Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Umfrage: Was in den Kitas gut und schlecht läuft

Über die Hälfte des Personals hat in der Umfrage angegeben, „unzufrieden“ bis „sehr unzufrieden“ mit der Gesamtsituation in der
Über die Hälfte des Personals hat in der Umfrage angegeben, »unzufrieden« bis »sehr unzufrieden« mit der Gesamtsituation in der Kita zu sein.

Etwa 1500 Rückmeldungen hat der Kreiselternausschuss auf seine Stimmungsumfrage in den Kreis-Kitas bekommen und hat damit eine aussagekräftige Datenmenge in der Hand.

 Im Sommer haben der KEA-Vorsitzende Lukas Sebastian aus Mutterstadt und sein Stellvertreter Jens Rusterholz aus Bobenheim-Roxheim die Umfrage zum Stimmungsbild in den Kindertagesstätten im Kreis gestartet. Mit der Anzahl der Teilnehmer von knapp 1500 sind die beiden sehr zufrieden. Der Landeselternausschuss habe ihnen bestätigt, dass es die erfolgreichste Beteiligung unter allen bisherigen Umfragen der Kita-Elternvertreter in Rheinland-Pfalz gewesen sei.

Als die beiden ihre Ämter Anfang 2024 aufgenommen haben, merkten sie schnell, dass es keine verlässlichen Daten über die aktuelle Kita-Situation gab. Es fehlte an Transparenz, was letztlich auch die Arbeit als Elternvertreter beschränkte. Also starteten sie eine Online-Umfrage im Kreis, die sich an die Eltern mit Kindern im Kindergartenalter, das Kita-Personal und die Träger der Einrichtungen richtete. Dabei wurde unter anderem abgefragt, wie oft im Monat in den Kitas im Kreis Kinder nur notbetreut oder Betreuungszeiten gekürzt werden, wie und wann Eltern davon erfahren oder wie oft und welche pädagogischen Angebote aufgrund der Personalsituation wegfallen müssen. Ebenso sollte mit der Umfrage herausgefunden werden, ob der Betreuungsbedarf der Eltern für ihre Kinder tatsächlich bedarfsgerecht ist oder wie die Kommunen auf ein Kitaplatz-Defizit reagieren. Und wie behilflich sind die Behörden und Ämter?

Mehr zum Thema

Die Umfrageergebnisse wurden im Internet veröffentlicht.
Rhein-Pfalz-Kreis

RHEINPFALZ Plus Artikel
Welche Schlüsse der Elternausschuss aus der Umfrage zieht

Schlusslicht ist Mutterstadt

Nun liegen die Ergebnisse vor, für die sich die beiden sehr viel Zeit genommen haben. Zum Zeitpunkt der Umfrage standen laut  Kita-Bedarfsplan des Rhein-Pfalz-Kreises (Stand 1. September 2023) 7917 Kita-Plätze in 103 Einrichtungen im Kreis zur Verfügung. Davon waren 7286 Kinder zwei Jahre alt und älter, und 455 Plätze waren sogenannte Schulkindplätze (zum Beispiel Hortplätze). Ausgewertet wurden die Rückmeldungen von genau 1497 Personen, davon waren 1269 Personen Eltern (etwa 85 Prozent). Von den 103 Einrichtungen haben 44 Leiter und Leiterinnen mitgemacht, „was wirklich eine gute Rückmeldezahl ist“, betont Jens Rusterholz. Bei der Auswertung wurden die Verbandsgemeinden zusammengefasst, verbandsfreie Kommunen einzeln aufgelistet. Zudem wurde in Themenfeldern ausgewertet (siehe „Zur Sache“). In den einzelnen Themenfeldern wurde kategorisiert, zum Beispiel nach den Gruppen (Eltern, Personal, Leitung, Träger) nach Trägern (katholisch, evangelisch, kommunal) und nach Kommunen beziehungsweise Verbandsgemeinden.

Die Auswertung sei statistisch nicht die absolut reine Lehre, sagen beide. Aussagekräftig sei sie aber schon.  So wurde festgestellt, dass in den Kommunen, in denen der Kita-Platz-Fehlbedarf im Kita-Bedarfsplan des Kreises am geringsten war, auch die Rückmeldungen in der Umfrage positiv waren. Lukas Sebastian nennt Großniedesheim, Waldsee, Otterstadt und die Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim als positive Beispiele. „Das heißt, dort gab es die wenigsten Kürzungen der Betreuungszeiten oder der pädagogischen Angebote“, erläutert Jens Rusterholz. Auffällig war auch, dass etwa die Hälfte der Eltern angegeben hat, dass sie mit der Gesamtsituation in der Kita „zufrieden“ bis „sehr zufrieden“ ist. Hingegen ist über die Hälfte des befragten Personals „unzufrieden“ bis „sehr unzufrieden“. „Spitzenreiter in fast allen Kategorien war die Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim, Mutterstadt war in der Gesamtwertung das Schlusslicht. Auch die Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim schneidet oft schlecht ab“, erläutert Lukas Sebastian. Sehr rege wurde von den Befragten die Möglichkeit genutzt, in einem Textfeld dem KEA ihre Erfahrungen zu schildern – über 300 solcher Kommentare wurde abgegeben und sind ebenfalls in einer separaten Auswertung nachzulesen.

Kaum Reaktionen aus der Politik

„Überrascht haben die Ergebnisse nicht“, sagt Jens Rusterholz, „letztlich hat sich nun schwarz auf weiß bestätigt, womit wir gerechnet haben.“ Es müsse dringend etwas getan werden, denn der langfristige volkswirtschaftliche Schaden bei einer unzureichenden Kita-Betreuung sei enorm. Der Fachkräftemangel werde verstärkt und es wirke sich langfristig auf die sogenannte Bildungsrendite aus. Diesen Begriff haben nicht die beiden erfunden. Er wird bereits von Volkswirtschaftlern statistisch erfasst.

Der KEA hat seine Auswertung weit gestreut: an die Träger, die Leitungen, die Landtagsabgeordneten, die Bürgermeister und natürlich auch an die Kreisverwaltung. Rückmeldungen habe es leider sehr wenige gegeben. Immerhin: „Das Jugendamt hat uns auf dem Schirm“, sagen sie. „Die Kreisverwaltung begrüßt die Initiative des KEA und bedankt sich bei den vielen Freiwilligen für ihre Arbeit, die in diese Erhebung geflossen ist“, lässt die Verwaltung über die Pressestelle auf RHEINPFALZ-Nachfrage verlauten. Man wolle nun die Ergebnisse der Umfrage in den halbjährlichen Bedarfsplanungsrunden aller Kreisgemeinden einfließen lassen.

Jens Rusterholz und Lukas Sebastian betonen: „Wir wollen alle das Gleiche, und wir vom KEA wollen mit allen zusammenarbeiten.“ Sie hoffen, dass ihre Umfrage die notwendigen Veränderungen zur Verbesserung der Kita-Situation im Rhein-Pfalz-Kreis herbeiführt. Und sie wünschen sich, dass mehr Eltern Interesse zeigen und den KEA unterstützen. Insbesondere die aufwendige Auswertung habe viel Zeit beansprucht. „Das Amt ist mittlerweile zum Vollzeit-Ehrenamt neben unseren Jobs geworden“, geben beide zu. Aber es habe sich gelohnt.

Noch Fragen?

Die Auswertungen sind unter https://kea-rheinpfalz.de/umfrage/ einsehbar.

x