Mutterstadt / Neustadt / Berlin
„Uffbasse!“: Klaus Geis präsentiert neues Palatia-Spiel
Klaus Geis hat Bauchschmerzen. Der Spieleautor aus Mutterstadt und Inhaber des Verlags Palatia Spiele hält sich scheinbar verzweifelt die Hand vor den Bauch. Aber er lacht. Also Entwarnung. Keine Gefahr im Verzug. Der Notarzt muss nicht gerufen werden. Das wäre ja auch noch schöner an so einem Tag.
Nein, Klaus Geis simuliert Geburtswehen. Gut, als Mann gelingt einem das eher solala, aber es ist ja auch eher symbolisch gemeint. Denn schließlich hat der Anlass, zu dem gut 140 Menschen im evangelischen Gemeindezentrum in Böhl-Iggelheim zusammengekommen sind, nichts mit Schmerzen zu tun. Auch wenn die Veranstaltung „Wehenparty“ heißt.
Viel Pfalzbezug
Das „Kind“, das auf die Welt gebracht wird, ist das neue Spiel, das Geis’ Verlag herausbringt. Selbstverständlich ist es ein Spiel mit viel Pfalzbezug, selbstverständlich ist es ein Stichkartenspiel. Allerdings ist diesmal etwas anders: Autor ist nicht Geis selbst, wie bei „Ebbes“ und „Dubbe“. Das Spiel „Uffbasse“ stammt aus der Feder des Berliners Olaf Hartmann.
„Es ist ein besonderer Tag. Das ist mit Abstand das größte Projekt, das ich gemacht habe“, sagt Geis – mit grünem Würfel als Ohrschmuck – zwischen zwei Wehen. Für Olaf Hartmann war die Entstehungsphase „eine spannende Zeit“. Die begann für ihn schon vor 20 Jahren. Dann habe er das Projekt allerdings nicht mehr weiterverfolgt. Bis zum Zusammentreffen mit Geis. Es gab auch noch einen Dritten im Bunde: Der Neustadter Zeichner, Cartoonist und Verleger Steffen Boiselle (100% Pälzer, Agiro-Verlag) hat dem Spiel dessen optisches Erscheinungsbild verpasst.
Über 400 Geburtshelfer
Die Anschubfinanzierung für das Projekt kam schon traditionell über Crowdfunding. Bei Klaus Geis sind das die Geburtshelfer. Über 400 hat er nach eigenen Angaben für „Uffbasse!“ begeistern können. Für sie gibt es nach erfolgreicher Geburt das Spiel in einer Sonderedition.
Olaf Hartmann wirkt zufrieden. Als die letzten Wehen bei Klaus Geis überstanden sind, ein extra von der KI für das Spiel geschriebenes Lied geschmettert ist, wird das „Kind“ den Geburtshelfern präsentiert. „Mir geht’s gut“, sagt Hartmann wenig später im RHEINPFALZ-Gespräch. Einen richtigen Bezug zur Pfalz habe er vorher nicht gehabt. „Aber ich hatte selbstverständlich schon gehört, dass Helmut Kohl gerne Saumagen gegessen hat“, erzählt er. Jetzt wisse er ein bisschen mehr. Und jetzt verstehe er auch den Dialekt etwas besser.
Lange Anlaufzeit
Im Mai 2023 ging es richtig los mit der Umsetzung. „In meiner Spielegruppe in Berlin haben wir immer wieder daran gefeilt“, berichtet Hartmann. Am Ende sei die Entstehung von „Uffbasse!“ doch aufwendiger gewesen als gedacht. „Die erste Idee hatten Olaf und ich“, ergänzt Klaus Geis. Dann seien noch die Jungs von 4 PS dazugekommen. 4 PS, das ist ein Zusammenschluss von vier Pfälzer Spieleautoren, zu denen neben Geis auch Manfred Keller (Sulzbachtal, „BSSSZ“), Fabian Zimmermann (Kaiserslautern, „Tiefe Taschen“) und Werner Schmitt (Kaiserslautern, „Kabaal“) gehören. Auch sie hätten regelmäßig Ideen geliefert, wie man „Uffbasse!“ noch besser machen könne. „Ich würde das Projekt sofort wieder so machen“, betont Geis. Bei „Ebbes“ sei er noch viel unbedarfter gewesen. „Inzwischen habe ich mehr Erfahrung, bin auch in der Szene bekannter. Das versuche ich zu nutzen“, sagt der Spiele-Autor und -Verleger.
Für Steffen Boiselle war es die erste Arbeit an einem Gesellschaftsspiel. „Da musste ich mich erstmal reindenken. Spieleleute sind irgendwie wie Buchautoren. Die haben bestimmte Gedanken im Kopf, und denen muss man dann hinterherspringen“, meint er und grinst. „Und dann die eine oder andere Abzweigung nehmen.“ Er habe viele Ideen zu dem Spiel gehabt, auch einen Spielplan im Rohentwurf gezeichnet. Dieser hat’s dann aber nicht in die Schachtel geschafft. „Da kommt dann die Realität“, sagt er.
Gute Kooperation
Mindestens genauso wichtig wie Boiselles künstlerische Arbeit war allerdings, dass er schon eine ganze Palette von Merchandisingprodukten zu „Uffbasse!“ auf Lager hatte. Flaschenöffner, Aufkleber, Dubbegläser – alle mit dem markanten weißen Schriftzug auf rotem Grund „Uffbasse!“ Boiselles Credo „Kooperieren ist besser als konkurrieren“ fand bei Klaus Geis auch fruchtbaren Boden.
„Wir haben immer wieder diskutiert. Aber das Grundprinzip des Spiels ist erhalten geblieben“, sagt Olaf Hartmann. Seine Anspielung auf den Saumagen kommt nicht von ungefähr. Bei dem Spiel muss man auf dem Markt Zutaten für die bekanntesten Pfälzer Gerichte besorgen. Das passiert über Kartenstiche. Der Haken bei der Sache: Die Trumpffarbe kann von Runde zu Runde wechseln. Ein Grundverständnis für Stichkartenspiele, zum Beispiel Skat, hilft. Eine gute Portion Glück schadet aber auch nicht.
Nach den überstandenen Wehen wird das neue „Kind“ gleich auf Herz und Niedern getestet. Immer wieder schallt ein lautes „Uffbasse!“ durch das evangelische Gemeindezentrum. Was es damit auf sich hat? Das wird hier nicht verraten. Ab Anfang Mai ist das Spiel über den Onlineshop von Palatia Spiele zu bekommen. Die erste Auflage umfasst 3000 Stück, sagt Geis. Das nächste große Ziel steht in einem halben Jahr an: Dann präsentiert er „Uffbasse!“ auf der Spielemesse in Essen.