Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Udo Sailer: Auf eine Schorle in der „Weinwunderbar“

Auf ein Wort: In der „WeinWunderBar“ trifft man oft Udo Sailer, Speyerer Urgestein und Musiker.
Auf ein Wort: In der »WeinWunderBar« trifft man oft Udo Sailer, Speyerer Urgestein und Musiker.

Udo Sailer ist Musiker, ein Virtuose seiner Zunft: Pianist, Keyboarder, Arrangeur und Komponist. Eine besondere Vorliebe hegt er bei seinen Spaziergängen durch Speyer für die „Weinwunderbar“ in der Salzgasse. Dort ist er anzutreffen, wenn eine Weißburgunder-Schorle und eine Brezel locken.

Udo Sailer kennt die regionale und nationale Musikszene wie kaum ein anderer Speyerer. Er hat 25 Jahre als Profimusiker gearbeitet und ist mit nationalen und internationalen Künstlern wie Jennifer Rush, Peter Kraus, Howard Carpendale durch ganz Europa getourt. In der Domstadt ist er fest verwurzelt. Die „Weinwunderbar“ zählt bei seinen Streifzügen durch Speyer zu den festen Kneipen-Zielen: an Sommerabenden ein bis zweimal die Woche, um das laue Lüftchen „uff de Gass’“ und das Gespräch mit Freunden zu suchen, im Winter nicht ganz so regelmäßig.

Sailer kennt die Szene-Kneipe in der Salzgasse schon mehr als 40 Jahre und war in den wilden 1970ern auch regelmäßiger Gast der Vorgängerbar, die den Namen „Café Weigel“ trug. Bananenmilch war damals Kultgetränk, erinnert sich der Tasten-Virtuose an seine Jugendjahre.

Institution in Speyer

Die heutige „Weinwunderbar“ ist eine Institution in Speyer. Sie wurde 1994 zunächst als „Café Wunderbar“ von Walter Deutsch, Bernd Hocke und Andreas Pflanz mit Frühstücksangebot, Mittagstisch und Cocktails am Abend eröffnet. Von Anfang an gab es Veranstaltungen mit Livemusik, den „Groovy Schorle Club“ und einmal gar einen Messerwerfer, den Deutsch auf der Speyerer Herbstmesse angeheuert hatte.

Hocke und Pflanz schieden irgendwann aus, Walter Deutsch führte die Bar zusammen mit seiner Frau Gila mit immer neuen Ideen weiter. Legendär waren die Salzgassenfeste, bei denen die „Gass’“ komplett mit Sand zugeschüttet und das gegenüberliegende Ordnungsamt mit Tüchern verhängt wurde. Es waren fröhliche Feste mit Boule-Tournieren, Livemusik am Abend und reizvollen kulinarischen Angeboten. Das letzte Salzgassenfest fand im August 2008 statt und war anschließend in dieser Form nicht mehr genehmigungsfähig.

Der Mythos lebt weiter

Das „Café Wunderbar“ wurde schließlich zur „Weinwunderbar“ mit der Idee, regelmäßig Aktionswinzer aus der Pfalz zu gewinnen, die dort ihre Weine präsentieren. Mittlerweile ist mit Alexander Deutsch, dem ausgebildeten Sommelier und Sohn von Walter Deutsch, die nächste Generation in der Verantwortung für die beliebte Kneipe.

Udo Sailer schätzt das aufmerksame Personal in der „Weinwunderbar“, die kulinarischen Kleinigkeiten, die Diversität der Gäste, das Ambiente und die Weinqualität. Sein Lieblingsgetränk ist die Weißburgunder-Schorle. Der Riesling bringe ihm zu viel Säure in die Schorle, sagt Sailer. Deshalb sei er auf den Weißburgunder ausgewichen.

Gerne plaudert er in der „Weinwunderbar“ mit Freunden über Gott, die Welt und natürlich über Musik. In guter Erinnerung bleibt auch ein launiger Faschingsabend in der „Weinwunderbar“ im Februar 2023 mit Freunden, bemerkenswerten Büttenreden und den „Boice of Germany“, einer spontan zusammengestellten Band, die gute handgemachte Musik beisteuerte.

Angefangen mit einem Akkordeon

Sailers musikalische Karriere begann mit acht Jahren, einem Akkordeon, das er sich sehnlichst wünschte, und ersten Auftritten bei Vereinsnachmittagen der VdK-Frauen; seine Mutter war dort engagiert. Für die Musikstunden in der Musikschule Martin hat er fleißig geübt und im Akkordeon-Fach bei „Jugend musiziert“ und anderen großen Wettbewerben schnell Preise eingeheimst.

Im Alter von 15, 16 Jahren hat er die Rockmusik für sich entdeckt und die ersten Konzerte mit anderen Musikern gespielt. Heute sind es Musikrichtungen wie Jazz, Fusion, Latin, Soul und Salsa, die ihn begeistern. Der 68-Jährige sitzt nach wie vor am Keyboard in mehreren Band-Formationen. Und auch das Komponieren lässt ihn nicht los.

Nach der Autobiografie kommt ein Thriller

2019 hat er unter dem Titel „Die Musikhure“ eine Autobiografie veröffentlicht, ein Füllhorn lustiger, nachdenklicher und immer mit einem Augenzwinkern erzählter Geschichten aus seinem prall gefüllten Musikerleben. „Wer jeden Musikstil spielt, wird in der Branche so genannt“, erklärt Sailer den gar nicht negativ gemeinten Titel seiner Memoiren.

Gerade arbeitet er an einer zweiten Buchpublikation: Ein Thriller ist in der Mache. Mehr will er allerdings über das neue Buchprojekt noch nicht verraten und trinkt verschmitzt lächelnd an seiner Weißburgunder-Schorle.

Die Serie

Bekannte Speyerer zeigen uns einen Ort in der Stadt, mit dem sie persönliche Geschichten oder Erinnerungen verbinden, und erzählen davon vor Ort. Das kann ein Platz sein, ein Weg, ein Gebäude – muss aber nicht. Lassen Sie sich überraschen!

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