Speyer
Sorge um Ackerflächen: Landwirte kritisieren Aussage von OB-Kandidat
Speyerer und Otterstadter Landwirte – organisiert im Fuhr- und Ackerbauverein Speyer-Römerberg – äußern in einer Stellungnahme „große Sorgen“ über Aussagen des OB-Kandidaten Mike Oehlmann (FDP). Dieser hatte am Dienstagabend in der Rede, in der er seine Kandidatur bekanntmachte, eine „Wohn- und Gewerbeflächen-Offensive“ angekündigt. Darin deutete er die Bereitschaft an, im Zuge eines „ehrlichen Abwägungsprozesses“ auch landwirtschaftliche Flächen zur Disposition zu stellen. Kooperationen mit dem Umland hatte er als weitere Möglichkeit genannt.
Aus Sicht der Landwirte bedeute das „eine direkte Bedrohung für die verbleibenden Ackerflächen in Speyer“, so Vereinssprecher Sebastian Fischer. Wie Oehlmann bezieht er sich auf RHEINPFALZ-Bericht, nach dem die Bundeswehr in die Kurpfalzkaserne zurückkehren und die Entwicklung von Wohn- und Gewerbeflächen auf deren Gelände wohl nicht klappen wird. „Wir Landwirte wollen weiterhin in Speyer existieren können“, betont Fischer, dessen Familie den Thomashof am Steinhäuserwühlsee bewirtschaftet.
Bekenntnis gefordert
„Speyer braucht Entwicklung – aber nicht um den Preis seiner letzten Ackerflächen“, heißt es in der Stellungnahme. Diese seien wichtig zur Produktion regionaler Lebensmittel, gehörten zum gewachsenen Landschaftsbild und sicherten letztlich auch Naherholungsräume und gutes Klima. „Eine Politik, die landwirtschaftliche Flächen primär als Baulandreserve betrachtet, gefährdet all das“, so Fischer. Die Bauernschaft fordere deshalb alle Kandidaten – ausdrücklich auch Oehlmann – auf, klar Stellung zum Erhalt landwirtschaftlicher Flächen zu beziehen und verbindlich zuzusichern, dass landwirtschaftliche Vorrangflächen tabu sind. Wähler rufen sie zu einer Entscheidung auf, „die den Erhalt unserer landwirtschaftlichen Flächen sichert“.
Bereits 2021 hatten die Landwirte aus Speyer und Otterstadt in der RHEINPFALZ unter der Überschrift „Bauern fürchten um ihre Zukunft“ vor dem fortschreitenden Verlust landwirtschaftlicher Flächen gewarnt. Schon damals hieß es: Seit 1950 seien rund zwei Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Speyer verschwunden. Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) hatte darauf reagiert, sich mit den Landwirten getroffen und drei Monate später den Verzicht auf eine konkret geplante Bebauung verkündet: Die „Kurze Wingertsgewann“ zwischen Birkenweg und Waldseer Straße wurden aus dem „Flächenprogramm Wohnen“ genommen.
Thema ruht nicht mehr
Die Planung hatte zuvor gelautet, dass auf der bisherigen Ackerfläche von 14 Hektar zum Jahr 2033 rund 285 Wohneinheiten entstehen könnten. Die CDU hatte das Aus zunächst als „befremdlich“ kommentiert, letztlich hatte das Thema aber in den vergangenen Jahren keine große Rolle mehr gespielt – auch weil sich die Stadtentwicklung auf den Technik-Teil der Kaserne fokussierte, der jetzt wohl nicht für Wohnen und Gewerbe zu haben sein wird. „Wir hatten gehofft, das Thema ruht noch ein wenig länger“, kommentiert Bauernsprecher Fischer die neuen Entwicklungen.