Speyer
Handys an Grundschulen: Mitbringen ja, Benutzen nein
„Ich finde ein Handyverbot gut.“ Birgit Ackermann, Leiterin der Salierschule, sagt es in aller Deutlichkeit. Smartphones seien Quellen ständiger Ablenkung, die Konzentrationsfähigkeit der Schüler leide spürbar, die sozialen Fähigkeiten ließen nach. „Wir verlernen, mit anderen zu reden, wenn wir immerzu in diese Dinger schauen“, hat die Rektorin beobachtet. „Noch schlimmer“ als Handys seien Smartwatches. Man wisse nicht, ob sie eingeschaltet seien und ob gerade Sprachaufnahmen gemacht würden. Mitunter seien gar Fotos und Videos möglich. Dergleichen verstoße jedoch gegen Persönlichkeitsrechte. „Auch Lehrer möchten nicht, dass man sie aufzeichnet, ohne zu fragen“, sagt Ackermann. Für Schüler gelte übrigens dasselbe. Schule aber müsse ein „Schutzraum“ sein.
Damit liegt die Grundschulleiterin argumentativ auf der Linie der von der SPD gestellten saarländischen Landesregierung. Die Genossen haben einen Gesetzesentwurf in den Landtag eingebracht, der vorsieht, die Nutzung privater Mobiltelefone sowie von Smartwatches „in allen Schulen der Primarstufe grundsätzlich“ zu untersagen. Weiterführende Schulen hingegen könnten den Umgang mit diesen Geräten in Eigenverantwortung regeln – über ihre Hausordnungen. Mit dieser Bestimmung soll den unterschiedlichen Bedürfnissen, aber auch den Fähigkeiten der verschiedenen Altersstufen Rechnung getragen werden. Sprich: Sind die Schüler älter, gehen sie womöglich vernünftiger mit den Geräten um.
Landes-CDU für Handyverbot
In Rheinland-Pfalz hat die CDU das Thema aufgegriffen und fordert in Anlehnung an das Nachbarland Hessen eine landesweit einheitliche Regelung. Derzeit stellt es das hiesige Schulgesetz jeder Schule frei, die Nutzung privater digitaler Endgeräte über die jeweilige Schulordnung einzuschränken oder gleich ganz zu verbieten. Die Landesregierung aus SPD, Grünen und FDP will diese Regelung nicht verändern. Die CDU und auch die Freien Wähler im Landtag sind für ein weitgehendes Verbot privater Handys, Smartwatches und Tablets an rheinland-pfälzischen Schulen. Die Schüler sollten sich ganz aufs Lernen und auf das soziale Miteinander konzentrieren können. Zugleich solle die „Vermittlung digitaler Kompetenzen und Medienbildung in den schulischen Auftrag“ integriert werden, heißt es in dem Antrag der CDU an den Landtag. Bedeutet: Schule soll sich stärker um das Thema Medienkompetenz kümmern.
Das ist auch Ackermanns Ziel für ihre Grundschule: „Die Kinder sollten bei uns den Umgang mit den Geräten lernen.“ Die Rektorin kritisiert den „enorm hohen Medienkonsum“ vieler ihrer Schützlinge, gerade in den dritten und vierten Klassen. „Sie nutzen die Handys für alles, nur nicht fürs Telefonieren“, tritt sie Stimmen entgegen, die Schüler benötigten ihre smarten Kommunikationsmittel vor allem, um beispielsweise ihre Eltern zu informieren. Bisweilen gehe es sogar von den Eltern aus, dass Kinder häufig online seien: Der Nachwuchs werde per Handy oder Smartwatch von den Erziehungsberechtigten „getrackt“, also aus der Ferne überwacht. Manchem ihrer Schüler sei das zu viel, meint Ackermann.
Ausschalten und wegpacken
An der Salierschule mit ihren knapp 300 Schülern gilt daher, dass private Smartphones und Smartwatches während der Unterrichtszeit und auf dem Schulgelände in der Tasche oder im Ranzen zu verschwinden haben. „Das Mitbringen dürfen wir nicht verbieten, das Benutzen aber sehr wohl“, betont Ackermann. Obwohl sie das für die eigene Schule selbst festlegen kann, hegt die Rektorin Sympathien für eine landesweit einheitliche und verbindliche Regelung. Das könne Schulen entlasten.
Andere Grundschulen in der Domstadt handhaben die Sache ähnlich. „Alle digitalen Geräte müssen während der gesamten Schulzeit ausgeschaltet sein und in der Tasche verwahrt werden“, lässt beispielsweise die Siedlungsgrundschule verlauten. Und verweist darauf, dass „in Notfällen und in bei Krankheiten vom Sekretariat aus telefoniert“ werden könne. Wer gegen die schuleigene Handynutzungsverordnung verstoße, dem könne das Gerät abgenommen werden. Die Eltern dürften dann später gemeinsam mit ihrem Kind das eingezogene Smartphone bei der Schulleitung abholen.
„Smartphones sind an unserer Schule für die Schüler während des Schulalltags verboten, Smartwatches ebenfalls“, sagt Nina Unger, Leiterin der rund 130 Schüler zählenden Klosterschule. „Einige wenige Schüler haben eine Smartwatch, damit sie auf dem Heimweg ihre Eltern erreichen können. Die Uhr geben sie aber vor Unterrichtsbeginn bei der Sekretärin ab“, beschreibt Unger die Herangehensweise, die sich an der Klosterschule etabliert hat. Eigene Tablets hätten die Schüler nicht. Im Unterricht gebe es stattdessen iPads, welche die Schule stelle.
Dass viele Eltern mit den Grundschulen konform darin gehen, private Handys oder Smartwatches im Schulalltag außen vor zu lassen, bestätigt Ulrike Kress. „Bei uns an der Freien Reformschule gibt es keine Smartphones“, sagt die Schulelternbeirätin: „Und das ist gut so.“ An der Freien Reformschule müssten die Handys bis Unterrichtsende ausgeschaltet im Schulranzen bleiben. Wenn es etwas abzusprechen gebe, was die Erziehungsberechtigten betreffe, so laufe das über entsprechende Gruppen in einem Messengerdienst. Auch bei Klassenfahrten seien daher keine Handys oder Ähnliches gestattet. Allerdings habe die Freie Reformschule auch nur rund 40 Schüler. Da sei noch alles überschaubar.