Speyer THW feiert Jubiläum: Der Büffelheber hat überlebt
Stundenlang kann Christian Meyer erzählen, wenn es um die Unterschiede zwischen früher und heute geht. Er berichtet dann vor allem von technischem Fortschritt und besser gewordenem Material. 70 Lenze wie das örtliche THW zählt er zwar nicht, hat aber mit 57 Jahren schon vier Jahrzehnte aktiven Dienstes hinter sich. „Das Einzige von damals, was es heute noch im Fuhrpark gibt, ist der Kipper. Als ich anfing, war der neu“, sagt der Truppführer der Bergungsgruppe.
Ja, die Autos des ersten Tags der offenen Tür am Standort des THW in der Industriestraße sind mittlerweile historisch, hebt Meyer hervor. Ehrenamtskollege Heinrich Schwerer – inzwischen seit 60 Jahren im Dienst – erinnert sich noch an die Zeit davor. „Ganz am Anfang waren wir in Otterstadt, in der alten Flakhalle“, berichtet er. Heute ist Schwerer der mit Abstand älteste Helfer in der Ortsgruppe. Am Tag der offenen Tür arbeitet er genau da, wo er jahrzehntelang eingesetzt wurde: in der Küche. Einem satten Sonnenbrand bei einem früheren Auslandseinsatz in Äthiopien habe er diesen Tätigkeitsbereich zu verdanken: Damals half er in der Küche, um vor der Hitze geschützt zu arbeiten. Schwerer: „Seither war ich fast bei jedem Einsatz in der Feldküche.“
Technik heute viel besser
Berichtenswert ist für beide langgedienten THWler die Entwicklung ihrer Hilfseinheit. „Man hat sich immer der Zeit angepasst“, betont Meyer. Damit sei stets eine Erleichterung für die Helfer einhergegangen. Am Beispiel der Motorsäge macht Meyer das fest: „Früher war die viel größer und man musste kräftig ziehen. Das hat richtig Kraft gekostet.“ Heutige Geräte seien kleiner und leistungsstärker.
Ohnehin sei das technische Gerät handlicher geworden. Manches hat jedoch die Zeit überdauert. Der „Büffelheber“ etwa, wie Meyer sagt. „Der ist extrem schwer.“ Früher hat er den Hydraulikheber selbst geschleppt, inzwischen lässt er das andere tun. Die körperlichen Grenzen sind doch das eine oder andere Mal spürbar.
Hebekissen machen vieles leichter
Da ist dem Speyerer Helfer die Nachfolge-Erfindung lieber: die Hebekissen, die mit Luft gefüllt werden und trotz minimaler Größe immens schwere Lasten anheben können. Zufrieden ist Meyer außerdem mit der modernen Fahrzeugtechnik. „Ich hab’ noch mit Doppelkupplung gelernt“, verrät er. Zum ersten Mal Vorglühen musste Meyer, als er einen Magirus Merkur aus Neustadt geholt hat. Gerne erzählt er auch von einem Transport nach Rumänien in den 1990er-Jahren. „Damals sind wir mit Fellkappe und Handschuhen gefahren“, sagt er und erwähnt die damalige Kälte.
Positiv entwickelt hat sich auch die Kleidung des THW, meint Meyer. Sein erster Helm sei aus Glasfaser gewesen, die erste Stirnlampe ein „Mordstrumm“. Die Dienstkrawatte von früher trägt er noch heute zu manchen Gelegenheiten. Eines, stellt der THWler heraus, habe sich nicht verändert: die Kameradschaft. „Wir sind wie ein Zahnrad, bei dem das eine in das andere greift“, erklärt Meyer. Ein Beispiel dafür ist der Besuch des Ortsvereins Lüdenscheid am Samstag. Die Kollegen lernten die Speyerer beim Einsatz im Ahrtal kennen und reisten nun die fast 300 Kilometer an.
Sorgen um den Standort
Über die vielen Besucher aus der Bevölkerung, aus dem THW und aus der Politik freut sich Matthias Fahrnbach, Ortsbeauftragter des Hilfswerks in Speyer. Ebenso über seine stabile Einheit. „Wir sind in allen Bereichen konstant am Wachsen“, versichert er. Die Jugend überrenne die Einheit quasi; einzig an Betreuern hapere es. Und: „Die Liegenschaft ist am Ende.“ Von einem Ersatz für das Gelände in der Industriestraße wird schon lange geträumt. Zwischenzeitlich schien es mit einem Umzug in die Brunckstraße konkret zu werden. Dennoch muss Fahrnbach bekennen: Eine Lösung ist bislang nicht in Sicht. 30 neue THW-Liegenschaften werden bundesweit gebaut. „Speyer ist nicht dabei.“