Neuhofen / Waldsee / Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Tiefengeothermie: Neuhofen stellt Pläne vor, Gegner gründen Bürgerinitiative

Im Süden von Neuhofen: Hochhäuser, die auch ans Wärmenetz angeschlossen werden könnten. Das Netz soll seine Wärme durch Tiefenge
Im Süden von Neuhofen: Hochhäuser, die auch ans Wärmenetz angeschlossen werden könnten. Das Netz soll seine Wärme durch Tiefengeothermie gewinnen.

In Neuhofen steht eine Info-Veranstaltung zur Tiefengeothermie an. Die Gemeinde denkt an ein eigenes Wärmenetz. Was ist geplant und wie kommt das an?

Bei dem Geothermie-Vorhaben, das von der Projektgesellschaft Geopfalz vorangetrieben wird, soll Wärme aus bis zu 3500 Meter Tiefe gewonnen werden. Das Wärme-Reservoir liegt unter Tage östlich der Schlicht auf Waldseer Gemarkung. Der Bohrplatz mit vier Bohrungen soll westlich der Schlicht auf Neuhofener Gemarkung entstehen. Die Flächen gehören der Ortsgemeinde. Der Gemeinderat hat sie mehrheitlich einer Anstalt öffentlichen Rechts – der „Regenerative Energie Neuhofen AöR“ – übertragen, für die die Ortsgemeinde haftet. Neuhofens Ortsbürgermeister Ralf Marohn (FDP) verhandelt derzeit im Auftrag des Ortsgemeinderats mit Geopfalz und hat auch eine Beteiligung der Ortsgemeinde beziehungsweise der Anstalt öffentlichen Rechts an dem kommunalen Unternehmen im Sinn. Gesellschafter von Geopfalz sind bislang die Stadtwerke Speyer und die Stadt Schifferstadt.

Es handele sich somit um ein kommunal getragenes Infrastrukturprojekt, das der Daseinsvorsorge diene. Speyer und Schifferstadt treiben das Projekt voran, weil es in beiden Städten einen vergleichsweise hohen Wärmebedarf gibt. Speyer verfügt bereits über ein Fernwärmenetz, das bisher mit Wärme aus dem Großkraftwerk in Mannheim gespeist wird. Marohn verdeutlicht, dass das bereits bestehende Wärmenetz in Speyer das Projekt wirtschaftlich und effizient mache, weil nach Fertigstellung der Anschlussleitung nach Speyer sofort Einnahmen aus dem Verkauf der Wärme generiert werden könnten.

Gemeinde und Geopfalz stellen Projekt vor

Neuhofen soll aufgrund seiner Nähe zum Bohrplatz ebenfalls von dem Tiefengeothermie-Projekt profitieren. Marohn sieht für die Gemeinde die Chance, eine eigene, grundlastfähige, langfristig preisstabile und klimaneutrale Wärmeversorgung im Ort aufzubauen – unabhängig von Öl und Gas sowie von Wind und Sonne, die nicht rund um die Uhr verfügbar seien. In Neuhofen biete sich an, ein Wärmenetz vom neu gebauten Sportzentrum im Süden über die Rehbachstraße oder den Rehbach-Wanderweg bis in den Ortskern zu bauen. Auf dieser Trasse liegen viele Wärmeabnehmer, die es für ein solches Projekt braucht: drei Hochhäuser mit rund 330 Wohnungen, deren Eigentümergemeinschaft Interesse an einem Anschluss an das Wärmenetz bekundet habe; zirka 220 Wohnungen des Kreiswohnungsverbands sowie Bürgerhaus, Rathaus, Sporthallen, Kindergärten und Schule. Die Gemeinde beziehungsweise die AöR möchte das Wärmenetz selbst bauen lassen. Geopfalz fungiert als Bereitsteller der Wärme. Der Ausbau des Wärmenetzes soll schrittweise erfolgen, sodass nach und nach Anschlussmöglichkeiten für weitere Haushalte geschaffen werden könnten.

Am Montag will der Ortschef bei einer Einwohnerversammlung über das Projekt informieren. Mit dabei wird auch Geopfalz-Geschäftsführerin Claire Weihermüller sein. Ziel sei es, Fragen zu beantworten. Die Versammlung ist für Neuhofener Bürgerinnen und Bürger. „Es wird keiner ausgeschlossen, aber Rederecht und Fragen werden nur von Neuhofener Einwohnerinnen und Einwohnern zugelassen“, sagt Marohn. Hintergrund ist, dass das Projekt im benachbarten Waldsee, wo zuerst ein Bohrplatz geplant war, für massiven Widerstand gesorgt hat. Dort gründete sich – als die Pläne im vergangenen Sommer bekannt wurden – eine Bürgerinitiative gegen Tiefengeothermie (BIgT), die vor „erheblichen Risiken des Projekts“ warnt.

Auch in Neuhofen gibt es inzwischen eine Bürgerinitiative (BI) „Nein zur Tiefengeothermie“. 31 Bürgerinnen und Bürger haben am 7. April das Gründungsmanifest unterzeichnet, teilt die BI mit, die das als „deutliches Signal für den wachsenden Widerstand“ gegen das Tiefengeothermie-Projekt bezeichnet. Die BI sieht besonders den neuen Standort „im Bereich der Schlicht, die für die Bevölkerung ein wichtiger Natur- und Rückzugsraum“ sei, kritisch. Sie befürchtet – wie die BIgT in Waldsee – unter anderem Erdbeben, Schäden an Gebäuden, negative Auswirkungen auf das Grundwasser sowie Umwelt- und Lärmbelastungen. Die BI erklärt, dass sie das Vorhaben in dieser Form ablehne, sich aber nicht gegen erneuerbare Energien richte – „sondern gegen Projekte, deren Risiken und Auswirkungen in keinem angemessenen Verhältnis zu ihrem Nutzen stehen“. Nach RHEINPFALZ-Informationen traten bei dem Treffen in Neuhofen auch Gegner des Projekts aus Waldsee auf.

Termin

Einwohnerversammlung zum Tiefengeothermie-Projekt „Rhein-Pfalz“ am Montag, 20. April, ab 18 Uhr im Bürgerhaus „Neuer Hof“ in Neuhofen.

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