Böhl-Iggelheim RHEINPFALZ Plus Artikel Vereinsfusion ist durch: Vom Feind zum Freund

Das Vereinsgelände des VfB Iggelheim wird weiter gebraucht – auch wenn die SG Böhl-Iggelheim über neue Sportstätten nachdenkt.
Das Vereinsgelände des VfB Iggelheim wird weiter gebraucht – auch wenn die SG Böhl-Iggelheim über neue Sportstätten nachdenkt.

Palatia Böhl und VfB Iggelheim verschmelzen zur SG Böhl-Iggelheim. Die Fusion war ein Prozess mit einigen Hürden – und die Macher haben noch einige Aufgaben vor sich.

Die neue Zeitrechnung beginnt um 20.37 Uhr. Da haben alle 113 anwesenden Mitglieder der neuen Satzung der SG Böhl-Iggelheim zugestimmt – und der Weg ist frei für die Verschmelzung der beiden über 100 Jahre alten Traditionsvereine. Mit einem Schlag ist der größte Verein im Ort entstanden. „Wir haben unser Zwischenziel erreicht“, sagt Michael Knebel, der später am Abend einstimmig zum Vorsitzenden der neuen SG gewählt wird. „Es war eine Etappe mit Bergankunft, erst ein kraftraubender Anstieg, aber dann doch mit viel Jubel im Ziel“, sagt Knebel.

Dabei weint am Vorabend noch der Himmel, als die Weichen für diesen historischen Moment gestellt werden sollen. Palatia Böhl und VfB Iggelheim streben ihre Fusion an – und über dem Ort geht ein Unwetter nieder. „Freudentränen, hoffentlich“, sagt Knebel und lacht. Gut gelaunt tritt der Palatia-Chef vor seine Mitglieder, 54 sind gekommen, ein paar mehr hätten es schon sein können. Zumal der Verein in den vergangenen Wochen deutlichen Zulauf erfuhr, sowohl in der Jugend als auch bei den Aktiven. „Und eine ganze Damenmannschaft ist zu uns gekommen“, sagt Knebel, etwa 475 Mitglieder hat die Palatia nun. Trotzdem: An diesem Abend sind genug anwesend, etwa eine Viertelstunde später haben sie ihren Teil zum Gelingen des Projekts beigetragen und dem Verschmelzungsvertrag zugestimmt. Dass das Vorhaben nicht an der Palatia scheitern würde, schien jedoch von Anfang klar zu sein.

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Die Mitglieder des VfB Iggelheim brachten das Projekt vorerst zum Scheitern.
Kommentar

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Eine Frau geht raus

Es war eine Verschmelzung, die in die Verlängerung gehen musste. Die beiden großen Klubs der beiden Ortsteile, die erst seit wenig mehr als 50 Jahren eine Gemeinde bilden, hatten sich nicht immer bestens verstanden. Und tatsächlich hatte der VfB Iggelheim zunächst gegen ein Zusammengehen beider Vereine gestimmt. Mitte Mai war das. Die Empörung war groß. „Beschämend“ nannte das VfB-Urgestein und der langjährige Vereinschef Edgar Hoffmann das Wahlergebnis, bei dem sich einige wenige VfB-Mitglieder gegen die Fusion aussprachen. Doch es hat gereicht, um das Projekt vorerst scheitern zu lassen, denn bei so weitreichenden Abstimmungen müssen 80 Prozent der Anwesenden ihr Okay geben. In einer weiteren Mitgliederversammlung stellte sich die Vorstandschaft neu auf, um weitere Überzeugungsarbeit zu leisten. Hoffmann wurde nun zum Ehrenvorsitzenden des neuen Vereins gewählt.

Michael Knebel.
Michael Knebel.
Thomas Hartmann
Thomas Hartmann
Sven Diener
Sven Diener
Jürgen Anton.
Jürgen Anton.
Das neue Logo der SG Böhl-Iggelheim.
Das neue Logo der SG Böhl-Iggelheim.

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Dass es weiter Zweifler gibt und solche, die die Fusion von Palatia und VfB vehement ablehnen, zeigt sich, da zwölf Mitglieder den VfB in den vergangenen Wochen verlassen haben. Eine Frau sagt am Vorabend der Fusion, als es darum geht, den Patzer vom letzten Mal vergessen zu machen, dass sie ihre Mitgliedschaft zum Jahresende gekündigt habe und fragt, ob sie dennoch mitabstimmen darf. Das sei zwar möglich, entgegnet der Notar, der den gesamten Prozess begleitet hat, aber ob es sinnvoll sei, müsse jeder selbst entscheiden. Die Frau steht auf und verlässt den Raum.

Sie umarmen sich

„Eine Enthaltung ist eine Nein-Stimme“, sagt der VfB-Vorsitzende Sven Diener, „das muss allen bewusst sein.“ Klar ist den Anwesenden aber auch, dass die Palatia der Verein sein wird, der weiter bestehen wird – und dass der VfB rückwirkend zum 31. Mai aufgelöst wird, zumindest für einen Tag. Die rund 480 Mitglieder werden überführt, die Jahre der Zugehörigkeit werden einfach weitergezählt, so ist es im Fusionsvertrag geregelt. „Es ist im Interesse beider Vereine“, sagt Diener und betont erneut, dass die Zukunft nur durch die Zusammenarbeit gesichert werden kann. Nur wenige hätten die zusätzlichen Infoveranstaltungen genutzt, die Diener nach der ersten Ablehnung anbot, um sich über die Details zur Fusion schlauzumachen – und um Vorurteile abzubauen. Wenig später haben auch 98 VfB-Mitglieder dem Verschmelzungsvertrag zugestimmt. „Ein überwältigendes Ergebnis“, sagt Diener. Er klatscht sich mit Michael Knebel ab, beide nehmen sich in den Arm.

Es soll mehr werden als eine Zweckgemeinschaft, das Wappen der neuen SG vereint das Palatia-Blau mit dem VfB-Gelb. „Heute ist die Geburtsstunde eines neuen Vereins. Die Erinnerungen an beide Traditionsvereine wollen wir aber weitertragen. Wir haben mit der Fusion eine Verpflichtung übernommen“, sagt Knebel. Er steht am Kopf des neu gewählten Vorstandes. Neben Knebel wurden auch Diener, Jürgen Anton und Thomas Hartmann in das Gremium gewählt – alle einstimmig. Um 21.38 Uhr war schließlich auch diese Hürde genommen. „Ich sehe alle vier Vorstände gleichberechtigt“, sagt Knebel. „Weder ich noch meine Stellvertreter werden das Schiff auf dem Ozean führen können, dazu bedarf es der Unterstützung vieler Mitglieder.“ Und dann richtet er noch eine Botschaft an die Zweifler der Verschmelzung. „Wenn wir die Kritiker nicht zurückgewinnen sollten, dann wollen wir ihnen zeigen, dass es die richtige Entscheidung war. “

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