Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Mein Speyer: Die Brücke lässt Wirt Philipp Rumpf schwärmen

Fachwerk-Idyll: Philipp Rumpf ist bekannter Gastwirt in Speyer und zeigt seinen Lieblingsplatz.
Fachwerk-Idyll: Philipp Rumpf ist bekannter Gastwirt in Speyer und zeigt seinen Lieblingsplatz.

Die Sonnenbrücke bietet eine der schönsten Aussichten der Stadt auf den Dom und das Ensemble von Fachwerkhäusern. Man könnte es auch als Idylle bezeichnen. Philipp Rumpf sieht es als Privileg, mit seiner Familie dort zu wohnen. Für den 54-jährigen Gastronomen ist es ein magischer Ort.

Philipp Rumpf hat sich vor zehn Jahren einen Lebenstraum erfüllt: Er hat ein älteres Anwesen an der Sonnenbrücke erworben und rundum saniert. Seitdem überquert er die kopfsteingepflasterte Brücke täglich auf seinem Weg zur Arbeit. Im Sommer, wenn er nach Mitternacht von der „Sux Restobar“ nach Hause kommt, setzt er sich auch gerne mal auf die gemauerten Sitzbänke der Brüstung, um den Stress und die Aufreger des Tages abzustreifen. Es ist sein Lieblingsplatz in Speyer.

Gerne trifft er sich dort bei anderen Gelegenheiten zu einem Plausch mit den Nachbarn. Ein kleines Tischlein, das für solche Gelegenheiten vorgehalten wird, ist schnell mit einer Flasche Wein und einigen Gläsern gedeckt. Mehr braucht es nicht, um einen wärmenden Frühlingsnachmittag oder eine laue Sommernacht mit Nachbarn, Passanten oder Touristen an der Brücke zu verbringen.

Veränderungen an „seiner“ Brücke will Rumpf nicht

Rumpf schätzt die offene Platzatmosphäre, die zwei Bögen über den Bach und die Proportionen der Brücke, einschließlich der Brüstung mit ihren gemauerten Sitzbänken. Die neuerliche Diskussion um eine Erhöhung dieser Brüstung – aus Sicherheitsgründen – sieht er sehr kritisch. Er fürchtet bei den geplanten baulichen Veränderungen um die stimmigen Proportionen und das Gesamtbild der historischen Bebauung. Noch nie hat er von einem Unfall oder einem Sturz über die Brüstung in den Bach gehört und empfindet es deshalb als „übertriebenen Aktionismus“, wegen einer vorgeschriebenen DIN-Norm zur Höhe des Brückengeländers in dieses denkmalgeschützte Ensemble einzugreifen.

Die Sonnenbrücke ist die einzige noch fast im ursprünglichen Zustand erhaltene Brücke in Speyer. Sie wurde 1242 erstmals als „Nikolausbrücke“ erwähnt. Der heutige Name „Sonnenbrücke“ entstand vermutlich im 16. Jahrhundert, als sich auf der nördlichen Bachseite eine Herberge, das Wirtshaus „Zur Sonne“, etablierte. Die Sonnengasse, die Verlängerung der Brücke, führte also damals schon in die Hasenpfuhl-Vorstadt des mittelalterlichen Speyers.

Onkel schuf die Brückenskulptur

Die Brücke hat für Rumpf auch eine familiäre Bedeutung. Die markante Brückenskulptur des Heiligen Nikolaus, Schutzpatron der Schiffer und Fischer im Hasenpfuhl, wurde vom Speyerer Bildhauer Wolf Spitzer geschaffen, einem Onkel von Philipp Rumpf. Auch deshalb hat der Gastronom ein aufmerksames Auge auf den Schutzheiligen und duldet weder Aufkleber noch Spinnennetze an der Brückenskulptur.

Der mittlerweile verstorbene Künstler würde sich über so viel Aufmerksamkeit für seine Bänderskulptur freuen. Der Nikolaus erinnert daran, dass die Brücke einst „Nikolausbrücke“ hieß und das angrenzende Quartier das Nikolausviertel war.

Obwohl sich der Hasenpfuhl in den letzten Jahrzehnten vom alteingesessenen Viertel der kleinen Leute, Schiffbauer, Fischer und Tagelöhner in eine hippe Wohngegend verwandelt hat, spürt man auf dieser Brücke noch das Flair und den Charakter des mittelalterlichen Speyers mit dem großartigen Panorama des Domes und dem Blick auf das sorgsam sanierte Fachwerkensemble und das Gasthaus „Zum Halbmond“. Für Rumpf ist es einer der schönsten Ausblicke, die Speyer zu bieten hat. Es ist sicher auch eines der am meisten fotografierten Motive in der Domstadt. Rumpf sagt: „Wir leben auf einer Postkarte.“

Verkauf von „Schobbe“ aus dem Küchenfenster

Ansonsten ist Rumpf Gastwirt aus Leidenschaft mit ausgeprägter Bindung an seine Heimatstadt. In nur zwei Jahren hat er die „Sux Restobar“ in der Korngasse, das ehemalige „Klosterstübchen“, zu einem erfolgreichen Gastronomie-Betrieb in der Domstadt gemacht. Vor dem „Sux“ zeichnete er für den „Alten Engel“ und die Weinbar „Zwischen den Engeln“ verantwortlich. Als aktives Mitglied der Stadtgesellschaft hat er sich auch mehrere Jahre für die Speyerer Wählergruppe in den Stadtrat eingebracht.

Die beliebte „Schobbetankstell“ beim Altstadtfest, der Verkauf von Weinschorle und Wasser aus dem Küchenfenster des Rumpf’schen Altstadthauses, ist mittlerweile Hotspot und beliebter Treffpunkt der zweitägigen Sause im September. Das Altstadtfest lebt von der Beteiligung der Anwohner am Fest, sagt Rumpf, und deshalb will er auch in den nächsten Jahren diese Tradition beibehalten. Die nachfolgende Generation, der Freundeskreis seiner beiden Söhne, ist bereits aktiv in den Ausschank an der „Schobbetankstell“ eingebunden.

Die Serie

Bekannte Speyerer zeigen uns einen Ort in der Stadt, mit dem sie persönliche Geschichten oder Erinnerungen verbinden, und erzählen davon vor Ort. Das kann ein Platz sein, ein Weg, ein Gebäude – muss aber nicht. Lassen Sie sich überraschen!

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