Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Zehn Jahre „Ebbes“: Spieleautor Klaus Geis bekommt immer noch Gänsehaut

Vor zehn Jahren ist Klaus Geis mit „Ebbes“ an den Start gegangen. Mittlerweile hat er rund 10.000 Spiele verkauft – inklusive de
Vor zehn Jahren ist Klaus Geis mit »Ebbes« an den Start gegangen. Mittlerweile hat er rund 10.000 Spiele verkauft – inklusive dem Nachfolger »Dubbe«.

Leute im Landkreis: Vor zehn Jahren hat Klaus Geis sein Stich-Kartenspiel „Ebbes“ auf den Markt gebracht. Dann passierten „viele geile Sachen“. Mittlerweile ist der „Pfälzer durch und durch“ etabliert in der Spieleszene und bringt auch Spiele anderer Autoren raus. Dabei verliert er seine eigenen Ideen nicht aus dem Blick.

Klaus Geis hat sich im Vergleich zum ersten Treffen vor zehn Jahren äußerlich kaum verändert. Noch immer hat man den Eindruck, der Schalk sitzt ihm im Nacken. Noch immer ist er voller Begeisterung, wenn er in die Welt der Spiele abtaucht. Dann blitzen die wachen Augen hinter den Brillengläsern auf. Vor zehn Jahren ging er mit seinem Spiel „Ebbes“ an den Start. Und was seit damals passiert ist, jage ihm immer noch regelmäßig eine Gänsehaut über den Rücken, erzählt er. „Es sind so viele geile Sachen passiert. Das hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können.“ Da kommt es wieder, dieses sympathische Lachen. Auch das hat sich der mittlerweile 63-Jährige bewahrt.

Der Weg hin zu seinem ersten „Kind“ war etwas steinig. Sein bester Freund sei der Antreiber gewesen. „Er hat immer gesagt: Das Spiel muss auf den Markt“, erzählt Klaus Geis, der inzwischen von Limburgerhof nach Mutterstadt umgezogen ist. Von Verlagen habe er seinerzeit erst mal nur Absagen bekommen. „Irgendwann war ich dann bei einem Spieleentwicklerseminar. Und da ist die Lawine losgetreten worden“, erinnert sich Geis.

Ernüchterung nach Flash

Seminarleiter war nämlich Christwart Conrad, selbst als Autor des Spiels „Pfeffersäcke“ kein Unbekannter in der Spielewelt. Er habe „Ebbes“ so gut gefunden, dass er für Geis als Agent habe auftreten und einen Verlag finden wollen. „Da war ich erst mal völlig geflasht.“

Etwas Ernüchterung kam dann in Form von Spiele-Redakteur und Spiele-Verleger Ralph Bruhn. Der habe ihn darauf aufmerksam gemacht, dass „Ebbes“ wohl nicht mehr in dem von Geis vorgesehenen Gewand auf den Markt komme, einige Änderungen vorgenommen würden, wenn es bei einem der größeren Verlage lande. „Aber das wollte ich nicht“, sagt Geis.

Ein Verlag für 13,75 Euro

Für ihn war klar, dass der Name bleiben sollte. Und auch die Sprache sollte nicht verändert werden. In der Nische mit Stich-Kartenspielen auf Pfälzisch fühlt er sich eben pudelwohl. Die Lösung, wie das alles zu bewerkstelligen war, war denkbar einfach: „Ich bin auf die Gemeinde gegangen, habe 13,75 Euro gezahlt und hatte auf einmal einen Spieleverlag als Nebenerwerb“, erzählt Geis. Der Name dafür war schnell gefunden und auch nur logisch: Palatia Spiele. „Ich bin eben Pfälzer durch und durch“, betont Geis.

Doch gleich nach der Verlagsgründung kamen auch die ersten Fragen auf: Wo soll produziert werden? Wie geht das alles? Was kostet es? Die erste Auflage von „Ebbes“ umfasste 2500 Exemplare. 25.000 bis 30.000 Euro Kosten seien da auf ihn zugekommen, sagt der Mutterstadter. „Aus Sicht der großen Verlage ist das natürlich wenig. Aber für mich war das schon ein Brett.“

Starkes soziales Netzwerk in der echten Welt

Auch ums Marketing musste er sich selbst kümmern. Und da vertraute er auf sein soziales Netzwerk. Allerdings nicht im Internet, sondern in der realen Welt. Das hat funktioniert. Im Handumdrehen hatte er knapp 300 „Geburtshelfer“ beisammen – begeisterte Spieler, Freunde und Bekannte, die ihn auch zum Start finanziell unterstützt haben. Wer ihm 20 Euro gegeben hat, hat ein Spiel bekommen. Auch Eintrittskarten für die Spielemesse wurden verlost. Von diesem System rückt er auch nicht mehr ab.

„Das hätte ich nie gedacht. Die Leute waren voll dabei“, erinnert sich Klaus Geis. Mit einem Versprechen allerdings habe er sich verkalkuliert: „Ich habe gesagt, dass ich im Umkreis von 20 Kilometern zu den Geburtshelfern komme und persönlich die Regeln erkläre. Ich war ein Jahr lang unterwegs“, erzählt er und lacht herzhaft.

Eigener Name auf der Schachtel ein tolles Gefühl

Es sei ein tolles Gefühl gewesen, als der eigene Name auf der Schachtel eines Spiels gestanden habe. Der Name „Ebbes“ hat sich übrigens auch ganz logisch ergeben: „Ich bin abends dagesessen und dachte: Eine Farbe ist Trumpf, eine Farbe ist plus, eine minus, und die vierte ist halt irgendwas, also ebbes.“ Erst später habe er erkannt, was man mit einem der beliebtesten Pfälzer Ausdrücke alles machen kann – auch unter Marketinggesichtspunkten.

Mit einem ganzen Reisebus an Helfern sei er im Premierenjahr 2013 zur Spielemesse nach Essen gefahren. „Die haben sich extra Ebbes-T-Shirts drucken lassen und auch noch die Standnummer drauf gehabt. Das war eine super Werbung. Innerhalb von drei Stunden hatten sie ein paar Tausend Flyer an die Besucher verteilt.“

Erste Auflage schnell ausverkauft

Die erste Auflage sei nach drei Monaten ausverkauft gewesen. Die Kunden seien restlos begeistert gewesen: „Endlich mal was abseits vom Mainstream, witzig, ein gutes Kartenspiel, nicht immer nur der Einheitsbrei“, erzählt er von den Meinungen der Kunden, die sich bei ihm gemeldet haben.

Jetzt, zehn Jahre nach Erscheinen der Erstauflage, geht „Ebbes“ in die vierte Auflage – und ist auch im Ausland sehr beliebt. Alleine 600 Exemplare habe er nach Japan verkauft, berichtet er mit hörbarem Stolz. Auch in die USA sind etliche Exemplare verschickt worden. „Und in Europa habe ich fast jedes Land bedient.“ Demnächst lernt man auch in Südkorea Elwetritsche, Grumbeere, Därgem, Zweebrigge und das Dabbscheedel-Feld kennen. Aber klar: Das Gros der Spiele ist in der Pfalz über die Ladentheke gegangen oder verschickt worden.

Plastikbox mit etlichen Erinnerungsstücken

Klaus Geis verschwindet kurz grinsend in seinem Haus und kommt noch breiter grinsend mit einer sehr vollen Plastikbox zurück. Etliche Erinnerungsstücke hat er darin aufbewahrt. Unter anderem das Ur-Ebbes. Das war ein ganz normales Kartenspiel mit vier Farben. Spielsteine dazu – fertig. Die Weiterentwicklung war dann schon etwas mit mehr Glitzer und blau sowie für drei bis fünf Spieler. Er zeigt einige der frühen Spielkarten. „An der Elwetritsche habe ich etwas länger arbeiten müssen, bis die mir gefallen hat.“

Dass Geis Stich-Kartenspiele herausbringt, ist ebenfalls logisch, wenn man seine Spielerkarriere betrachtet. Er bezeichnet sich selbst als leidenschaftlichen Kartenspieler. Der Onkel habe ihn zum Kartenspielen gebracht – erst Mau-Mau, dann 66 und Skat. Letzteres findet er mittlerweile aber „stinklangweilig. Doppelkopf ist besser“, behauptet er im Brustton der Überzeugung.

Persönliche Erfolgsgeschichte

„Ebbes“ – das ist mittlerweile die persönliche Erfolgsgeschichte von Klaus Geis. 10.000 Spiele hat er mittlerweile verkauft, den Nachfolger „Dubbe“ (Mit Donald Trump als „Aagewwer“ und in einem Spielekarton, der einem Dubbeglas nachempfunden ist) mit eingerechnet. 300 bis 400 Spiele verkauft er pro Jahr. „Für einen Ein-Mann-Betrieb ist das schon irre.“ Jetzt steige sein Sohn langsam mit ein. „Da kann ich mich um die Entwicklung kümmern.“

An neuen Ideen scheitert es nicht. Gerade arbeitet er daran, das Spiel eines Berliner Autors zu verlegen. „Uffbasse“ soll es heißen. Und selbstverständlich soll auch wieder alles auf Pfälzisch sein. „Das war die Bedingung“, erzählt Geis und grinst. Auch mit einigen Spieleautoren aus der Westpfalz hat er sich zusammengetan, will deren Werke herausbringen. „Ich kann mich vor Arbeit nicht retten“, sagt er. Und dann hat er ja auch noch Ideen für eigene Spiele. Sein nächstes Werk firmiert aktuell unter dem Titel „Kumm, geh ford“. Selbstverständlich wird auch das wieder ein Stich-Kartenspiel. „Ebbes“ geht eben immer beim Mutterstadter.

Das Ur-Ebbes: ein normales Kartenspiel mit vier Farben und vier Spielsteinen.
Das Ur-Ebbes: ein normales Kartenspiel mit vier Farben und vier Spielsteinen.
Der nächste Schritt in der Ebbes-Evolution: ganz in blau und mit viel Glitzer.
Der nächste Schritt in der Ebbes-Evolution: ganz in blau und mit viel Glitzer.
Einer der Ebbes-Prototypen mit Zeichnungen von Hand.
Einer der Ebbes-Prototypen mit Zeichnungen von Hand.
Ein Spiel aus der ersten Auflage für einen der Geburtshelfer.
Ein Spiel aus der ersten Auflage für einen der Geburtshelfer.
Mit der Elwetritsche war Klaus Geis lange nicht zufrieden.
Mit der Elwetritsche war Klaus Geis lange nicht zufrieden.
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