Auf ein Wort am Lieblingsort RHEINPFALZ Plus Artikel „Wie ein Stück Heimat“: Picknick mit Volker Knörr am Naturfreundehaus

Volker Knörr vor grüner Kulisse: Das Naturfreundehaus in Neuhofen und seine Umgebung gefallen ihm gut.
Volker Knörr vor grüner Kulisse: Das Naturfreundehaus in Neuhofen und seine Umgebung gefallen ihm gut.

Wer mit Volker Knörr an dessen Lieblingsort möchte, muss erstmal ein bisschen in die Pedale treten. Mit dem Ersten Kreisbeigeordneten (CDU) geht es von Waldsee nach Neuhofen. Das ist kilometertechnisch verkraftbar, zumal der 48-Jährige eine Stärkung am Ziel in Aussicht gestellt hat.

So durch die Felder des Rhein-Pfalz-Kreises zu radeln, ist schon schön. Kürbisse leuchten orange in der Sonne. Am Horizont zeichnen sich die Hügel des Pfälzerwalds ab. Dorthin zieht es Volker Knörr immer wieder zum Wandern. Wandern ist einfach sein Ding. „Dabei kann ich mich wunderbar entspannen. Fast so gut wie bei der Gartenarbeit“, sagt er und lacht. Erholung findet der Erste Kreisbeigeordnete aber auch an seinem Lieblingsort, den wir jetzt erreichen. Es ist das Naturfreundehaus Im Woog in Neuhofen. Obwohl Volker Knörr Waldseer durch und durch ist, ist ihm das Naturfreundehaus wie ein Stück Heimat. Immerhin ist seine Mutter Neuhofenerin. Mit den Großeltern war er oft am „Hais’l“.

Ups, wo ist der Dosenöffner?

„So, jetzt packen wir mal aus“, sagt Volker Knörr, als die Räder geparkt sind und eine Bank im Halbschatten gefunden ist. Er nestelt an seinem Rucksack, die Schnüre lösen sich, und dann kommen gute Sachen zum Vorschein. Das Naturfreundehaus hat noch geschlossen, und so ist ein Picknick erlaubt. Es gibt Brot, Oliven, Gürkchen, Käse und ... „Mist, ich habe den Dosenöffner vergessen.“ Knörr schlägt sich mit der Hand an die Stirn. Wir lachen. Dann wird heute eben vegetarisch gepicknickt. Ohne Hausmacher aus der Dose. Die Flasche Wein hat zum Glück einen Schraubverschluss. „Ha ha“, meint Knörr auf diese Bemerkung hin und gießt einen Müller-Thurgau ein. „Der ist richtig lecker – auch pur. Man muss keine Schorle daraus machen.“ Na dann, prost.

Pfälzer Wälder, Pfälzer Wein, Pfälzer Dosenwurst (falls man sie denn aufkriegt ...) – überhaupt Pfälzer Lebensart: Volker Knörr ist heimatverbunden. Er genießt es, hier zu leben. Durch sein politisches Engagement möchte er sich für Kreis und Leute einsetzen, für die Region, die ihm am Herzen liegt. Der Waldseer ist Mitglied im Orts- sowie im Verbandsgemeinderat. Und er ist seit der Kommunalwahl und mit der Vereidigung im Juni Erster Kreisbeigeordneter – zuständig für Schule, Kultur und Sport. Beigeordneter für den Rhein-Pfalz-Kreis ist er bereits seit 2017, aber bislang war der Christdemokrat für den Eigenbetrieb Abfallwirtschaft (Eba) zuständig. „Ich vermisse meinen alten Geschäftsbereich ein bisschen. Es war nicht immer witzig, aber es hat Spaß gemacht“, sagt er und angelt eine Olive aus dem Glas. Abfallwirtschaft ist ein Gebiet, das die Gemüter auch erregen kann. Über die Abfallgebühren wurde vor allem mit FDP-Mann Jürgen Creutzmann so manche Debatte im Kreistag geführt. Zuletzt kämpfte Knörr mit dem Eba-Team um weniger Plastik im Biomüll.

Schulen in der Warteschlange

Für seinen neuen Geschäftsbereich möchte er zunächst einmal die Akteure vor Ort kennenlernen. Volker Knörr will nach und nach die kreiseigenen Schulen besuchen. Auch bei den Mitarbeitern der vier Kreisbäder werde er vorstellig werden. Wichtig sei, dass der Schulbau forciert werde, meint er. Böhl-Iggelheim stehe in der Warteschlange, was die Renovierung der Peter-Gärtner-Realschule betreffe. Über einen Ausbau des Schifferstadter Gymnasiums müsse nachgedacht, der Neubau der Berufsbildenden Schule in Böhl-iggelheim weiter geplant werden. Dazu kommen laufende Projekte wie der Anbau an der Maxdorfer Justus-Liebig-Realschule oder der Realschulneubau Bobenheim-Roxheim.

„Letzteres Projekt hat eine lange Geschichte. Der Plan für den Schulneubau besteht ja seit Jahren. Was dafür jedoch alles abgesprochen und von der ADD abgesegnet werden muss. Das ist eigentlich unglaublich“, sagt Knörr. Alleine das habe vier Jahre gedauert. Was Schulen, Veränderungen und Neuerungen anbelangt sowie das Warten darauf, davon kann er als Schulleiter der Adolf-Diesterweg-Realschule Plus in Ludwigshafen ein Lied singen. „Als ich Kreisbeigeordneter wurde, wollte ich auf keinen Fall den Schulbereich übernehmen. Das wäre mir zu viel Schule gewesen. Doch jetzt freue ich mich doch darauf. Und mit Schulen kenne ich mich einfach aus“, sagt Knörr. Zumal er viele Schulen im Kreis als Lehrer beziehungsweise Konrektor kennengelernt hat.

Bisschen wie Heimkommen

2000 ist er ins Referendariat gegangen. Er habe sich damals bewusst für das Hauptschullehramt entschieden. Denn neben der Stoffvermittlung war ihm wichtig, benachteiligte Kinder nach vorne zu bringen. „Auch wenn wir heute keine Hauptschulen mehr haben, gibt es noch so viele Kinder, die einen besonderen persönlichen Bezug brauchen. Gerade Ludwigshafen ist voll davon“, sagt Knörr. „Als Schulleiter hat man leider nicht mehr so viel Kontakt zu den Kindern. Es ist unglaublich viel im Bereich Verwaltung zu erledigen.“ Gerade brüte er über Stundenpläne und Raumbelegungen. Der Ausflug ins Naturfreundehaus findet in Knörrs letzter Ferienwoche statt. Wenn der Text erscheint, wird er wieder im Schultrott sein. Aber mit guten Erinnerungen.

Denn in den Ferien hat er mit seiner Frau Martell besucht, eine der Partnergemeinden des Rhein-Pfalz-Kreises. Nicht zum ersten Mal. Und so sei es immer ein bisschen wie Heimkommen. „Es ist schön, die Leute wieder zu treffen, die man kennt“, sagt Knörr. Oder neue Leute kennenzulernen. Und manchmal trifft man beim Abendessen auch einen Bekannten aus der Heimat, der in Südtirol ebenfalls Urlaub macht. „Martell liegt ja schon unglaublich hoch auf fast 1300 Metern. Von dort kann man herrliche hochalpine Wanderungen starten.“ Auch das E-Bike-Fahren haben er und seine Frau für sich entdeckt. Nach den Wanderungen und Radtouren ging es in den Pool oder die Sauna. „Damit habe ich immer meine Frau gelockt – erst sich quälen und dann Wellness genießen“, sagt Knörr und lacht.

Kreishaus mit Kindergarten

Über die Alpen nach Italien wandern, das ist eines seiner persönlichen Ziele, das er unbedingt noch erreichen will. Eine Zukunftsvision als Kreisbeigeordneter ist ein topmodernes Kreishaus mit angeschlossener Betriebskita und Sportstudio. „Wir müssen etwas bieten, wenn wir junge und fitte Leute in der Verwaltung haben wollen. Wenn wir aus tarifrechtlichen Gründen nicht mehr Geld zahlen können, dann muss es anders gehen“, findet der 48-Jährige.

Mal sehen, was in sieben Jahren ist. Sieben Jahre sind so eine magische Zahl für Volker Knörr. „Das ist ungefähr der Zeitraum, in dem ich gerne wechsle und etwas Neues mache. Ob nun in Sachen Schule oder als Beigeordneter.“

So, gleich macht das Naturfreundehaus auf. Wein und Oliven müssen vom Tisch. Der Käse ist verputzt. Knörr grüßt und winkt. Hier scheint er tatsächlich jeden zu kennen. „Ich komme ja schon lange hierher“, meint er und grinst. Nun noch schnell ein Fotoshooting, bevor sich die Terrasse füllt. Knörr vor knallgrünem Wasserpflanzen-Hintergrund. „Bei dem Gebiet handelt es sich um eine ehemalige Rheinschlinge. Mein Opa hat mir erzählt, dass die kleinen Weiher und Feuchtwiesen quasi Überbleibsel aus dieser Zeit sind. Oft trocknen sie im Sommer aus. Aber dieses Jahr hat es viel geregnet.“

Auf geht’s zu den Rädern. Ein kleiner Abstecher zum Storchennest. „Es ist schon verwaist, der Sommer neigt sich dem Ende“, meint Knörr ein wenig wehmütig. Dann geht es zurück in Richtung Waldseer Heimat.

Die Serie

Sie sind Spezialisten für ihre Fachbereiche und halten den Bürgermeistern oft den Rücken frei: die Beigeordneten. In der Serie „Auf ein Wort am Lieblingsort“ treffen wir sie abseits von Sitzungssaal, Paragrafen und Vorschriften.

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