Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Enttäuschung beim THW: Kein Neubau für den Katastrophenschutz

Hansdampf in allen Gassen: Gleich ob Hochwasser, Unglücke, verschüttete Personen oder zerstörte Infrastruktur – das Technische H
Hansdampf in allen Gassen: Gleich ob Hochwasser, Unglücke, verschüttete Personen oder zerstörte Infrastruktur – das Technische Hilfswerk ist die Eingreiftruppe des Bundes für Notfälle.

Die Idee war gut: Das Technische Hilfswerk (THW) sollte aus seinen maroden Gebäuden an der Industriestraße in einen Neubau an der Brunckstraße umziehen. Doch weil der Bund sparen muss, ist das Projekt wohl gestorben. Das hat Auswirkungen – auf die Stadt, aber vor allem auf den Katastrophenschutz.

Die Hoffnungen des Technischen Hilfswerks auf moderne Gebäude und genügend Platz in Speyer haben sich zerschlagen. „Die Idee mit dem neuen Grundstück hat sich vermutlich erledigt“, sagt Matthias Fahrnbach, Ortsbeauftragter des THW in der Domstadt: „Leider“. Hintergrund seien offenbar die Geldnöte des Bundes, von dem die Zivil- und Katastrophenschützer als bundeseigene Institution abhängen. Nun müssten die rund 120 Mitglieder des hiesigen THW weiterhin mit dem bisherigen Standort in der Industriestraße neben der Hauptfeuerwache auskommen, anstatt auf eine Freifläche an der Ecke von Siemens- und Brunckstraße umziehen zu können, wie es lange angedacht war.

Da sollte es hingehen: Auf der Freifläche an der Ecke von Brunck- und Siemensstraße sollte das THW neu bauen.
Da sollte es hingehen: Auf der Freifläche an der Ecke von Brunck- und Siemensstraße sollte das THW neu bauen.

Es ist freilich nicht die Nachbarschaft, die THW-Chef Fahrnbach und seine Leute stört, im Gegenteil. Mit der Feuerwehr bestehe ein sehr enges und freundschaftliches Verhältnis. Es ist vielmehr der Zustand ihrer Liegenschaft, die den Angehörigen des THW zu denken gibt. Sie genüge heutigen Anforderungen schlicht nicht mehr. „Die Gebäude wurden Anfang der 1970er-Jahre errichtet und sind dementsprechend sehr einfach ausgestattet“, beschreibt Fahrnbach die unbefriedigende Situation.

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Dazu komme der eklatante Mangel an Platz: „Die Halle war ausgelegt für die damaligen Einsatzfahrzeuge. Die neuen sind aber viel größer.“ Folglich passten sie nicht mehr unters Dach. Drei Fahrzeuge müssten ungeschützt im Freien stehen. Auch das Material sei mehr geworden und auf dem THW-Areal kaum noch unterzubringen. „Eigentlich bräuchten wir das Doppelte an Fläche“, sagt Fahrnbach: „Es sind kreative Lösungen gefragt.“

Bestand muss saniert werden

Immerhin: Zwar ist ein Umzug samt Neubau zumindest vorerst abgeblasen. Doch müsse die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) als Eigentümerin der THW-Liegenschaft jetzt eben die Sanierung der vorhandenen Gebäude in die Hand nehmen, damit das THW seine Aufgaben auch in Zukunft erfüllen könne. Fahrnbach spricht von rund 65 aktiven Einsatzkräften und einer etwa 20-köpfigen Jugendgruppe, die adäquate Bedingungen vorfinden müssten. Duschen und Toiletten etwa seien defekt. Stattdessen stünden Sanitärcontainer im Hof. Auch Versorgungsleitungen, Fenster, Türen und Heizung müssten erneuert werden.

Dass beim 1954 gegründeten THW-Ortsverband dringender Handlungsbedarf in baulichen Belangen besteht, ist lange klar. Um die Katastrophenschützer des Bundes aus ihren beengten Verhältnissen zu befreien, hatte die Stadt ihre letzte große und freie Gewerbefläche im Industriegebiet West ins Spiel gebracht. Die Bima hätte dort für das THW ungefähr 6200 der rund 25.200 Quadratmeter erwerben und darauf Funktionsgebäude und Hallen errichten sollen. Dazu hatte der Stadtrat einen sogenannten Vorratsbeschluss gefasst. Der nach dem Umzug freiwerdende THW-Standort an der Industriestraße hätte dann für den geplanten Neubau der Hauptfeuerwache zur Verfügung gestanden. Dort hätten Stellplätze geschaffen werden können, was die Planung erleichtert hätte. Der eigentliche Neubau der Feuerwehr werde vom Verbleib des THW nicht tangiert, betont die Stadt auf Anfrage.

Gewerbefläche kommt auf den Markt

Wie es mit den 2,5 Hektar freie Gewerbefläche im Westen Speyers weitergeht, steht noch nicht fest. Zuerst müssen laut Stadt auf dem Gelände Analysen zum Arten- und Baumbestand und zu etwaigen Kampfmitteln im Boden erfolgen. Eine Ausschreibung der Flächen sei fürs erste Halbjahr 2025 vorgesehen. Nach den Vergaberichtlinien der Stadt werden Unternehmen bevorzugt, die aus der Stadt oder der Region kommen und möglichst viele neue Arbeitsplätze schaffen. Nach Aussage der städtischen Wirtschaftsförderung gebe es bereits „mehrere Anfragen“.

Die Situation in Speyer ist symptomatisch für den Zustand vieler THW-Liegenschaften. Nach Angaben der bundeseigenen Institution mit Sitz in Bonn benötigen gut ein Drittel der bundesweit 668 Ortsverbände einen Neubau. Daher hat das THW ein Bauprogramm aufgelegt. Demnach sollen neue Gebäude gewissermaßen in einer Art Baukastensystem von der Stange erstellt werden, was Zeit und Geld spare.

Starten soll die Investitionsoffensive im Herbst mit 30 THW-Ortsverbänden. In Rheinland-Pfalz zählt der Standort Mayen dazu. Speyer steht nicht auf der Liste.

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