Mutterstadt / Neustadt
Für das Spiel „Uffbasse“ arbeiten zwei Pfälzer und ein Berliner zusammen
„Uffbasse“ – das ist in der Pfalz nicht nur einer der beliebtesten Aussprüche im Dialekt. Für Steffen Boiselle, Chef des Neustadter Agiro-Verlags, ist es auch ein Glücksgriff. Sein weißer Schriftzug auf rotem Grund ist einer der Verkaufsschlager seines Sortiments, sei es auf Aufklebern, Flaschenöffnern oder Dubbegläsern.
Da war es am Ende nur logisch und folgerichtig, dass der Neustadter Boiselle und der Mutterstadter Klaus Geis zusammengefunden haben. „Was mir sofort gut gefallen hat, war Steffens Einstellung: Kooperieren ist besser als konkurrieren“, erzählt Geis. Als Bonus kommt hinzu, dass die Merchandising-Artikel zu dem Spiel schon vorhanden sind.
Boiselle, der „Un-Spieler“
Das Treffen der beiden findet in den Verlagsräumen von Boiselle in Neustadt statt. Der Cartoonist und Zeichner, unter anderem auch in der RHEINPFALZ am SONNTAG bekannt durch 100% Pälzer, outet sich mit einem verschmitzten Lächeln als „kompletter Un-Spieler“. „Uffbasse“ wird das erste Spiel, das er illustriert. Da ist er sich ziemlich sicher. „Ich weiß es nicht mehr sicher, aber es müsste das erste Spiel sein.“
Klaus Geis, selbst Autor der Spiele „Ebbes“ und „Dubbe“, holt ein paar Blätter aus seiner Tasche. Und auch Boiselle ist nicht unvorbereitet. Er hat schon mal ein paar Marktszenen skizziert. Denn der Markt ist bei „Uffbasse“ eins der zentralen Elemente. Die Spieler müssen Zutaten für Pfälzer Gerichte kaufen und diese dann auch kochen.
Spielplan im A4-Format
Dafür braucht es auf dem Spielplan Marktstände in fünf Farben. Der Spielplan selbst soll im A4-Format daherkommen. Aus seinen bisherigen Erfahrungen weiß Klaus Geis, was bei der Farbgebung wichtig ist: „Die Farbkontraste sind von großer Bedeutung.“ Ein dunkles Rot und dazu vielleicht noch ein Braunton, da geht der Spielspaß schnell verloren. Und: „Schrift und Zahlen sollen in ausreichender Größe aufgedruckt sein.“
Steffen Boiselle ist – wie immer – ganz entspannt. „Ich lasse mir sagen, was er haben will, und dann mache ich das“, erläutert er. Er versuche, sich in Geis’ Kopf reinzudenken. „Eine schöne Illustration ist möglichst einfach.“ Die Marktszene auf dem Spielbrett könne er wuselig machen, aber auch weniger Leute malen. „Eine einfache, saubere Grafik wird es.“
Boiselle malt auch die Gerichte, die mit den Zutaten, die auf dem Markt gekauft werden, gekocht werden sollen. Griesknepp mit Quedschekompott, Keschdesupp, Gequellde midd weiße Kees, Kerscheblozzer, Wegg, Worschd unn Woi, Schiefer Sack – Boiselle kann sich da so richtig austoben. Auch hier ist wichtig, dass die Bilder die Karten, auf die sie gedruckt werden, gut ausfüllen und nicht zu klein daherkommen.
Boiselle ist quasi die Ruhe selbst. Da sei keine unlösbare Aufgabe dabei. Ein bisschen knifflig wird’s als Klaus Geis seinen nächsten Punkt anspricht. Denn die Farbpunkte auf den Rezepten, die für die Zutaten stehen, müssen mit den Karten korrespondieren und sollen auch für Farbenblinde zu unterscheiden sein. In den Ecken der Karten soll das über verschiedene Symbole zu unterscheiden sein. Boiselles kreatives Zentrum im Gehirn fängt an zu arbeiten, und nach ein paar Minuten hat er die ersten Symbole auf ein gelbes Blatt gezeichnet, quasi optisches Brainstorming.
Beschriftung „uff Pälzisch“
Am Ende soll es zehn kleine, acht mittlere und sechs Top-Gerichte in dem Spiel geben. Und ja: „Wenn was uff de Kaarde steht, dann uff Pälzisch“, betont Geis. So war es bei den beiden Spielen, die er selbst als Autor rausgebracht hat. Und so wird es auch bei „Uffbasse“ sein. Das stammt allerdings aus der Feder des Berliners Olaf Hartmann. Dieser ist bei dem Treffen per Videoanruf dabei.
Er outet sich als „eigentlich nicht sehr fremdsprachenaffin“. Ein paar Begriffe aus dem Pfälzischen habe er mittlerweile kennengelernt. Ebbes und uffbasse, zum Beispiel. „Aber verstehen tue ich schon mehr“, sagt er und lacht.
Den Begriff uffbasse habe er zum Beispiel nicht gekannt. „Aber ich hab’s gleich verstanden. Klaus hatte einen von Steffens Flaschenöffner bei einem Besuch in Berlin dabei. Das hat gepasst. Es war einfach stimmig“, sagt Olaf Hartmann.
Rohentwurf Jahre im Schrank
Auf einem Spielentwicklerseminar haben sich Geis und Hartmann kennengelernt. Der Rohentwurf zu „Uffbasse“ schlummerte da schon ein paar Jahre bei Hartmann im Schrank. „Die erste Idee ist etwa 20 Jahre alt“, sagt der Berliner. Zwischenzeitlich habe er es nicht mehr weiterverfolgt. „Und ohne Klaus hätte ich es wohl nicht selbst rausgebracht.“ Vom Spielsystem sei er aber immer noch überzeugt.
Auch Klaus Geis ist von „Uffbasse“ angetan. „Von der Spielsystematik passt es gut in die Reihe von ,Ebbes’ und ,Dubbe’. Es lebt von der Unberechenbarkeit, von wechselnden Trumpffarben“, sagt er. Also ein Spiel, bei dem man ständig auf der Hut sein muss, wenn es die richtigen Karten und die richtigen Zutaten geht. Uffbasse, eben.
Für Olaf Hartmann ist es das erste Spiel aus seiner Feder, das auf den Markt kommt. „Ich habe einige Prototypen bei mir im Schrank. Ich habe es auch schon bei einigen Verlagen versucht. Aber an der einen oder anderen Stelle hat es immer gehakt“, sagt der Berliner. Und dann sei er auch beruflich sehr gut eingespannt gewesen und habe es nicht weiter verfolgt. Doch zumindest in „Uffbasse“ kommt jetzt Bewegung. Um es Anfang Oktober auf der Spielemesse in Essen zu präsentieren, dafür reicht die Zeit nicht mehr. Aber im nächsten Jahr will die Pfälzer-Berliner Kombination auf jeden Fall in der Messe am Grugapark am Start sein.