Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Bitte klicken: Kreiselternausschuss startet Kita-Zufriedenheits-Umfrage

Der Elternausschuss bittet um Mithilfe, indem Eltern im Kreis sich an der Umfrage beteiligen.
Der Elternausschuss bittet um Mithilfe, indem Eltern im Kreis sich an der Umfrage beteiligen.

Wie steht es um die Betreuung der Kita-Kinder im Rhein-Pfalz-Kreis? Diese Frage kann derzeit niemand genau beantworten, dann dafür fehlen belastbare Daten und Aussagen der Betroffenen, sagt der Kreiselternausschuss. Und genau das soll nun geändert werden – mit einer Umfrage, die sich an Eltern, Personal und Träger richtet.

Seit Anfang des Jahres gehören Lukas Sebastian aus Mutterstadt und Jens Rusterholz aus Bobenheim-Roxheim dem Kreiselternausschuss (KEA) an, Sebastian als Vorsitzender und Rusterholz als sein Vertreter. Zuvor engagierten sie sich in den Elternausschüssen der Kitas ihrer Kinder, merkten aber schnell, dass dort zwar auf der jeweiligen Kita-Ebene durchaus etwas erreicht werden könne, aber wenig Grundsätzliches – etwa Veränderungen bei der Bedarfsplanung des Rhein-Pfalz-Kreises, die wesentlich für das Betreuungsangebot im Landkreis ist.

Die Elternvertreter stellten fest: „Es fehlt an Transparenz“. Transparenz etwa darüber, in welchen Kitas im Kreis wie oft im Monat Kinder nur notbetreut oder Betreuungszeiten gekürzt werden, oder wie oft und welche pädagogischen Angebote aufgrund der Personalsituation wegfallen müssen. Auch sei unklar, welchen Betreuungsbedarf Eltern tatsächlich für ihre Kinder benötigen: Ist das Betreuungsangebot auch bedarfsgerecht? Haben Eltern einen adäquaten Platz für ihre Kinder bekommen? Und wenn ja, wie verlässlich ist die Kinderbetreuung in der Realität? Wie viele Eltern können auf Alternativen im privaten Umfeld zurückgreifen? Wie wird in den Kommunen auf ein Kitaplatz-Defizit mit dem Ausbau reagiert? Und wie behilflich sind die Behörden und Ämter? Aber auch die Sicht der Erzieher und Erzieherinnen, der Kita-Leitung und Träger zur Situation werde oft nur punktuell publik, etwa wenn über Probleme in einer Kita in einer Kommune berichtet werde.

Korrektes Bild vom Zustand

Doch all diese Informationen sind aus Sicht von Lukas Sebastian und Jens Rusterholz notwendig, um ein korrektes Bild vom Zustand der Kita-Betreuung im Kreis zu erhalten. „Nur so können auch die jeweiligen politischen Entscheidungen getroffen werden“, sagt die KEA-Vorsitzenden. Kritisch sehen sie vor allem den alljährlichen Kita-Bedarfsplan des Kreises. So werde dieser zum Beispiel anhand statistischer Parameter erstellt, ohne die Familien zu befragen, und die Entwicklung des Defizits an Kita-Plätzen werde nicht über mehrere Jahre hinweg verglichen. Das habe zur Folge, dass die politischen Entscheidungsträger im Kreis keinen reellen Eindruck von der tatsächlichen Lage, etwa hinsichtlich der Entwicklung des Fehlbedarfs in den vergangenen Jahren, im Kreis bekommen würden. So bleibt zum Beispiel offen, ob die beschlossenen Maßnahmen auch Wirkung zeigen oder eine positive Entwicklung bei der Umsetzung des neuen Kita-Gesetzes erkennbar ist.

Als Lukas Sebastian und Jens Rusterholz ihre Ämter übernommen haben, haben sie schnell gemerkt, dass ohne solche Daten auch ihr Handeln eingeschränkt ist. Die Idee zur Umfrage sei aber nicht neu, auch andere Landkreise haben schon auf diese Weise die Lage in den Kitas abgefragt. „Der KEA Südliche Weinstraße hat bei einer Versammlung des Landeselternausschusses Anfang des Jahres eine solche Umfrage vorgestellt“, erzählt Jens Rusterholz – und sie war genau das, was die Elternvertreter hier benötigten. In einigen Punkten haben sie die Umfrage etwas abgeändert oder verfeinert. Und damit diese auch die Menschen erreicht, für die sie bestimmt ist, musste Werbung gemacht werden: Alle nötigen Infos samt Link wurden an die Presse, an Amtsblätter und über die E-Mail-Verteiler an die Elternvertretungen und Kita-Leitungen weitergegeben. Und natürlich wurde auch über die sozialen Medien ordentlich die Werbetrommel gerührt. Lukas Sebastian und Jens Rusterholz wissen aber auch, Umfragen können den einen oder anderen abschrecken. Darum haben sie diese bewusst kurzweilig gehalten: „In drei bis fünf Minuten ist man durch“, verspricht Jens Rusterholz.

Die Lobby der Kinder

Der KEA ist die gewählte Vertretung der Elternausschüsse der rund 100 Kindertagesstätten mit über 7000 Kita-Kindern im Rhein-Pfalz-Kreis. „Die Kinder haben eigentlich nur uns Eltern als Lobby, das ist auch manchen Eltern nicht bewusst“, sagt Lukas Sebastian. Etwa 1200 Rückmeldungen konnten die beiden schon verzeichnen. Und daraus konnte auch schon eine erste Tendenz abgelesen werden: „Etwa die Hälfte berichtete, dass mindestens einmal im Monat in ihren Kitas nur eine Notbetreuung angeboten werden konnte“, berichtet der Vorsitzende. Und auch die Möglichkeit, in einem Freitextfeld mitzuteilen, was einem in der Sache auf dem Herzen liegt, hätten schon jetzt sehr viele Teilnehmenden genutzt. Beide hoffen auf 3000 bis 4000 Antworten. „Das wäre sehr gut und eine gute Datenbasis“, sagt Jens Rusterholz. „Die Kinder können nicht für sich sprechen“, gibt Lukas Sebastian zu bedenken und appelliert an alle Betroffenen und Beteiligten, sich an der Umfrage zu beteiligen.

Noch bis zum 8. September kann man online auf der Homepage des KEA die Umfrage ausfüllen. Danach beginnt die eigentliche Arbeit für die Elternvertreter – dann müssen all die Daten ausgewertet werden. „Das Ergebnis möchten wir gern in der kommenden Sitzung des Jugendhilfeausschusses vorstellen oder auf andere Weise den Ausschussmitgliedern zur Verfügung stellen“, sagt der Vorsitzende in der Hoffnung, dass dies auf Interesse stößt. Es könne ja auch sein, dass mit der Umfrage ein größeres Ausmaß an Mängeln aufgezeigt wird, als eh schon bekannt sei. „Es muss aber etwas geschehen“, sagt Jens Rusterholz. Der Sparkurs in Sachen Bildung könne so nicht weitergehen: „Es ist volkswirtschaftlich erwiesen, dass eine Investition in die Bildung den besten Zins bringt.“

Noch Fragen?

Die Umfrage kann über den Link https://umfrage.kea-rheinpfalz.de abgerufen und ausgefüllt werden.

Lukas Sebastian (links) und Jens Rusterholz
Lukas Sebastian (links) und Jens Rusterholz
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