Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Separatisten-Attentäter: Weitere Stellungnahmen

Umstritten: Denkmal für die Separatisten-Attentäter.
Umstritten: Denkmal für die Separatisten-Attentäter.

Die Nachkommen des Separatisten-Attentäters Ferdinand Wiesmann haben sich wegen der geplanten Erklärtafel am Denkmal auf dem Speyerer Friedhof mit einem weiteren Brief an die Oberbürgermeisterin gewandt. Die Diskussion um den Umgang mit dem Monument rief außerdem eine weitere Wiesmann-Nachfahrin auf den Plan, die sich bei der Redaktion meldete.

Hintergrund der Diskussion ist das Attentat auf den pfälzischen Separatistenführer Franz Josef Heinz Anfang 1924 im Wittelsbacher Hof. Bei der Aktion starben auch zwei der Attentäter, Franz Hellinger und Ferdinand Wiesmann. Sie wurden später – in der Nazi-Zeit, aber auch schon vorher – als Helden verehrt, die die Pfalz davor bewahrt hätten, von Deutschland abgetrennt zu werden. Das Denkmal für sie, das aus dem Jahr 1932 stammt, soll nach dem Willen der Stadt um eine Erklärtafel ergänzt werden.

Auf dieser soll es unter anderem heißen, dass Hellinger und Wiesmann Akteure „eines gezielten Mordanschlages von Rechtsextremisten“ gewesen seien, die später „zu Märtyrern der nationalen Sache verklärt“ wurden. Außerdem bekundet die Stadt in dem Text, dass sie sich heute von der damals erfolgten Ehrung distanziert.

Nach dem Bericht über die beiden Wiesmann-Nachfahrinnen, die die Stadt wegen der Erklärtafel kritisieren, hatte es wiederum Kritik an den Frauen und der Berichterstattung unter anderem von der Partei Die Linke gegeben. Im RHEINPFALZ-Artikel darüber war fälschlicherweise an einer Stelle von „Hellinger-Nachfahrin“ Gudrun Weiß die Rede. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Angehörige wollen Quellen wissen

Auf ein erstes Schreiben an Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) hatte diese den beiden Nachkommen Wiesmanns geantwortet und den geplanten Text gegen deren Kritik mit Verweise auf „vorliegenden Nachweise und Quellen“ verteidigt. In ihrem zweiten Brief berichten die Wiesmann-Nachfahren nun von Gesprächen mit dem Leiter des Bayerischen Staatsarchivs „mit dem Resultat, dass es dort – auch gemäß unseren persönlichen Kenntnissen – in den Erwähnungen über Ferdinand Wiesmann nie eine polizeiliche Auffälligkeit gab, er wurde nie negativ aktenkundig oder war polizeibekannt, geschweige denn gab es je Hinweise auf eine rechtsextremistische Gesinnung oder gar Zugehörigkeit!“

Sie fordern Seiler auf, Quellen zu nennen, die das Gegenteil belegen. „Die Formulierung auf der Gedenktafel, die unseren Onkel Ferdinand Wiesmann als Rechtsextremisten darstellt, ist und bleibt unhaltbar, falsch und ehrverletzend“, schreiben die beiden Frauen. Auch halten sie die Formulierung „gezielter Mordanschlag“ angesichts der drohenden Konsequenzen des Separatismus und der Not in der Bevölkerung für „unangemessen und verfehlt“.

Eine Antwort aus dem Speyerer Rathaus auf den Brief wird es wohl nicht geben: „Der zweite Brief wurde zur Kenntnis genommen. Aus Sicht der Stadtverwaltung ist ihrem ersten Antwortschreiben nichts weiter hinzuzufügen“, teilt die Pressestelle der Stadt auf Anfrage mit.

Weitere Angehörige hat andere Meinung

Nach dem Bericht über die beiden Wiesmann-Nachfahrinnen hat sich bei der Redaktion eine weitere Person mit familiärem Bezug zum Thema gemeldet. Die Frau, die in einem Telefonat mit der RHEINPFALZ glaubhaft schilderte, ebenfalls mit Ferdinand Wiesmann verwandt zu sein, will nicht namentlich in der Zeitung stehen. Sie beurteilt die Taten ihres Vorfahrs anders als ihre beiden entfernten Verwandten, die sie nicht persönlich kennt. Wiesmann sei kein ehrwürdiger Held. „Ich finde es schlimm, dass mein Vorfahr Berufssoldat war und mit 28 sein Leben verloren hat, weil er wie ein Terrorist herumgeballert hat im Namen Bayerns. Er ist sicher auch falschen Idealen hinterhergelaufen“, sagt sie. Sie sei überzeugt, dass die Weimarer Republik wegen solcher Menschen gescheitert ist und stellt klar: „Ich schäme mich für meine Vorfahren.“

Zur Frage, wann die Erklärtafel angebracht werden soll, heißt es vonseiten der Stadt, derzeit werde die Gestaltung der Tafel erarbeitet und die Materialien in Abstimmung mit dem Friedhof ausgesucht. „Sobald beides steht, wird der bereits vom Stadtrat beschlossene Text im städtischen Corporate Design gesetzt. Danach kann das Schild hergestellt und angebracht werden. Die Umsetzung ist im ersten Halbjahr 2024 geplant.“

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