Speyer
Patricks Woche: Allzu heiß sollte es nicht werden
Wahlkampf: Kandidatin bleibt cool
Der Sommer 2025 kündigt sich mit heißen Tagen an. Davon, dass Speyer auf eine politisch heiße Phase zusteuere, kann aber keine Rede sein. Dauerbrenner-Themen wie die Zukunft des ehemaligen Stiftungskrankenhauses werden abgearbeitet – das zieht sich. Nur ganz zart deutet sich der Vorwahlkampf um das Oberbürgermeisteramt an, das im kommenden Jahr zu vergeben ist. In dieser Woche wurde der mögliche Zeitplan vorgestellt – mit Wahlgängen am 6. und 20. September 2026. Es soll zwar nochmals nachgefragt werden, ob das Land eine Vorverlegung auf den Termin der Landtagswahl im März zulässt, aber zuletzt sah es nicht danach aus. Dabei müssten Parteien, die Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) am Zeug flicken wollen, eigentlich darauf pochen, dass möglichst spät gewählt wird. Denn noch ist gar kein Gegenkandidat absehbar oder eingeführt. Und ein solcher muss sich zwangsläufig mühsam bekannt machen, wenn er in Speyer eine ernsthafte Chance aufs Amt haben will.
Seiler jedenfalls ist vorbereitet, hat sich von ihrer Partei schon wieder als Kandidatin ausrufen lassen. Die politische Strategin wird am besten mit guter Arbeit Wahlkampf machen – und tunlichst darauf achten, dass dieser nicht zu heiß wird. Gar nicht erst breite Unzufriedenheit entzünden, die die Konkurrenz schüren könnte. „Speyer kann mehr“, hatte Seiler im Wahlkampf 2018 betont und es damit geschafft, Amtsinhaber Hansjörg Eger von der CDU zu besiegen. Der Spruch war gut und knackig. Auch für ihre Kampagne 2026 gibt es schon ein Motto, das indes zeigt, dass die 41-jährige Sozialdemokratin diesmal mit anderer Ausgangsposition antritt: „Weiter. Miteinander. Für Speyer. Für Euch.“ Heißes Herzklopfen löst diese Formulierung jedenfalls nicht aus. Aber das muss ja strategisch gar nicht falsch sein im kühlen Vorwahlkampf in sommerlicher Hitze …
Bauernmarkt: Kastanien aus dem Feuer
Mein Kollege Martin Schmitt hat vorige Woche in dieser Kolumne prognostiziert, dass OB Seiler vor der Wahl 2026 keine Konfrontation mehr mit den Feuerbachpark-Anwohnern suchen und dort dauerhafte Parkverbote ausweisen würde. Im Stadtrat diese Woche hat sie auch gleich wieder betont, dass Autos dort nur zeitweise für die aktuellen Bauarbeiten weichen müssten. Soll gar nicht zu heiß werden, die Sache … Dass die Stadtverwaltung in dieser Woche verkündet hat, beim Bauernmarkt im September neben der Rolle als Veranstalter auch die der Organisatorin zu übernehmen, passt dazu: Es wäre kontraproduktiv, wenn der bis 2023 allein verantwortliche Bauernmarkt-Verein sich weiter öffentlichkeitswirksam über aus seiner Sicht zu hohe Sicherheitsauflagen beschwerte. Die vor 30 Jahren begründete Erfolgsveranstaltung hatte unter diesen zuletzt stark gelitten. Die Kosten wären zu hoch geworden, so der mehrfach um Hilfe rufende Verein. Jetzt kann der Bauernmarkt also fortbestehen. Die Stadt hat ihn gerettet, OB Seiler hat ihn gerettet. Wenn man den Berichten von hinter den Kulissen glaubt, hat sie die Kastanien persönlich aus dem Feuer geholt, nachdem es zwischen dem Verein und zuständigen Bereichen ihrer Verwaltung richtig gekracht hatte. Das tolle Veranstaltungsformat mit zehntausenden Besuchern war’s wert, darf öffentlich geurteilt werden. Die angestrebte eigene Wiederwahl ist’s auch, könnte die OB ergänzen.
US-Präsident: „Brulljes“ auch in Speyer
„Brulljesmacher“ werden die Kallstadter auf Pfälzisch genannt. Darauf wird in Berichten über den US-Präsidenten Donald Trump gerne hingewiesen. Trumps Vorfahren sind im 19. Jahrhundert aus der Gemeinde bei Bad Dürkheim ausgewandert. Brulljesmacher wird mit „Angeber“ übersetzt – was in besagten Beiträgen immer wieder zu Vergleichen mit Trumps Temperament herausfordert. Das erinnert zwar so gar nicht an den Speyerer Vorwahlkampf, der nach dem Willen der Amtsinhaberin bitte nicht zu hitzig werden soll.
Heiß wurde es in Speyer jetzt trotzdem – wegen Trump: Das Geschenk von Bundeskanzler Friedrich Merz an Trump beim Antrittsbesuch in Washington, die historische Geburtsurkunde des Trump-Großvaters aus Kallstadt, stammt aus dem Speyerer Landesarchiv. Das Medieninteresse war entsprechend groß. Die RHEINPFALZ hakte nach und berichtete über pfälzische Parallelen in den Stammbäumen von Trump und dem im Februar verstorbenen Bundespräsidenten Horst Köhler. Auch mit Johannes Steiniger (CDU), Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Neustadt-Speyer, ist der Präsident demnach ganz, ganz weitläufig verwandt. Ob man das jetzt als heiße Neuigkeit oder kalten Kaffee einstuft, sei dahingestellt. Für ein bisschen „Brulljes“ ist Trump aber auch in Speyer gut …
Hitzerekord: Ausnahmsweise nicht am Dom
Neue Untersuchung aus dieser Woche: Die Deutsche Umwelthilfe hat ermittelt, in welchen deutschen Städten Menschen besonders von Hitze betroffen sind. Demnach schneiden Mannheim, Ludwigshafen und Worms am schlechtesten ab. Dabei spielt nicht nur die Temperatur, sondern zum Beispiel auch der Grad der Versiegelung des Stadtgebiets eine Rolle. Dass drei Oberrhein-Städte an der unrühmlichen Spitze des Rankings stehen, lässt den Schluss zu, dass es in Speyer ähnlich heiß zugeht. Zumal die Domstadt in früheren Jahren schon entsprechende Superlative aufweisen konnte: Mit 23 Hitzetagen lag Speyer etwa in einer Erhebung des Deutschen Wetterdienstes bundesweit an der Spitze – und ließ zum Beispiel Ludwigshafen (21,6 Tage) knapp hinter sich. Wie kann es also sein, dass diesmal Ludwigshafen vorne liegt? Nicht dass Speyer nach Negativrekorden gieren würde – aber ein bisschen verwundert wird doch auf die Schlagzeilen über Ludwigshafen geschaut. Wer an diesem Wochenende vor die Tür geht, wird sie spüren, die Hitze in Speyer. Dass sie die Statistik nicht anführt, lässt sich indes ganz einfach erklären: Obwohl die Umwelthilfe 190 deutsche Städte untersuchte, hat sie – warum auch immer – um Speyer einen Bogen gemacht.
Ameisen: Ampel flammt nicht mehr auf
Also: Es ist heiß in der Domstadt. Das zeigt sich auf dem Thermometer, aber auch in Flora und Fauna. Die Arten, die das Stadtgebiet bevölkern, sind im Wandel begriffen. Berichte aus der Region über zunehmendes Auftreten störender Ameisen-Arten lassen sich in Speyer bestätigen. In dieser Woche gab es in dieser Hinsicht einen dramatischen Vorfall: Die Ampel an der Einmündung Bahnhofstraße/Hirschgraben fiel aus und die Ursachensuche gestaltete sich schwierig. Erst als der Steuerungskasten geöffnet wurde, offenbarte sich die Misere. Eine Ameisenkolonie hatte diesen in Beschlag genommen. Als die Insekten allzu zahlreich über die Platine darin krabbelten, schaltete die Lichtsignalanlage automatisch ab. Mit viel Bürsten, Pusten und Reinigen wurde die Ampel zumindest vorläufig „gerettet“. Das gestaltete sich zum Glück einfacher als vor zwei Jahren, als tierische Gefährten die Signalanlage am Rauschenden Wasser demolierten: Ratten hatten so gründlich Kabel durchgebissen, dass sich die Reparatur wochenlang hinzog. Mit guten Nerven und kühlem Kopf war aber auch das irgendwann geschafft.