Mutterstadt
Sportpark: Viel Lob und ein wenig Kritik zum 30. Geburtstag
Es ist ganz schön was los an diesem heißen Sommertag beim Ortstermin im Sportpark Mutterstadt. Auf dem Kunstrasenplatz haben einige Jugendteams Training. Auf dem gegenüberliegenden Naturrasenplatz bekommt die erste Mannschaft den Feinschliff verpasst für die bevorstehende Landesligasaison. Dazu ist noch Elternabend. Und auch auf der Wurfanlage herrscht Betrieb.
Das Kernstück, das wird schon aufgrund des emsigen Treibens deutlich, ist der Kunstrasenplatz, erklärt Stephen Schulz. „Das ist mittlerweile die dritte Generation Kunstrasen“, erläutert der Vorsitzende der FG 08 Mutterstadt. Der erste Kunstrasen sei damals vergleichbar zu einem Kunstrasen beim Feldhockey gewesen, der zweite mit Granulat, und dieser jetzt komme ohne irgendwelche Zusätze aus.
Kunstrasen ist Gold wert
Der Sportpark, vor allem der Kunstrasen, sei für den Verein Gold wert, betont Schulz. Damals sei das noch neuartig gewesen. „Aber es hat für den Boom bei der Entwicklung des Vereins gesorgt“, sagt Schulz.
Damals – das heißt in dem Fall vor 30 Jahren. Denn so viele Jahre hat der Sportpark in Mutterstadt gegenüber dem Kreisbad Aquabella mittlerweile auf dem Buckel. Die Hauptintention sei damals gewesen, dass die FG 08 zum einen nur auf einem Hartplatz am Wasserturm gespielt hat. „Ich bin ja selbst 08er, hab’ selbst auf dem Platz gespielt. Ich hole mir heute noch beim Duschen die Steine von damals aus dem Oberschenkel“, erzählt Ewald Ledig und muss lachen. Nein, der Platz sei wirklich nicht gut gewesen. Hinzu kam, dass die Gemeinde ein weiteres Wohngebiet am Wasserturm erschließen wollte, erinnert sich Ledig, von 1992 bis 2007 für die FWG Bürgermeister in Mutterstadt.
Ledig: Vernunft hat sich durchgesetzt
Das Problem: Die Alt-Vorderen der FG 08 hätten sich damals gesträubt. „Aber letztendlich hat sich die Vernunft durchgesetzt“, sagt Ledig und lacht erneut. Gleichzeitig sei der Plan gereift, auf dem Gelände der TSG Mutterstadt eine Festhalle zu bauen. „Die beiden Dinge musste man unter einen Hut bringen“, sagt Ledig. „Und wir durften die FG und die TSG auch nicht bevorzugen, mussten alle Vereine gleich behandeln.“ Also sei das Haus der Vereine entsprechend umgestaltet worden.
Ende der 1980er-Jahre habe es das erste Gespräch mit der FG 08 gegeben. Fünf Jahre Vorlauf hatte das Projekt. „Als die FG einverstanden war, ging’s ganz schnell.“ Damals sei es einfacher gewesen, so ein Projekt zu stemmen. „Man konnte das eine oder andere schneller gestalten“, sagt Ledig.
Spatenstich mit Bagger
Der erste Spatenstich erfolgte am 16. August 1993. Genauer gesagt: die erste Baggerschaufel. Denn Ledig erinnert sich noch genau daran, wie er vom Architekten aufgefordert worden war, mit dem Bagger die erste Ladung Erde auszuheben. „Es hat alles geklappt. Aber ich war froh, als es rum war“, meint der Alt-Bürgermeister.
Der erste Bauabschnitt beinhaltete unter anderem den Kunstrasenplatz samt Tribüne und Flutlicht, ein Feuchtbiotop, Parkplätze sowie Umkleiden und Funktionsräume. In der Anfangszeit habe auch der TDSV Mutterstadt die Fußballplätze mitgenutzt. Der Verein ist mittlerweile Geschichte. Heute sind neben der FG 08 noch die TSG, der LTC und Phönix Mutterstadt (Rasenkraftsport) auf den Anlagen im Sportpark aktiv.
LTC von Anfang an dabei
„Die Eröffnung war im Sommer 94. Nach zehn Monaten Bauzeit“, sagt Ledig. Und Gunther Holzwarth, Büroleiter im Mutterstadter Rathaus, kann sich auch noch daran erinnern, dass zwei Spieler des 1. FC Kaiserslautern zur Autogrammstunde da waren. Einer davon sei Martin Wagner gewesen. An den anderen könne er sich nicht mehr erinnern.
Auch Marion Blum, die beim LTC Mutterstadt die Geschäftsstelle leitet, kann sich noch gut an die Eröffnung erinnern. Luftballons seien damals gen Himmel aufgestiegen. Auch der LTC war von Anfang an im Sportpark dabei. 1993 ist der Verein gegründet worden und hat laut Marion Blum heute rund 200 Mitglieder.
Laufbahn in die Jahre gekommen
Im Juni 95 habe man mit dem zweiten Bauabschnitt begonnen, zu dem der Naturrasenplatz samt Leichtathletikanlage gehörte. Dazu kam noch die Wurfanlage, die laut Ledig internationalen Ansprüchen genügt. Die Einweihung war am 13. Juli 1996. Damals war sogar Innenminister Walter Zuber (SPD) auf der Anlage. Der Laufbahn um den Naturrasenplatz herum sieht man mittlerweile an, dass sie schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel hat.
„Der Rasen ist damals gehütet worden wie der sprichwörtliche Augapfel. Er war quasi heilig“, erinnert sich Marion Blum. Erst nach und nach seien die Regeln zur Nutzung gelockert worden. Mittlerweile merke man, dass an der einen oder anderen Stelle der Zahn der Zeit nage. Was aus ihrer Sicht fehlt: „Ein kleiner überdachter Bereich, wo man sich im Schatten aufhalten kann.“
Preis: 15 Millionen D-Mark
15 Millionen D-Mark habe der Sportpark damals gekostet. „Für den Preis würden wir das heute nicht mehr bekommen“, ist sich Ewald Ledig sicher. Dazu seien noch die 25 Millionen D-Mark für das Palatinum gekommen. Ledig bezeichnet die 15 Millionen für den Sportpark als „sehr gute Investition“. Vor allem mit Blick auf den regen Sportbetrieb und die zahlreichen Meisterschaften, die die Vereine seitdem gefeiert haben.
Ewald Ledig ist auch heute noch regelmäßig bei den Spielen „seiner“ 08er zu Gast. Den Sportpark bezeichnet er als Schmuckstück. „Man hat mit niemandem Ärger.“ Am Anfang hätten sich die Leute aus dem Limburgerhofer Norden ob des Lärms mokiert. Einen Lärmschutzwall später sei das aber geklärt gewesen.
Marode Duschen
Und so stört es auch niemanden, dass an diesem heißen Tag Jugendteams der FG 08 auf dem Kunstrasen kicken. „Wir haben alle Altersklassen besetzt“, sagt FG-Vorsitzender Stephen Schulz. „Eher doppelt und dreifach. In vielen Altersklassen gibt es eine Warteliste“, ergänzt er. 14 Jugendteams und vier Mannschaften der Erwachsenen gebe es. „Wir könnten locker hoch auf 20, 21 Teams“, sagt Schulz.
Regulierungen, etwa bei der Nutzung des Rasenplatzes, seien aber hinderlich. Ein Kleinspielfeld auf dem Gelände zwischen Kunstrasenplatz und Vereinsheim, das die FG abgestoßen hat, könnte Entspannung bringen. Doch das ist Zukunftsmusik.
Auch dass die Duschen seit ein paar Monaten nicht mehr funktionierten, sei nicht optimal. Der Verein sei in ständigem Austausch mit der Gemeinde. Die Erste Beigeordnete Andrea Franz (SPD) versichert im RHEINPFALZ-Gespräch: „Der Fehler ist mittlerweile gefunden worden. Wir wussten einfach nicht, wo der Wasserschaden herkam. Die Firma ist dabei, das zu reparieren. Wir sind guten Mutes, dass es bald gemacht ist.“ Ob aber bis zum Start der Landesligasaison wieder das Wasser fließt? Im Moment sieht es wohl eher so aus, als ob die Spieler des VfR Grünstadt am 2. August ungeduscht die Heimfahrt antreten müssen.
Stauraum knapp
Das ist übrigens etwas, das auch Ewald Ledig sauer aufstößt. „Es kann doch nicht sein, dass die Dusche nicht geht“, hadert er. Ein weiteres Problem, das sich der FG stellt: „Der Stauraum für die Trainingsmaterialien wird langsam knapp“, erläutert Schulz.
Das nennt auch Klaus Maischein als ein Problem für die Sportler seines Vereins. Er ist Vorsitzender der TSG Mutterstadt. Die Leichtathleten des Vereins nutzen den Sportpark fast jeden Tag als Trainingsstätte. Dazu kommen noch die Leistungstests der Handballer, Vereinsmeisterschaften und, und, und. Für die Unterbringung der Materialien sei man in Gesprächen mit der Gemeinde. „Aber die hat das Geld ja auch nicht einfach so rumliegen.“
Gäste neidisch
Von außen betrachtet sei alles super, versichert Stephen Schulz. Heißt: Die Optik stimmt. Und die Mannschaften, die nach Mutterstadt kämen, beneideten die FG, die etwa 600 Mitglieder habe, oft um die Möglichkeit, die Heimspiele im Sportpark, der der Gemeinde gehört, auszutragen. „Wir sind auch super glücklich, dass wir so ein Gelände haben“, betont Schulz.
Der Meinung schließen sich die Vertreter der anderen Vereine gerne an. „Wir haben hier hervorragende Bedingungen, speziell auch für Behinderte und Senioren“, sagt auch Gerhard Zachrau, Geschäftsführender Vorstand von Phönix Mutterstadt. Die Gemeinde habe sich damals sehr engagiert, als es an die Beschaffung der Käfige für die Wurfanlagen gegangen sei. Die guten Trainingsbedingungen seien mit ein Grund, warum die Phönix-Athleten in der Vergangenheit so viele Titel abgeräumt hätten.
Die Anlage sei top gepflegt, lobt Klaus Maischein. „Der Rasenplatz ist fast heilig“, meint er und lacht. Kugelstoßer und Diskuswerfer seien daher dort nicht gerne gesehen. Weshalb Samantha Borutta, die bekannteste Athletin aus dem Stall der TSG, wenn sie mal auf Heimatbesuch ist, auf das Gelände neben dem Bolzplatz ausweicht.
Nicht zu hoch werfen
Doch da müsse sie sich teilweise etwas zurücknehmen. „Der einzige Makel ist die Hochspannungsleitung, die über dem Platz verläuft“, sagt Gerhard Zachrau. Und da Borutta auch Rasenkraftsport betreibe, wisse er, dass sie, wenn sie Ernst mache, wohl mit dem Hammer die Leitung treffen könnte. Doch ansonsten ist Zachrau wunschlos glücklich. „Zukünftigen Titeln steht nichts im Weg“, sagt er und lacht.
Einen Wunsch hat dafür Marion Blum noch. Sie würde gerne den Volkslauf auf der Laufbahn um den Rasenplatz starten. „Aber dann müssten wir die Kreisstraße queren und folglich sperren. Das ist zu viel Aufwand“, erläutert die frühere Mittelstreckenläuferin des ABC Ludwigshafen.
Der Rundgang mit Stephen Schulz nähert sich auch langsam dem Ende. Auf dem Rasenplatz sind die FG-Kicker immer noch mächtig am Schwitzen. Ein Rekonvaleszent dreht einsam seine Runden auf der nicht mehr ganz taufrischen Laufbahn. Ein Hase schaut kurz zu den Fußballern rüber – und hoppelt dann weiter. Auch er könnte bestimmt die eine oder andere Geschichte zum Sportpark erzählen.