Otterstadt / VG Rheinauen
Tigermücke: Otterstadt startet Bekämpfungsoffensive und bitte Bürger um Mithilfe
„Kann ich ihnen helfen? Was machen sie denn do?“: Diese Fragen bekommt Edgar Schuster immer wieder von Anwohnerinnen und Anwohnern in Otterstadt gestellt. Der 71-Jährige ist seit vergangenen Sommer der Tigermückenbeauftragte der Ortsgemeinde und besprüht alle 14 Tage die Gullys am Straßenrand mit dem von der Kabs zur Verfügung gestellten Wirkstoff BTI, der die Larven töten soll. Schuster wird deshalb scherzhaft „Tigermücken-Terminator“ genannt. Der Rentner, der auf Minijob-Basis bei der Ortsgemeinde angestellt ist, kümmert sich mit Unterstützung des Bauhofs und der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) von April bis Oktober um die Bekämpfung der Tigermücke. Eine vergleichbare Stelle gibt es laut Ortsgemeinde in anderen Kommunen nicht.
Die drei bis zehn Millimeter kleine, schwarz-weiße Mücke, die ursprünglich aus Südostasien stammt, ist tagsüber und auch bei mehr als 30 Grad aktiv und nach Angaben der Kabs sehr aggressiv. Sie kommt am Oberrhein immer häufiger vor, kann zur Plage werden und hat das Potenzial, wenn sie zuvor einen infizierten Menschen gestochen hat, mehr als 20 verschiedene Viren zu übertragen – darunter das Dengue- und das Zika-Virus. Die Tigermücke wurde bereits in Lingenfeld, Römerberg, Speyer und Waldsee nachgewiesen und hat sich auch in Otterstadt angesiedelt.
Bürger zur Bekämpfung gebraucht
Die Kabs berichtete im Jahr 2024, dass an 20 von 27 Standorten in Otterstadt Tigermückeneier in Fallen nachgewiesen worden seien. Die Gesamtzahl der ausgewerteten Eier, die positiven Stichproben und die Bürgermeldungen deuteten darauf hin, dass sich bereits eine große Tigermückenpopulation aufgebaut habe, die von der Bevölkerung als belästigend wahrgenommen werde, hieß es vor zwei Jahren. Hotspots befanden sich vor allem rund um die Mannheimer Straße und die Guidostraße.
Die Ortsgemeinde, die Verbandsgemeinde und die Kabs starteten daraufhin im Frühjahr 2025 eine großangelegte Informationskampagne. „Wir wollten die Bekämpfung der Tigermücke auf andere Beine stellen“, sagt Otterstadts Beigeordneter Harald Endres (grüne kommunale Liste). Er erläutert, dass es drei Säulen brauche, um die Population der Tigermücke einzudämmen: die Kabs, die den Wirkstoff zur Bekämpfung zur Verfügung stellt; die Bürger, die auf ihrem Privatgelände die Tigermücke bekämpfen sollen; und die Ortsgemeinde, die mit gutem Beispiel vorangehen will und zur Bekämpfung Edgar Schuster eingestellt hat. Er kümmert sich um alle öffentlichen Flächen und hat vor allem die vielen Gullys am Straßenrand im Blick, in denen sich Wasser sammelt. Denn dort, wo es dunkel ist und Wasser länger steht, können sich die Larven der Tigermücke besonders gut entwickeln.
„Tigermücken-Terminator“ kümmert sich um 650 Gullys
Schuster fährt ab nächster Woche wieder alle 14 Tage alle Gullys im besiedelten Dorfgebiet mit dem Fahrrad ab und sprüht den Wirkstoff BTI hinein. Der Rentner, der früher als Chemotechniker bei der BASF in der Forschung gearbeitet hat, geht seine Aufgabe strukturiert an. Gemeinsam mit der Kabs hat er einen Plan mit allen 650 Gullys entwickelt und dokumentiert, wann er welchen Gully behandelt hat und welche Abläufe ständig Wasser führen. Dafür hat er auch eine App auf seinem Handy zur Verfügung. Dieser Ansatz kommt gut an: „Edgar läuft nicht blind durch die Gegend und besprüht Gullys, sondern führt eine Statistik“, lobt Beigeordneter Endres. Anhand der Statistik sei bereits erkennbar, dass die gezielte Behandlung Erfolg hat. In den Fallen der Kabs seien beim Vergleich der Saison 2024 und 2025 teilweise weniger Tigermückenlarven gefunden worden.
Nichtsdestotrotz: Die Bekämpfung der Tigermücke ende nicht und könne auch nicht alleine durch die Kabs und den Beauftragten der Ortsgemeinde erfolgen. Vielmehr seien alle Bürgerinnen und Bürger gefragt, Brutstätten für Tigermücken auf dem eigenen Grundstück zu vermeiden. Die Mücke legt ihre Eier in Baumhöhlen, Regentonnen, IBC-Behälter, Reifenlager, Gießkannen, Wassereimer, Blumenuntersetzer, Zierwannen, Friedhofsvasen, Planschbecken, Vogeltränken, Aschenbecher, Kinderspielzeug, Plastikmüll, Clogs, Sonnenschirmständer, Blumenkästen mit Wasserspeicher, Getränkedosen, verstopfte Regenrinnen, Sinkkästen, Zeltdächer sowie Brunnen ab. Die Kabs empfiehlt daher, zwischen April und Oktober Behältnisse, in denen sich Wasser sammeln kann, zu entsorgen, abzudichten, trocken zu lagern oder wöchentlich auszuleeren.
Außerdem sind in den Rathäusern BTI-Tabletten kostenlos erhältlich, um Wasserspeicher wie Regentonnen zu behandeln. In Otterstadt können Bürgerinnen und Bürger im Rathaus auch spezielle Netze zur Abdeckung von Wasserbehältern kaufen, informiert Endres. Die Ortsgemeinde hat ebenso ein Augenmerk auf den Friedhof und die Schrebergärten und bittet die Bevölkerung auch dort, Wasseransammlungen zu vermeiden. Denn grundsätzlich gilt: Die Tigermücke ist laut Experten flugfaul. Der Plagegeist, der einen belästigt, stammt entweder vom eigenen Grundstück oder aus der Nachbarschaft.
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