FußgönheimWaldzukunft: Was uns der kritische Zustand im Fußgönheimer Wald zeigt
Simon Henrich mit Hündin Piva im Fußgönheimer Wald. Der Förster zeigt zu den Baumkronen. Dort lässt sich der Waldzustand ablesen.
Schön grün. Schön still. Stellenweise verwunschen. So der Eindruck eines Laien, der durch den Fußgönheimer Wald spaziert. Am Kämpfen. Fast vertrocknet. Tot. So lautet das Fazit eines Försters, der durch den Fußgönheimer Wald geht – vor allem mit Blick auf die Kiefern. Aber noch eine andere Baumart ist quasi auf dem absteigenden Ast. Und das überrascht.
Das Treffen fängt ja gut an. Diskussion über das Wetter. Der Sommer war ziemlich nass. Es hat oft geregnet. Die Regenklamotten waren stets in der Satteltasche. So der Eindruck einer radfahrenden Landkreisredakteurin. „Ich sage, der Sommer war wieder zu trocken und zu warm“, sagt Revierförster Simon Henrich. Unglauben auf der Gegenseite. Wetterdatencheck: 13 Regentage im Juni. 14 Regentage im Juli. Sechs Regentage im August. So hat es die Wetterstation Mutterstadt laut Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum festgehalten. Einen halben Monat Regen im Juli! Das klingt nicht gerade nach wenig Niederschlag. Gut, im August waren es nur noch sechs Regentage. Aber immerhin ...
„Es kommt ja immer auch auf die Menge an Niederschlag an“, hält Henrich dagegen. „Wald und Wasser, das ist zudem eine eigene Betrachtung. Es muss schon lange und ausgiebig regnen, bevor Wasser im Wald am Boden ankommt und ins Erdreich dringen kann. Viel Wasser verdunstet erstmal.“ Das wiederum klingt einleuchtend. Und Fakt ist: Im Wald ist es nach den letzten heißen Tagen trocken. Ohnehin ist der Waldboden hier – genauso wie nebenan in Maxdorf oder Birkenheide – arm, sauer und sandig. Der Wald ist von Kiefern geprägt. Noch, muss man vielleicht sagen.
Der Baum ist definitiv tot
Denn auch wenn es hier auf den ersten Blick schön grün aussieht, öffnet Simon Henrich einem schnell die Augen. „Schauen Sie, da hinten ist eine Kiefer einfach umgefallen.“ Der Förster zeigt in den Wald. Der Baum ist tot. Definitiv. Dann zeigt Henrich nach oben. „Man sieht durch die Krone dieser Kiefer viel mehr Himmel, als man sollte. Dieser Baum trägt maximal noch zwei Jahrgänge an Nadeln“, sagt er. Normalerweise bekommt eine Kiefer jedes Jahr neue Nadeln und wirft allenfalls den ältesten Nadeljahrgang ab. Geht es ihr schlecht, nadelt sie heftiger. Irgendwann steht sie kahl da. Auch solche Exemplare werden wir heute noch sehen.
Abgestorben: eine nahezu nadellose Kiefer.
Als Pionierbaumart wächst die Waldkiefer recht anspruchslos auch auf kargen, humusarmen Böden. Der Auenwald ist ihr zu nass, aber ansonsten ist die Kiefer eine dominierende Baumart im Rhein-Pfalz-Kreis. Die größten Kiefernbestände finden sich in den Wäldern im Süden des Landkreises entlang der Schwemmfächer von Speyerbach und Rehbach. So ist die Kiefer in den Gemeindewäldern von Dudenhofen, Harthausen und Hanhofen genauso Hauptbaumart wie im Schifferstadter Stadtwald. Im nördlichen Kreisgebiet gibt es in Maxdorf und Umgebung größere Kiefernwälder. Und hier in Fußgönheim wurden einst ehemalige Weideflächen damit aufgeforstet. Allerdings gilt für alle genannten Wälder, dass der Anteil an Kiefern zurückgeht. Der Trend wird sich fortsetzen. „Selbst eine anspruchslose Baumart, die sogar extreme Bedingungen auf Kahlflächen aushält, kommt mit dem Klima nicht mehr zurecht“, erklärt der Förster. „Auch wenn wir vorhin über das Wetter diskutiert haben, ist es doch das Klima, das wir betrachten müssen, sprich: Wie verändern sich die Bedingungen über einen längeren Zeitraum hinweg?“, erklärt Henrich.
Es fehlt der Frost
Sehr heiße und trockene Sommer liegen hinter uns. 2018 etwa war so ein Extremjahr. Dazu kamen milde Winter. „Es fehlt knackiger Frost. Die Kiefer hält den aus. Ihre Gegenspieler nicht. Bleibt es aber mild, verbreiten sich Schädlinge wie etwa der Kiefernprachtkäfer, Pilze und Misteln“, erläutert der Förster. Gerade ohnehin geschwächte Bäume seien solchen Plagen nicht mehr gewachsen. Der Blick in die Kronen der Kiefern liefert den Beweis. „Ich kann von diesem Punkt aus, an dem ich stehe, neun kranke Kiefern sehen. Wenn ich mich um meine Achse drehe, sind es sogar elf. Aber ich muss hoch schauen. Schaue ich einfach geradeaus, sieht es hier in der Tat schön grün aus.“ Und das, meint der Förster, mache ihm dann doch Hoffnung, dass der Wald hier bestehen kann.
Zwischen den Kiefern wachsen Esskastanien, aber auch Eichen, Buchen und Linden. Naturverjüngung. Eine neue Waldgeneration entsteht durch herabgefallene oder angeflogene Samen. „Und ich helfe nach“, sagt Simon Henrich. Zum einen fällt er nicht mehr zu rettende Kiefern, bevor sie wie riesige Mikadostäbe umfallen und andere Bäume unter sich erdrücken. Das schafft zudem Platz für den Nachwuchs. „Es macht aber auch den Arbeitsplatz Wald für mich und andere Forstleute sicher, die wir hier Bäume pflegen und ihnen helfen, groß zu werden.“ Absterbende Bäume am Wegesrand kommen ohnehin weg. Erholungssuchende sollen sich entlang der Wege sicher bewegen können. Wie viele Kiefern bereits aus dem Wald gezogen worden sind, beweist ein Stapel Holz am Wegesrand.
Ein Stück weiter zeigt Simon Henrich noch so eine Oase mit vielen verschiedenen Baumarten auf einem Fleck. Es ist gut, dass es diese Mischungen gibt. „Wir müssen mit Blick auf das sich wandelnde Klima auf mehrere Baumarten setzen. Das Risiko streuen“, erklärt der Förster die Strategie. „Vielleicht fallen zwei Baumarten aus, die anderen packen es jedoch. Dann wird es immer noch ganz gut aussehen für den Wald. Haben wir aber nur eine Baumart im Wald und die Bäume sterben alle ab, haben wir ein massives Problem.“ Henrich zeigt auf eine Linde. „Die ist zwar ein bisschen kümmerlich, aber sie ist gesund. Auch solche Bäume werden wir versuchen, zu erhalten. Die Linde wird Samen bringen und auf natürliche Weise für Nachwuchs sorgen. Wichtig ist, hier einen gesunden Mischwaldbestand aufzubauen.“
Kritischer Blick auf Robinien
Eine vitale Kiefer, die Hoffnung macht.
Etwas kritisch beobachtet der Förster die Robinienbestände. Generell löst die Robinie Diskussionen aus – ähnlich wie das Wetter. Forstexperten streiten darüber, ob der Baum aus dem Appalachengebirge nun ein unliebsamer Eindringling ist – oder gar die Rettung bedeutet in unseren von Trockenheit so sehr gestressten Wäldern. Im Fußgönheimer Wald zeigt sich, dass die Robinie wohl keine Rettung bedeutet. Denn hier sterben Robinien ab – genauso trockengestresst wie Kiefern. „Das fand ich schon eine sehr interessante und auch unerwartete Beobachtung“, sagt Simon Henrich. Daran sehe man, wie unberechenbar Klimawandelfolgen seien. „Und wie gut wir Wald beobachten müssen.“
Ob es ein Schaden ist, dass Robinien absterben? „Sie ist schon ein schwieriger Baum. Doch bei aller Kritik – eine Robinie ist immer noch besser als kein Baum“, meint der Förster. Robinien sind invasiv. Und sie verändern den Boden um sich herum, indem sie ihn mit Stickstoff anreichern. Dadurch wiederum kann sich das Artenspektrum der Pflanzen und Tiere ändern. Manche profitieren, andere verkümmern. Stickstoffliebende Gräser oder gar die Brombeere profitieren. Der Förster zeigt uns das. Dichtes, stacheliges Brombeergeranke unter den Robinien. Dafür kein junges Bäumchen, das hier nachwächst. „Und das ist eben schlecht“, sagt Henrich.
Das kam für den Förster etwas unerwartet: Auch Robinien scheinen dem Klima nicht mehr standzuhalten und sterben ab.
Eine ausgesprochen vitale Kiefer zeigt sich auf dem Rückweg dieses Waldspaziergangs, der beispielhaft für viele Waldflächen in der Vorderpfalz die aktuelle Lage erklären und Probleme thematisieren will. Ein Waldspaziergang, der aber auch Hoffnung macht, angesichts eines so gesunden Baums. „Womöglich gibt es Bäume, die allein durch ihre stabile Veranlagung durchhalten“, sagt Henrich. „Wir setzen auf junge Bäume, die es nicht anders kennen. Die gar keine regenreichen Zeiten und kalten Winter erlebt haben. Möglicherweise passen sie sich den neuen Bedingungen an.“ Schön grün. Schön still. Stellenweise verwunschen. Es wäre schön, wenn solche Erholungsorte wie der Fußgönheimer Wald weiter bestehen.