schon zuvor das Vereinslogo zu sehen war. „Ich wollte ein paar Elemente ergänzen lassen“, erinnert er sich.
Unterstützung von Youtubern
Das Ergebnis ist weit mehr: An drei meterlangen Wänden hat sich Ferino ausgetobt. Abgebildet sind nicht nur zwei jubelnde Fans – ein Mann und eine Frau –, sondern auch eine Tribüne, Fan-Silhouetten, und alles in den Farben des Sausenheimer Vereins. Das Logo taucht auch mehrfach auf, unter anderem an der Wand, an der es früher schon war, jedoch sprengt es jetzt dort durch die Mauer und sieht wesentlich frischer aus als einst. „Wir sind mega stolz, denn wir sind der einzige Dorfverein, der das hier in der Region hat“, schwärmt Dahm mit Blick auf Ferinos Kunstwerk. Dieser hatte laut De Sousa freie Hand und durfte sich austoben.
Die Kosten für das Projekt liegen im fünfstelligen Bereich, sagt Dahm. Dafür habe es Sponsoren gebraucht. Den größten Teil hätten die Youtuber Schulz und Bechtold gezahlt. Darüber hinaus seien weitere regionale Unternehmen beteiligt gewesen. Dadurch habe sich das Graffiti umsetzen lassen. Dreieinhalb Tage habe Ferino gebraucht, bis er fertig war – ausgestattet mit „1000 Spraydosen und einer 3D-Brille“, sagt Dahm. Darauf bekomme er den Entwurf angezeigt, den er infolge dessen auf die Wand überträgt, was den Abteilungsleiter fasziniert. Wie Ferino genau vorgeht, bleibt aber offen. Trotz mehrfacher Anfrage will er sich der RHEINPFALZ gegenüber nicht äußern.
Obwohl das Großprojekt abgeschlossen ist, gibt es weitere Pläne, denn seit Kurzem befindet sich ein Container auf dem Gelände, in dem sich ein Lagerraum befindet. Auch der sei größtenteils von Sponsoren finanziert. Er soll ebenfalls noch von Ferino verschönert werden, sagt Dahm. „Es soll am Ende ein Komplex sein“, fügt er mit Blick auf das Graffiti an.
Ernten, was gesät ist
Die beiden Männer sprechen von der Ernte, die sie vor zwei Jahren mit Übernahme ihrer Ämter gesät haben. Es ist aber nur ein Teil: Neben der Umgestaltung des Kabinengebäudes gehört auch der Anstieg der Mitgliederzahlen dazu, die den Verein vor größere Probleme stellt: Waren es vor einem Jahr 450 Mitglieder in der Fußballjugend, sind es in diesem Jahr 650 – ein Anstieg von mehr als 40 Prozent. Derzeit suche der Verein nach Lösungen, die Kinder und Jugendlichen überhaupt noch im Training unterzubekommen. „Sie zurückzuweisen, kommt für uns nicht infrage“, betont De Sousa.
Auch darüber hinaus wächst der Verein – mit Blick auf die Sponsoren. Um die bemühe sich Dahm, wie er sagt, und zwar wegen seines speziellen Konzepts: Statt einen großen Geldgeber zu fischen, setze er auf viele lokale Akteure. Die Firma mit der größten Entfernung sitze in Grünstadt. Das, davon ist er überzeugt, stärke den Zusammenhalt. „Es ist irre, was dieses Dorf für Potenzial hat“, betont auch De Sousa. Das mache den Erfolg des TuS aus. Ideen, wie es weitergeht, gibt es auch genug. Das Graffiti jedenfalls war schon mal ein Anfang.