Otterstadt
Kabs und Gemeinde wollen Tigermücke gemeinsam mit Bürgern bekämpfen
Sie hat ein schwarz-weißes Muster, ist drei bis zehn Millimeter klein, sehr aggressiv, tagsüber und auch bei mehr als 30 Grad aktiv: Die Asiatische Tigermücke kommt am Oberrhein vermehrt vor, belästigt Menschen und hat darüber hinaus das Potenzial – wenn sie zuvor eine infizierte Person gestochen hat –, mehr als 20 verschiedene Viren, darunter das Dengue- und Zika-Virus, zu übertragen. Am Oberrhein in der Pfalz gab es die Mücke unter anderem schon in Germersheim, Römerberg, Speyer, Otterstadt und Ludwigshafen.
In Otterstadt wurde die Asiatische Tigermücke nach Angaben von Kabs-Sprecherin Xenia Augsten erstmals im Oktober 2023 dank einer Bürgermeldung nachgewiesen. Im vergangenen Jahr wurde im Umfeld des Erstfundes – im Ortskern – unter anderem durch von der Kabs beauftragte studentische Hilfskräfte auf Privatgrundstücken der biologische Wirkstoff BTI ausgebracht, der die Larven der Mücke töten soll. Es stellte sich durch Fallenfänge und Stichproben jedoch im Laufe der Saison heraus, dass sich die Tigermücke in Otterstadt weiter verbreitet hatte. „Bis zum Saisonende gab es Einsätze auf 31 Hektar. Durch Fallenfänge wissen wir aber, dass die Population über 40 Hektar weit verbreitet ist“, sagt die Kabs-Sprecherin.
Bürger spielen entscheidende Rolle
Um die Asiatische Tigermücke effektiver zu bekämpfen, ändert die Ortsgemeinde Otterstadt wie andere Kommunen nun ihre Strategie und setzt gemeinsam mit der Kabs auf die Zusammenarbeit mit den Bürgern. Dafür bietet die Kabs laut ihrer Sprecherin seit diesem Jahr jeder Kommune ein eigenes, fast schon maßgeschneidertes Konzept an, um die Tigermücken-Population vor Ort einzudämmen. Demnach wird es keine regelmäßige BTI-Behandlung mehr geben. „Der Fokus liegt stattdessen darauf, die Bürgerinnen und Bürger verstärkt mit einzubinden, was die Brutstättenvermeidung anbelangt. Parallel wird die Kabs intensive Beratungen für Anwohnende anbieten, die sich unsicher sind, was in ihrem Garten als Brutstätte fungieren kann“, sagt Xenia Augsten. Bürgerinnen und Bürger sollen bei Informationsveranstaltungen erklärt bekommen, welche Rolle sie bei der Bekämpfung der Tigermücke spielen. In Otterstadt findet eine solche Informationsveranstaltung kommende Woche statt. Auch der Bauhof wird bei der Eindämmung einbezogen.
„Ziel soll es sein, vor Ort die Population der Plagegeister koordiniert möglichst kleinzuhalten, um damit auch die potenziellen Gefahren und insbesondere die Belästigungen für die Bevölkerung zu reduzieren“, sagt Detlef Schneider, Leitender Beamte in der Verbandsgemeindeverwaltung Rheinauen. Otterstadts Beigeordneter Harald Endres (gkL), der sich dem Thema vor Ort angenommen hat, betont, dass es wichtig sei, die Bekämpfung der Tigermücke auf eine breite Basis zu stellen. Die Kabs werde nicht nur Bauhofmitarbeiter schulen, die sich um potenzielle Brutstätten auf gemeindeeigenen Grundstücken oder Sinkkästen am Straßenrand kümmern, sondern auch Bürger, die die Informationen an ihre Nachbarn und Mitbewohner in der Straße weitergeben und somit als Informationsmultiplikatoren dienen sollen. „Die Tigermücke ist sehr flugfaul. Wer sich also mit der Nachbarschaft zusammenschließt und gemeinsam Brutstättenprävention betreibt, der kann das Tigermückenaufkommen im eigenen Garten maßgeblich reduzieren“, sagt Kabs-Sprecherin Xenia Augsten.
Effektiver und kostensparend
Die neue Strategie soll nicht nur wirksamer sein, sondern spart der Gemeinde einen mittleren fünfstelligen Betrag, der von der Kabs erhoben hätte werden müssen, wenn gegen die Tigermücke wie bisher vorgegangen wird. Denn die Bekämpfung der Tigermücke verursacht zusätzliche Kosten, die nicht durch den jährliche Beitrag abgedeckt sind, den die Kommunen der Kabs für die Bekämpfung der Schnakenplage bezahlen. Die Bekämpfung der Schnaken, wie sie seit Jahren unter anderem auch mit Hubschraubern erfolgt, läuft wie gewohnt weiter. Den Wirkstoff BTI stellt die Kabs über die Gemeinde für Bürger kostenlos zur Verfügung.
Mit Blick auf die Veranstaltung in Otterstadt betont Detlef Schneider, dass sich dort auch Bürger aus den anderen Orten der Verbandsgemeinde zur Bekämpfung der Tigermücke informieren könnten. Es sei Utopie zu glauben, dass sich die Mücke nicht auch anderswo ausbreite. Otterstadt fungiere jetzt als Pilotprojekt, das Konzept zur Bekämpfung könne auch in anderen Gemeinden umgesetzt werden. Denn Kabs-Sprecherin Xenia Augsten sagt: „Die Oberrheinebene ist als wärmebegünstigte Region prädestiniert dafür, dass sich Tigermückenpopulationen etablieren können.“
Termin
Infoveranstaltung zur Asiatischen Tigermücke am Dienstag, 8. April, 19 Uhr, im Remigiushaus in Otterstadt. Die Kabs erklärt, was jeder einzelne zur erfolgreichen Bekämpfung der Tigermücke beitragen kann.
