Speyer
Nein aus der Geschäftswelt zur Gilgenstraßen-Sperrung
Wie steht der Verband zu den Plänen der Stadt?
Vorsitzender Peter Bödeker sagt, er könne nicht in allen Punkten für jedes einzelne Mitglied sprechen. 70 Angehörige aus Handel, Gastronomie, Tourismus und Dienstleistung hat der zuletzt deutlich gewachsene Verein. Einzelne Mitglieder äußern sich separat (siehe „Zur Sache“). In vielen Austauschrunden, durchgehend etwa über eine Whatsapp-Gruppe, sei aber ein Befund unwidersprochen: Speyer benötige wieder mehr Kunden und Besucher. „Es geht um die Existenz“, so Bödeker. „Wir müssen die Menschen einladen, wieder zu kommen.“ Speyer drohe „als Wirtschaftsstandort zu kippen“. Erleichterungen wären nötig, zum Beispiel bei den Parkangeboten, und keine Erschwernisse.
Der Vorschlag sei deshalb eine „sehr schlechte Idee“: Wenn Autos über die wichtigsten Einfallrouten Landauer Straße, Dudenhofer Straße und Bahnhofstraße in Sackgassen landen würden, kämen sie nicht wieder. Wie berichtet, will die Stadt im Bereich zwischen den Einmündungen Kapuzinergasse und Untere Langgasse den allgemeinen Kfz-Verkehr verbieten. Bödeker sagt dazu: „Es würde ganz bewusst Chaos verursacht und das Todesurteil für eine traditionell gewachsene Stadt gesprochen.“ Die Sperrung beurteilt er als „ideologisches Projekt“. Er hat auch schon mit Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) darüber gesprochen und Termine mit den Fraktionen vereinbart. „Das Herz Speyers“ wolle sachlich die Konsequenzen und Alternativen aufzeigen, sagt er. „Wir wollen keine Streit.“
Welche Lösung schwebt ihm für Gilgen- und Bahnhofstraße vor?
Speyer hat laut Bödeker mit fünf Fußgängerzonen bereits einen vergleichsweise großen Bereich ohne Durchfahrtsverkehr. Für die Gilgen- und Bahnhofstraße reiche rund um den Postplatz deshalb ein verkehrsberuhigter Bereich aus. „Wir haben das am Domplatz seit 25 Jahren mit großem Erfolg“, sagt Bödeker. Auch auf der anderen Seite der Maximilianstraße könnte Schrittgeschwindigkeit gelten, Fußgänger und Radler hätten Vorrang, aber alles bliebe erreichbar, niemand würde ausgesperrt. Für Durchgangsverkehr wäre die Achse dann nicht mehr attraktiv, die Belastung würde sich reduzieren. Das gilt nach Einschätzung des Einzelhändlers auch für die Abgase, da sich der Trend zu E-Mobilität beschleunige. Der Schwerlastverkehr, mit Ausnahme von Lieferanten, könne schnell und kostengünstig mit zwei Schildern aus den Straßen gehalten werden. Die Pläne für einen elektrifizierten Busverkehr mit Einführung der Shuttles sorgten ebenso für Beruhigung wie die Verlegung der Umstiegspunkte an den Postgraben. Auch die Ampel am Postplatz würde überflüssig, so das Kalkül.
Was würde das für den Postplatz selbst bedeuten?
Er könnte zur Fußgängerzone und gestalterisch aufgewertet werden. Bödeker sieht ihn als „Einladungskarte“ sowie „Vorinszenierung“ der Stadt. „Chill im öffentlichen Raum“, schlägt er als stadtgestalterisches Motto für diesen Bereich vor. Leitbild: die mediterrane Piazza mit Lokalen am Rand. Bäume, Bänke und ein Brunnen müssten hinzukommen, eventuell verbunden mit einer stündlichen Farb- und Wassershow. Das Höhenniveau könnte durch Aufpflasterung der heute abgesenkten Straßenareale mit demselben Material angeglichen werden. Zum heute kaum genutzten Pavillon habe er keine feste Position, so Bödeker. Das Brezelhaus solle nicht reaktiviert werden, für den Pavillon an sich wäre eine Versetzung oder ein Umbau mit besonderer Beleuchtung denkbar. Die Fahrradständer müssten von der Mitte an den Rand rücken.
Wie soll es weitergehen?
„Gerne eine Probephase, gerne möglichst schnell“, sagt Bödeker. Zunächst drei Monate, dann sechs Monate schweben ihm vor, gegebenenfalls mit Nachbesserung dazwischen. Das gelte für die Verkehrsberuhigung wie für die Gestaltung des Postplatzes. Die Leistungsgemeinschaft werde „alles tun, um öffentlichkeitswirksam die Dinge zu erklären“. Sie wolle den Speyerern Foren bieten sich zu äußern. Auch eine Plakataktion und eine Demonstration seien denkbar. Er werde in der entscheidenden Ratssitzung für sich selbst und für einen von der Leistungsgemeinschaft eingeschalteten Experten Rederecht erbitten, kündigt der „Herz Speyers“-Chef an.
Der Verband werde auch weitere Pläne zur Aufwertung der Speyerer Innenstadt verfolgen. So sollten verkaufsoffene Sonntage künftig nach Möglichkeit von attraktiven Veranstaltungen von Freitag bis Sonntag flankiert werden. Bei einer „neuen Kaisertafel“ käme ein verkaufsoffener Sonntag hinzu. Für den Juni werde eine Messe für Elektromobilität in der Maximilianstraße vorbereitet. Auto- und Fahrradhändler sowie die Stadtwerke seien als Partner im Boot, weitere würden gesucht.


