Wochenendkolumne RHEINPFALZ Plus Artikel Vom sprühenden Landrat und fehlenden Bremsen

Hobby-Sprayer: Landrat Clemens Körner auf der Buga.
Hobby-Sprayer: Landrat Clemens Körner auf der Buga.

Was den Rhein-Pfalz-Kreis in dieser Woche beschäftigt hat. Kurioses, Abseitiges - und nicht ganz ernst Gemeintes aus den Dörfern.

Bundesgartenschau: Gesprüht

Im Holzpavillon der Metropolregion, wo der Rhein-Pfalz-Kreis derzeit seinen Buga-Auftritt hat, gab es Blümchen und Bienchen. Passend eben zu einer Bundesgartenschau. Die Blümchen und Bienchen wurden gesprüht. Auf T-Shirts. Airbrush-Künstler waren am Werk. Und Landrat Clemens Körner (CDU). Der wollte auch mal auf die Farbpistole drücken. Er fragte nett und durfte. Er freute sich über die gelben Farbtupfer, die auf den weißen Stoff spritzten. Dann stutzte er. So viel Gelb? Das kann eigentlich nur einem gefallen: „Wo ist eigentlich der Herr Creutzmann? Ich habe alles gelb gemacht?“ Der FDP-Fraktionschef war zwar auch da, aber hörte die Rufe des Landrats nicht. Dafür war ein „Roter“ in der Nähe. Mutterstadts Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD) bewunderte das Werk. Dann grinste er und sagte: „Aha, der Landrat ist unter die Sprayer gegangen. Wenn wir jetzt in unserer Gemeinde ungewollte Graffiti entdecken, schicken wir die Rechnung einfach ins Kreishaus.“

Klare Ansage: Gescheit

Mit klaren Ansagen ist das im dritten Jahrtausend so eine Sache. Oft hat man Hemmungen, weil man nicht weiß, wie es beim Gegenüber ankommt. Stattdessen wird zu oft rumgeeiert. Raus kommt dann oft nichts Gescheites. Da tut es gut, wenn man Leute trifft, die sich nicht scheuen, den anderen klar zu machen, woran man bei ihnen ist. Zum Beispiel Michael Schubert. Als Vorsitzender Richter im Bankrott-Prozess um Schuldner der ehemaligen Stadtsparkasse Schifferstadt am Landgericht Zweibrücken ist er derzeit nicht zu beneiden. Das Verfahren ist komplex, der Aktenberg groß, die Zeugenliste lang, und alles ist auch noch ziemlich lange her. Vielleicht war es eine Kombination aus all diesen Punkten, die ihn zu Beginn der Verhandlung am Donnerstag veranlasste, in Richtung der vier Angeklagten, ihrer Verteidiger und der Vertreterinnen der Staatsanwaltschaft auf seinen aktuellen Hormonspiegel hinzuweisen. „Wenn Sie eine Pause brauchen oder ein Bedürfnis haben, sagen Sie Bescheid. Ich stehe so unter Adrenalin. Ich habe keinen Hunger, keinen Durst, und ich muss nicht aufs Klo.“ Eine klare Ansage, die gut ankam. Und auch gar nicht wehtat. Ein Konzept, das zur Nachahmung empfohlen ist.

Kabeltrommel: Gefunden

Der Bankrott-Prozess, der am Donnerstag vor dem Landgericht Zweibrücken begonnen hat, hat seine Tücken. Er ist komplex und droht, lang zu werden. Knapp 20 Verhandlungstage sind angesetzt. Ein reibungsloser Ablauf könnte helfen, den Prozess im wahrsten Sinne des Wortes zu beschleunigen. Doch ach, gleich zu Beginn hatte Verteidigerin Katja Kosian keinen Saft für ihr Laptop. Zack, nach noch nicht mal fünf Minuten gab’s schon die erste Unterbrechung. Kein gutes Omen. Doch Abhilfe war schnell gefunden. Am Platz der Protokollantin war eine Kabeltrommel untergestellt. Kosian hatte alsbald Saft, und die Verhandlung ging weiter. Das war dann wieder ein gutes Omen und rückblickend eine letzte Atempause vor dem Zwei-Stunden-Lesemarathon der Anklageschrift vonseiten der Staatsanwaltschaft. Mal schauen, wie es weitergeht.

Polizeikontrolle: Gestoppt

„Keine Softdrinks für Stuttgart“ – muss die Landeshauptstadt dürsten? Und warum? Und was hat das mit dem Rhein-Pfalz-Kreis zu tun? Zwei Polizisten und ein Techniker des bei der Polizeidirektion Neustadt angesiedelten Schwerverkehrskontrolltrupps haben an der Tank- und Rastanlage Dannstadt-West an der Autobahn 61 am Donnerstag einen Sattelzug kontrolliert, der mit 24 Tonnen Softdrinks beladen auf dem Weg nach Stuttgart war. Soweit so gut, man gönnt ja den Schwaben ihre Zuckerbrause. Aber: „Dieser Sattelzug fährt keinen Meter weiter“, lautete das Fazit der Kontrolleure. Denn beim Anhänger des Sattelzugs war nach Polizeiangaben eine Bremse abgeklemmt. So was kann beim Bremsen fatale Folgen haben. Und, so die Experten, diese Manipulation war nicht neu, sondern, wie der Techniker mittels Diagnosegerät ermittelte, schon lange vor Fahrtantritt vorgenommen: „Fast 4000 Kilometer hatte der Fahrer mit dem Fahrzeug, dessen Bremsanlage zwingend reparaturbedürftig war, zurückgelegt.“ Den Fahrer und den Unternehmer erwarten nun empfindliche Bußgelder. Und die Stuttgarter müssen ihre Softdrinks woanders herkriegen.

Ein durstfreies Wochenende

wünscht die Kreis-Redaktion

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