Bobenheim-Roxheim
So lief das erste Amtsjahr für die Jugendbeauftragte Pia Maffenbeier
Als Jugendbeauftragte will die 32-Jährige die Interessen von jungen Menschen in der Gemeinde vertreten. Darunter versteht sie nicht nur Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, sondern auch das Kind im Mutterleib. Was bedeutet, dass Maffenbeier viel mit jungen Eltern spricht. Die trifft sie oft auf dem Spielplatz, weil sie ja selbst zweifache Mutter und dort häufig anzutreffen ist. Das wiederum hat ihr unter denen, die das im Herbst 2019 neu geschaffene Amt für überflüssig halten, den Ruf eingebracht, sich ja nur um Kita-Themen zu kümmern.
Verwaltung sensibilisieren
Im Gespräch mit der RHEINPFALZ räumt Maffenbeier ein, dass das, was Eltern an sie herantragen, zu 90 Prozent die Kinderbetreuung und zu zehn Prozent die Grundschulen betreffe. „Der Draht zu den Kindern und Jugendlichen selbst funktioniert noch nicht“, sagt sie. Aber man dürfe nicht unterschätzen, wie viel „Übersetzungshilfe“ junge Eltern brauchten, wenn es darum gehe, ob und wann das eigene Kind einen Kindergartenplatz bekommt und welchen. Zwar praktiziere die Verwaltung mittlerweile eine zentrale Kita-Platzvergabe, „doch das hat sich noch nicht so eingespielt“, sagt Maffenbeier.
Grund für Irritationen, Ärger und Ängste unter den Eltern seien immer wieder scheinbar widersprüchliche statistische Aussagen offizieller Stellen zum Betreuungsbedarf für Einjährige. Die Absolventin des Studiums Soziale Arbeit versucht dann, Missverständnisse auszuräumen und die an Zahlen orientierte Verwaltung und politischen Gremien für die Belange einzelner Familien zu sensibilisieren. „Der Druck der Individuen wird da nicht richtig wahrgenommen.“
Im Moment steht in Bobenheim-Roxheim die Entscheidung an, wo und wie weitere Kita-Plätze geschaffen werden können. „Es gibt acht Vorschläge und Möglichkeiten“, sagt Maffenbeier. Vermutlich im Frühjahr fänden dazu Begehungen statt. Die Idee, einen Naturkindergarten zu etablieren, stehe immer noch im Raum.
Ihre Vernetzung mit lokalen Akteuren der Jugendarbeit bezeichnet Maffenbeier als „noch nicht abgeschlossen“. Wenigstens aber habe sie sich im Pandemiejahr mit den Verwaltungsstrukturen vertraut gemacht und Gespräche mit vielen Mitarbeitern geführt. Auch das Projekt mit Studierenden der Hochschule Mannheim habe unter Corona gelitten und sei nicht so weit gekommen wie erhofft.
Dabei ging es, wie im November 2020 berichtet, um Möglichkeiten der Beteiligung Jugendlicher an kommunalpolitischen Entscheidungen. „Das Projekt pausiert jetzt, sonst brennt die zweite Studi-Gruppe auch noch aus“, sagt Maffenbeier und fordert Verständnis für die jungen Leute, die wegen Corona in einer schweren Krise steckten.
Kritik an SPD-Antrag
Die 32-Jährige möchte herausfinden, ob der Kriminalpräventive Rat, der laut Satzung mindestens einmal im Jahr tagen soll, etwas zugunsten von Jugendlichen leisten kann. Sie gibt wieder, wovon im Ort „immer mal wieder zu hören“ sei: Minderjährige, die Alkohol trinkend herumliefen, Drogenumschlagplätze, zerkratzte Autos. In einem Fall von Gewalt unter Jugendlichen sei es ihr aber aus familiären Gründen nicht möglich gewesen, einem Treffen der Betroffenen mit Vertretern von Polizei und Gemeinde beizuwohnen.
Kaum Verständnis hat Maffenbeier, die für die Grünen im Gemeinderat sitzt, für den Antrag der SPD-Fraktion, einen „Runden Tisch Jugendarbeit“ einzurichten. Damit würden nur Doppelstrukturen aufgebaut. Falls es der SPD um ein neues Konzept für das Jugendzentrum gehe, sollte lieber darüber diskutiert werden, was die Gemeinde in Sachen Offene Jugendarbeit überhaupt will und braucht. Die Einrichtung Jugendzentrum jedenfalls habe eine im Sozialgesetzbuch klar definierte Aufgabe. Maffenbeier: „Wenn man darüber hinaus noch aufsuchende Jugendarbeit anbieten will, muss mehr Personal her.“