Speyer
Falknerei „Birds of Prey“: Schräge Vögel, komische Käuze und ein Ausreißer
Der Weiher ist verschwunden, doch das große Loch ist noch da. „Das wollen wir im Winter verfüllen“, sagt Courtney Iwersen. Passiert ist eine Menge, seit sie und ihr Mann Thorsten das rund 4600 Quadratmeter große Gelände im Spitzenrheinhof Ende 2023 übernommen haben, um hier mit ihrer Falknerei „Birds of Prey“ unterzuschlüpfen. Ihre vorherige Bleibe in Waldsee war für ihren Lebenstraum, die artgerechte Aufzucht und Haltung von Greifvögeln, zu klein geworden.
Ein Glücksfall, dass den Schifferstadtern das Areal im Speyerer Norden zur Pacht angeboten wurde. Einst diente es mit seinen 21 Volieren, die mehr als die Hälfte der Grundstücksfläche einnehmen, der Vogelzucht. Später fiel es in einen Dornröschenschlaf und wucherte zu. Im August 2024 öffnete die Falknerei schließlich ihre Pforten.
Damals hielten die Greifvogelexperten rund 20 gefiederte Räuber. Heute sind es gut 35 Greifvögel und Eulen, vom Seeadler über Bussarde bis zu Schleiereule und Waldkauz. Und die Menagerie wächst. Die Iwersens und ihr fünfköpfiges Team engagieren sich in der Nachzucht gefährdeter Arten. Habichtskäuze und Steinkäuze würden beispielsweise an Wiederansiedlungsprojekte übergeben. „Die Jungtiere spenden wir “, erzählt Courtney Iwersen. Nicht heimische Arten wie Steppenadler und Wüstenbussard würden zwar ebenfalls gezüchtet, jedoch nicht zur Auswilderung. „Das ist nämlich verboten“, betont Falkner Thorsten Iwersen.
Falknerei nimmt auch Greifvögel auf
Immer wieder vergrößern zudem gerettete Vögel zeitweise den Bestand. Beispielsweise junge Greifvögel, die noch nicht selbstständig genug sind für ein Leben in freier Wildbahn. Alarmiert etwa die Speyerer Feuerwehr die Falknerei zu einer Tierrettung, weil ein Jungvogel in womöglich hilfloser Lage gesichtet wurde, bergen die Mitarbeiter der Falknerei die Tiere. „Das tun wir aber nur, wenn die Jungvögel in Gefahr sind“, so Iwersen. Dies treffe etwa dann zu, wenn ein Jungvogel in einem Park, in dem viele Hunde unterwegs seien, auf dem Boden sitze. Später würden diese Tiere wieder in freie Wildbahn entlassen. In der Falknerei werden die sogenannten Ästlinge dann aufgepäppelt und in die Freiheit entlassen, sobald sie groß genug sind. Das sei aber nicht Schwerpunkt ihrer Arbeit, sondern eher Beifang, betont Courtney Iwersen. „Die Vögel kommen draußen klar. Ihren Instinkt verlieren sie nicht“, tritt sie der Sorge entgegen, die Zeit in menschlicher Obhut lasse die Tiere ihre natürlichen Verhaltensweisen vergessen.
Mitunter kommt es vor, dass auch mal ein Jungtier aus dem Bestand der Falknerei bei einer Flugstunde entfleucht. So war Anfang März Seeadler Ivar acht Tage lang auf Achse. „Aber er blieb immer hier im Umkreis der Falknerei“, berichtet Thorsten Iwersen. Alle Vögel, die die Volieren verlassen, seien mit Sendern ausgestattet, so dass sich ihr Weg verfolgen lasse. Ivar habe sich stets zu den Fütterungszeiten eingefunden. Dabei sei er dann auch wieder aus freien Stücken in die Voliere zurückgekehrt.
Vögel haben ihre Eigenarten
Wer sich intensiv mit den Vögeln beschäftige, lerne schnell, dass sie unterschiedliche Charaktere hätten, erzählt Courtney Iwersen. Es gebe Spaßvögel, schräge Vögel, komische Käuze. Nur Galgenvögel, die gebe es in Speyer nicht: „Birds of Prey“ hält keine Geier. Dafür einen Steinadler, der trotz seiner beeindruckenden Größe und Kraft ein verschmuster Typ sei.
Wissen über die majestätischen Tiere zu vermitteln, gilt das besondere Augenmerk der Falknerei-Mitarbeiter. Sie besuchen mit ihren Vögeln Kitas, Schulen, Seniorenheime und treten bei Veranstaltungen auf. Sie lassen aber auch Besucher auf ihrem Gelände nahe an ihre Schützlinge herankommen, um sie über die Lebensweise und das Verhalten der geflügelten Jäger aufzuklären und ihnen deren Flugkünste vorzuführen. „Die Menschen müssen wieder einen Bezug zu Greifvögeln bekommen“, sind sie überzeugt. Denn nur dann könnten sie auch zum Schutz der Tiere beitragen.
Zur Sache
Gelegenheit, in die Volieren von „Birds of Prey“ zu blicken, bietet das Sommerfest am Sonntag, 22. Juni, 14 bis 18 Uhr. Eine Führung ist für 14 Uhr angesetzt, eine Flugshow um 16 Uhr. Daneben gibt es besondere Angebote für Kinder. Geparkt werden kann im Binsfeld auf dem Parkplatz am Hundestrand. Im Netz: www.falknerei-birds-of-prey.de