Waldsee / Schifferstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Trinkwasserhauptleitung: Das Leck wird geschlossen

Der Lückenschluss: Am Mittwochnachmittag setzen Bauarbeiter das letzte Teil der neuen Trinkwasserhauptleitung ein.
Der Lückenschluss: Am Mittwochnachmittag setzen Bauarbeiter das letzte Teil der neuen Trinkwasserhauptleitung ein.

In Waldsee hat vor einem Monat der Bruch der Trinkwasserhauptleitung für Aufsehen gesorgt. Die ganze Gemeinde war für ein paar Stunden ohne Wasser. Zurzeit laufen die Bauarbeiten zur Erneuerung des defekten Rohrs. Wie geht es auf der Baustelle voran? Und wie funktioniert eigentlich unsere Trinkwasserversorgung? Ein Verantwortlicher gibt Auskunft.

Der Zeitpunkt hätte nicht besser sein können: Wie es der Zufall will, bauen die Mitarbeiter des Infrastrukturbau-Unternehmens Eiffage Infra-Südwest (Alzey) am Mittwochnachmittag just in dem Moment das letzte Teilstück der neuen Trinkwasserhauptleitung ein, als die RHEINPFALZ mit Wolfgang Engler auf der Baustelle vor Ort ist. Der Diplom-Ingenieur ist Werkleiter des Zweckverbands für Wasserversorgung Pfälzische Mittelrheingruppe mit Sitz in Schifferstadt. Der Verband verzeichnete vor vier Wochen einen der größten Schäden in seinem Wasserleitungsnetz.

An einem Freitagmittag schießt in der Altriper Straße an der Ecke Berliner Straße in Waldsee plötzlich Wasser aus der Asphaltdecke. Im nahe gelegenen Wasserwerk wird ein Druckabfall im Leitungsnetz gemeldet. Die Suche nach der Schadensstelle beginnt. Schlussendlich wird festgestellt, dass die gusseiserne Trinkwasserhauptleitung aus dem Jahr 1930 einen etwa zwei Meter langen Riss aufweist, aus dem das Wasser strömte. Die mehr als 6000 Einwohner der Gemeinde sind zeitweise ohne Wasser, bis die Mitarbeiter des Zweckverbands mithilfe von Schiebern sowie sogenannten Bypässen und Umfahrungen die Wasserversorgung wieder herstellen können.

Zerteilt: die alte Trinkwasserleitung mit dem Riss.
Zerteilt: die alte Trinkwasserleitung mit dem Riss.

Wie ein Spinnennetz

Das Wasserleitungsnetz sei vergleichbar mit einem Spinnennetz mit Haupt- und vielen Nebenleitungen sowie den Hausanschlüssen, sagt Werkleiter Engler. Die betroffene Hauptwasserleitung führt vom Wasserwerk bei Waldsee durch die Altriper Straße, Schiller- und Rehhütter Straße nach Schifferstadt zum dortigen Wasserturm. Das Wasser wird in 200 bis 250 Meter aus Tiefbrunnen gewonnen. Der Zweckverband verfügt über zwölf solcher Brunnen und drei Hauptwasserwerke – in Schifferstadt, Mutterstadt und Waldsee – sowie zwei kleine Wasserwerke in Böhl und Altrip.

Die drei Trinkwasserbrunnen für Waldsee liegen laut Engler zwischen dem Wasserwerk und dem Campinggebiet „Auf der Au“ und seien so abgedichtet, dass weder Oberflächenwasser noch Fremdwasser eindringen könne. Das sogenannte gewonnene Rohwasser könne bis zu mehrere Tausend Jahre alt sein, sagt der Werkleiter. Es werde im Wasserwerk aufbereitet und durch die Hauptleitung zum Wasserturm nach Schifferstadt gepumpt.

Blick ins Innere: die Hauptwasserleitung mit einem Durchmesser von 42,5 Zentimetern.
Blick ins Innere: die Hauptwasserleitung mit einem Durchmesser von 42,5 Zentimetern.

Der Zweckverband hat drei Wassertürme, die dazu beitragen, dass der Wasserdruck im Leitungsnetz konstant bleibt. Der Turm habe einen maximalen und einen minimalen Füllstand. „Er meldet sich, wenn er Wasser braucht, und dann gehen im Wasserwerk die Pumpen an, die das Wasser Richtung Wasserturm pumpen. Alles, was die Kunden zwischendrin nicht abnehmen, fließt in den Turm. Wenn dieser mit maximal 1000 Tonnen Wasser gefüllt ist, fließt das Wasser zurück ins Netz, wenn die Kunden den Hahn aufdrehen“, erklärt Wolfgang Engler.

Als in Waldsee die Hauptleitung riss, wurde nach seinen Angaben zwischenzeitlich auch das Wasserwerk zur Entlastung vom Netz genommen. Denn das Trinkwasser schießt normalerweise mit 5,5 bis 6 Bar durch das Hauptrohr.

Die Pfälzische Mittelrheingruppe versorgt mit ihrem 430 Kilometer langen Hauptrohrnetz mehr als 26.000 Haushalte und Gewerbeeinheiten mit circa 85.000 Personen in Schifferstadt, Mutterstadt, Limburgerhof, Böhl-Iggelheim sowie den Verbandsgemeinden Dannstadt-Schauernheim und Rheinauen. Sie finanziert sich laut Engler aus den Gebühren der Kunden und hat keine Gewinnerzielungsabsichten.

Millionen für die Versorgung

Dem Werkleiter zufolge wird das Leitungsnetz sukzessive ausgetauscht. „Sobald die Gemeinde Straßenbauarbeiten durchführen lässt, prüfen wir den Zustand unserer Leitungen und erneuern diese überwiegend“, sagt der 57-Jährige.

Er beziffert, dass der Zweckverband in den nächsten Jahren jährlich mehrere Millionen Euro in die Wasserversorgung investieren wird. Das Geld wird in die Erneuerung der Wasserwerke, Leitungen, Speicherkapazitäten und Aufbereitungsanlagen sowie in Fotovoltaikanlagen gesteckt. Zu Letztgenannten sagt Engler: „Uns kommt zugute, dass der höchste Wasserbedarf im Sommer und tagsüber ist, dann, wenn die Sonne scheint.“ Für den Fall eines Blackouts, eines langen Stromausfalls, hat der Zweckverband auch vorgesorgt: Die Wasserwerke verfügen über eine Notstromversorgung, sodass im Notfall eine leitungsgebundene Wasserversorgung gewährleistet sei, informiert der Werkleiter.

Zurück zur Baustelle in Waldsee: Der Werkleiter rechnet damit, dass die Altriper Straße spätestens Mitte Oktober wieder freigegeben werden kann. Bis dahin muss die Trinkwasserhauptleitung gründlich gespült werden. Zudem sollen noch alte Schieber im Kreuzungsbereich erneuert werden. Dann werden die Baugruben verfüllt, die Asphaltdecke wird wieder hergestellt. Damit verschwindet die Trinkwasserhauptleitung im Erdreich, wird unsichtbar für die Bevölkerung und trägt wieder dazu bei, dass Wasser aus dem Hahn fließt, wenn ihn die Waldseer aufdrehen.

Termin

Wer sich selbst ein Bild machen möchte, woher das Wasser kommt, kann am Samstag, 21. September, 10 bis 17 Uhr, beim Tag der offenen Tür im Wasserwerk Waldsee, Im Schöneck 1, vorbeischauen. Angeboten werden Werksführungen, Kinderprogramm, Fahrzeugausstellung sowie Essen und Trinken. Eintritt frei.

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