Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Martell: Das ganze Jahr über eine Reise wert

Spektakulär: Über Hängebrücken wie diese geht es auf dem Plima-Schluchtenweg an Wasserfällen vorbei zur Zufallhütte.
Spektakulär: Über Hängebrücken wie diese geht es auf dem Plima-Schluchtenweg an Wasserfällen vorbei zur Zufallhütte.

Es soll Dudenhofener geben, denen die Südtiroler Partnergemeinde zur zweiten Heimat geworden ist. Wenn Altbürgermeister Peter Eberhard den Reschensee und den schneebedeckten Ortler sieht, geht ihm das Herz auf.

Premierenbesuch für Eberhard, damals 21 Jahre alt, war an Ostern 1976. „Ein Freund und ich stapften im hüfthohen Schnee auf eine Bergkuppe“, erinnert er sich. „Von der Spitze ließen wir uns bäuchlings auf dem Schneebrett liegend nach unten gleiten. Nach der Aktion hielten uns die Einheimischen für Verrückte. Am nächsten Tag ging an gleicher Stelle eine Lawine ab.“ Nicht nur aus Repräsentationspflicht in seiner Zeit als Bürgermeister legte der Christdemokrat die ungefähr 520 Kilometer nach Martell in sechs bis sieben Stunden bislang an die 40-mal zurück – zuletzt im Juni als Organisator und Reiseleiter der zwölftägigen Volkshochschulfahrt.

„Auf den ersten Blick in das Tal verliebt“ hat sich Josef Zettler, einer der Initiatoren der offiziell 1975 begründeten Partnerschaft und einer von Eberhards Amtsvorgängern. Als Jugendpfleger des früheren Landkreises Speyer fuhr er 1964 im Pritschenwagen mit von der Katholischen Frauengemeinschaft gesammelter Kleidung in den Vinschgau. Sein Versprechen, jedes Jahr wiederzukommen, hat er gehalten. Statistisch gesehen war mittlerweile jeder Dudenhofener mindestens einmal in Martell.

Am Anfang steht ein Eis im Café Hölderle

Am Beginn eines für Eberhard typischen Wochenprogramms könnte nach der Ankunft die Einkehr im Café Hölderle stehen: auf einen Kaiserschmarrn oder ein Erdbeereis. Dann hoch zur Stallwiese „mit herrlichem Panorama“, erneute Rast, Verköstigung und – ein Muss – die Kapelle Maria in der Schmelz.

Herausfordernd: der Wanderweg zur Marteller Hütte, aufgenommen an der alten Staumauer.
Herausfordernd: der Wanderweg zur Marteller Hütte, aufgenommen an der alten Staumauer.

Teil des geschätzt etwa 300 Kilometer langen Wanderwegenetzes – höchster Punkt 3769 Meter, tiefster 950 Meter – mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und Längen ist der von ihm mehrfach gelaufene Plima-Schluchtenweg. „In traumhafter Landschaft“, so Eberhard, führt er auf 2256 Meter Meereshöhe zum Teil über Hängebrücken über Täler und Wasserfälle. Zwischendurch kann man sich auf Schautafeln über Flora und Fauna informieren. Von dort geht’s eineinhalb Stunden lang weiter zur Zufallhütte, wo es eine Brotzeit mit Südtiroler Speck, Schüttelbrot, Kaminwurz, Almkäse und einem Glas Vernatsch gibt.

Am dritten Tag könnte man mit dem Leihrad eine Radtour entlang der Etsch machen: 61 Kilometer von Mals nach Meran oder auf einem kürzeren Abschnitt der wunderschönen Strecke. Junge Familien mit Kindern könnten aber auch die Freizeitanlage Trattla besuchen. Zu deren Angeboten zählen laut Eberhard die große Kletterhalle, Bowling, Minigolf, Angelweiher, Tennis- und Spielplatz, Heimatmuseum, Ausstellungen, Produkteverkauf und Café. „Eine solche Erlebnisoase würde jeder mittleren deutschen Stadt gut zu Gesicht stehen“, meint der Altbürgermeister.

Ausflug nach Meran dank ÖPNV kein Problem

Dann wieder wandern auf dem eindrucksvollen Waalweg. Ein weiteres von vielen lohnenswerten Zielen sei das Weingut Himmelreich in Castelbell, das Weinbergsführungen anbiete. Bei allen Stationen vergisst Eberhard nicht, die Gelegenheiten für Essen und Trinken zu erwähnen. Tag fünf wäre ein Ausflug nach Meran, dank des gut ausgebauten ÖPNV kein Problem. Schlendern, shoppen, die Gärten von Schloss Trautmannsdorf besichtigen. Abschluss ist, wie meist, im Café Hölderle.

Geübtere könnten diverse Bergtouren gehen, beispielsweise zur Marteller Hütte (2610 Meter) oder zur Soyalm (2077 Meter) über die Flimseen. Oder: eine Strecke von etwa sieben Stunden auf dem Almenweg über die Lyfi-Alm (2165 Meter). Hütten und Almen seien bewirtschaftet, böten Attraktionen für alle fünf Sinne. Eberhard findet Martell auch außerhalb der Hauptsaison Juli bis September schön und einen Urlaub wert. Im Sommer wird Erdbeerfest gefeiert. Die Erdbeeren gibt es aber bis Oktober. Eberhard liebt den intensiven Duft nach Blumen, Heu, Gras, Wasser, Bergen, im Winter die Skilanglauftouren, die Wettkämpfe im Biathlonzentrum. Ein Doppelzimmer mit Halbpension könne man ab 45 bis 110 Euro pro Person buchen.

Im Tal gibt’s 600 Gästebetten

Martells Bürgermeister Georg Altstätter charakterisiert seine Heimat so: Das gesamte Gebiet des Tals ziehe sich von 950 Metern am Eingang bis zum Gletscher des Cevedale auf 3769 Meter. Es liege im Nationalpark Stilfserjoch, eines der größten Naturschutzgebiete Europas. Von der Ortler-Gruppe bis ins Trentino, die Lombardei, ist es der Lebensraum vieler nur dort zu findender Tier- und Pflanzenarten. Die umliegenden Dreitausender versprechen einmalige Aussichten und Bergabenteuer, das Martelltal verfügt über 600 Gästebetten und bietet die Wahl: Urlaub auf dem Bauernhof oder im Drei-Sterne-Hotel.

Zur Sache: Martell

Einwohnerzahl: zirka 830; Fläche: 144 Quadratkilometer; Bürgermeister: Georg Altstätter; Region: Provinz Bozen, Südtirol; Partnergemeinde: Dudenhofen seit 1975.

Pittoresk: die Kapelle an der Zufallhütte.
Pittoresk: die Kapelle an der Zufallhütte.
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