Schifferstadt / Waldsee RHEINPFALZ Plus Artikel Tiefengeothermie: Weitere Bürgerinitiative meldet sich zu Wort

Das Geothermiekraftwerk in Landau: Als die Anlage im Jahr 2007 in Betrieb ging, war sie die erste ihrer Art im Oberrheingraben.
Das Geothermiekraftwerk in Landau: Als die Anlage im Jahr 2007 in Betrieb ging, war sie die erste ihrer Art im Oberrheingraben.

Die Interessengemeinschaft Pfalz-Parterre, die sich gegen Tiefengeothermie ausspricht, wirbt für „eine sachliche, zivilisierte Diskussion“ zum geplanten Vorhaben bei Waldsee.

Pfalz-Parterre wurde im Jahr 2017 von den Ehepaaren Ute und Jürgen Bauer sowie Monika und Thomas Hauptmann ins Leben gerufen. Der Grund für ihr Engagement gegen Tiefengeothermie ist persönliche Betroffenheit. Die Bauers leben in unmittelbarer Nachbarschaft zum Geothermie-Kraftwerk in Insheim. Das Ehepaar Hauptmann wohnte am Rand des späteren Landesgartenschaugeländes in Landau, zirka 300 Meter vom Geothermiekraftwerk entfernt. Dieses sei seit der Inbetriebnahme im Jahr 2007 nie störungsfrei betrieben worden, sagen sie. Im Jahr 2016 zog das Ehepaar Hauptmann in die Vorderpfalz, erst nach Mutterstadt und 2023 nach Schifferstadt. Dort sehen sie sich nun wiederum mit einem Geothermie-Projekt konfrontiert.

Rund sieben Kilometer entfernt, im Nordosten von Waldsee, plant die kommunale Projektgesellschaft Geopfalz – ein Unternehmen der Stadt Schifferstadt und der Stadtwerke Speyer –, Erdwärme aus bis zu 3500 Meter Tiefe zu gewinnen. Ein Standort für die Anlage ist noch nicht in trockenen Tüchern. Die Wärme soll in das Fernwärmenetz der Stadt Speyer eingespeist werden. Schifferstadt soll über ein neu zu bauendes Netz ebenfalls profitieren, genauso wie Gemeinden in der Verbandsgemeinde Rheinauen.

Kritik am Agieren der Waldseer Bürgerinitiative

Die Ehepaare positionieren sich aus verschiedenen Gründen gegen neue Projekte der „hydrothermalen Tiefengeothermie“: Sie sagen, dass im Vorfeld keine belastbare Aussage getroffen werden könne, ob eine Tiefengeothermie-Anlage überhaupt wirtschaftlich betrieben werden kann. Die beiden existierenden Kraftwerke im Oberrheingraben seien noch nie mit der ursprünglich projektierten Leistung gefahren worden, meinen sie. „Auf den Punkt gebracht, sehen wir in der Tiefengeothermie keinen kalkulierbaren und wirtschaftlich zu betreibenden Beitrag zur dringend gebotenen Dekarbonisierung der Wärmeversorgung der Haushalte in Deutschland“, sagt Thomas Hauptmann. Er und seine drei Mitstreiter sind sich bewusst, dass ein Projekt, wenn es denn einmal das Genehmigungsverfahren durchlaufen hat, nicht zu stoppen sei. Die Kommunalpolitik und die Bürgerschaft seien zum Zuschauen verdammt, weil das Bergrecht den Inhabern der Aufsuchungserlaubnis weitgehende Handlungsfreiheit einräume. Daher wollen die beiden Ehepaare darauf achten, dass rechtliche Rahmenbedingungen eingehalten werden und die Sicherheit verbessert wird.

Thomas und Monika Hauptmann sowie Ute und Jürgen Bauer bedauern außerdem sehr, dass sie mit ihrer Arbeit immer öfter mit Bürgerinitiativen in Konkurrenz stehen, „deren Art und Weise des Umgangs mit dem Thema“ sie nicht teilen. Sie bezeichnen das Agieren der Bürgerinitiative gegen Tiefengeothermie (BIgT) in Waldsee als „ausgesprochen ungeschickt“. Gleichzeitig sei das Vorgehen der politisch Verantwortlichen „wenig professionell“, was für destruktive Kräfte eine breite Angriffsfläche biete. „Die (un)sozialen Medien leisten ebenfalls einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Gesamtsituation, wie diese in Waldsee momentan zu beobachten ist“, heißt es von Pfalz-Parterre. Die Interessengemeinschaft will sich nach eigenen Angaben für eine „sinnvolle Umsetzung der Wärmewende in Deutschland einsetzen“ und wirbt für eine „sachliche, zivilisierte Diskussion“.

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