Böhl-Iggelheim
Gescheiterte Fusion von VfB und Palatia: Ein Scherbenhaufen
Die Nachwirkungen hallten bis in die Morgenstunden des Donnerstag nach. Um 3.30 Uhr telefonierte Michael Knebel noch. Der Vorsitzende des FC Palatia Böhl war aufgewühlt. Er war niedergeschlagen und erschüttert. Wenige Stunden zuvor hatten sich im Sportheim des VfB Iggelheim dramatische, fast schon tumultartige Szenen abgespielt. 129 Mitglieder des VfB waren gekommen, um über den Verschmelzungsvertrag mit dem FC Palatia Böhl abzustimmen. 101 stimmten dafür. Das genügte nicht. 103 hätten es sein müssen. 80 Prozent der anwesenden Mitglieder müssen den Statuten nach für die Fusion stimmen. „Das ist beschämend, grauenhaft“, polterte Edgar Hoffmann, der kommissarische Vorsitzende des VfB Iggelheim: „Das ist ein schwarzer Tag für den VfB.“
Es ist ein Rückschlag für ein Projekt, das beide Vereine in eine offenkundig erfolgreiche Zukunft geführt hätte. Ein Projekt, dessen Startschuss vor zehn Jahren war. 2012 entschieden sich nämlich die Mitglieder beider Vereine dafür, auszuloten, ob eine Vereinsfusion zu verwirklichen sei. Es begann verheißungsvoll. Seit 2013 spielen die „Alten Herren“ und seit 2016 die Jugendmannschaften unter dem Namen SG Böhl-Iggelheim. 250 Kinder vertreten die Farben der beiden Vereine, 30 Trainer betreuen sie. „Die Jugendspielgemeinschaft läuft wunderbar“, bestätigt Edgar Hoffmann, seit 2006 VfB-Vorsitzender.
Bürgermeister mit Tränen in den Augen
Seit ungefähr zwei Jahren beschäftigt sich ein paritätisch besetztes Team der beiden Vereine intensiv mit der Fusion beider Traditionsklubs aus dem Rhein-Pfalz-Kreis. Es wurden zahlreiche Gespräche geführt – auch mit Experten des Sportbundes Pfalz, des Südwestdeutschen Fußballverbandes, mit einem Notar. Es waren fruchtbare Unterredungen. Denn es gibt schon eine gute Basis der Zusammenarbeit. Neben den schon bestehenden Spielgemeinschaften schlüpften 2021 auch alle drei aktive Teams unter das Dach der SG Böhl-Iggelheim – eins in der A-, eins in der B- und eins in der C-Klasse.
Doch seit Mittwoch ist dieses Konstrukt durch das ablehnende Votum der VfB-Mitglieder stark ins Wanken geraten. „Wir haben zahlreiche empörte Rückmeldungen über das Abstimmungsergebnis von Eltern aus Iggelheim und Böhl bekommen, deren Kinder in der Jugend spielen“, sagt Michael Knebel. Seine Niedergeschlagenheit drehte sich dann am Donnerstag in eine vorsichtig optimistische Haltung. Denn bei der Versammlung des FC Palatia Böhl stimmten alle 76 Mitglieder für eine Fusion.
Auch wenn dieses Votum rechtlich ohne Verbindlichkeit ist, eine klare Botschaft geht davon doch aus. Bürgermeister Peter Christ (CDU) war bei beiden Abstimmungen gewesen. In Böhl hatte er während seiner Rede Tränen in den Augen, schildern Anwesende. Iggelheimer Spieler und Funktionäre ergriffen das Wort und hoffen, dass es mit der Spielgemeinschaft weitergeht. Es gibt AH- und aktive Spieler, die zu Palatia Böhl wechseln wollen. Einige Funktionäre des VfB Iggelheim erklärten sich bereit, sich künftig für Palatia zu engagieren.
Es gibt Auswege
Ganz ausweglos ist die aktuelle Situation nicht. Ganz unkompliziert allerdings auch nicht. Laut Benno Sefrin, der als Notar den Fusionsprozess begleitet, ist die Verschmelzung noch nicht gestorben. Sechs Monate blieben dem VfB Iggelheim nun, um in einer außerordentlich einberufenen Sitzung doch noch für eine Fusion zu stimmen.
Sollte das nicht geschehen, könnten zumindest auf den VfB Iggelheim stürmische Zeiten zukommen. Denn Edgar Hoffmann kandidiert nicht mehr für eine weitere Amtsperiode. Das betonte er zuletzt noch einmal. Doch ein Verein muss „vertretungsberechtigte Personen“ nachweisen. „Ohne diese könnte ein Klub nicht einmal einen Fußball kaufen“, sagt Falko Zink, Justiziar des Sportbundes Pfalz auf RHEINPFALZ-Nachfrage. Deshalb müsse der VfB Iggelheim einen neuen Vorstand wählen. „Scheitert das, dann wird vom Amtsgericht ein Notvorstand eingesetzt. Der versucht es noch einmal mit Neuwahlen“, sagt Zink. Sollte auch dann kein neuer, handlungsberechtigter Vorstand gefunden werden, droht die Löschung des Vereins.
Ein solches Szenario verstehen die Jugendlichen und Kinder der SG Böhl-Iggelheim nicht. Bei der Sitzung am Donnerstag in Böhl zitierte ein Vater seinen Sohn. Der hatte gesagt: „Papa, wir wollen doch bloß Fußball spielen.“