Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Schulen im Kreis: Damit der Ofen nicht ausgeht

Eine betagte Heizzentrale versorgt die Peter-Gärtner-Realschule (vorne links) und die umliegenden Liegenschaften in Böhl-Iggelhe
Eine betagte Heizzentrale versorgt die Peter-Gärtner-Realschule (vorne links) und die umliegenden Liegenschaften in Böhl-Iggelheim.

Weil auch in den Schulen Gas gespart werden soll, aber Schüler und Lehrer nicht frieren sollen, greift der Rhein-Pfalz-Kreis in die Kasse. Drohender Gasmangel ist nicht das einzige Problem.

Not macht erfinderisch. Und so haben die Mitglieder des Kreisbauausschusses am Donnerstagabend jeweils einstimmig über ein rund 450.000 Euro teures Paket von verschiedenen Projekten entschieden, die sicherstellen sollen, dass in Bobenheim-Roxheim in der Realschule plus, der Sporthalle und der Grundschule, im Schifferstadter Schulzentrum und in der Peter-Gärtner-Realschule plus in Böhl-Iggelheim nicht der Ofen ausgeht – sozusagen.

Leer gefegter Markt

Im Falle von Bobenheim-Roxheim war sogar solche Eile geboten, dass die Ausschussmitglieder „nur“ noch eine Entscheidung von Landrat Clemens Körner (CDU) nachträglich billigen konnten. Die beiden benachbarten Schulen und die Sporthalle werden über zwei Heizkessel beheizt, von denen einer defekt ist. Nun soll dort ja ein Schulneubau entstehen, der dann mit oberflächennaher Erdwärme beheizt werden wird, ein neuer Heizkessel lohne sich daher nicht. Zur Überbrückung sollte eigentlich eine mobile Heizanlage angeschafft werden. Doch solche Geräte sind höchstens mit monatelanger Lieferzeit zu bekommen, sagte Körner, „der Markt ist leer gefegt“. Einzig ein Angebot für die Anmietung von zwei kleineren „Hotmobilen“ – die geläufige Bezeichnung für die Heizgeräte ist eigentlich eine geschützte Markenbezeichnung, erläuterte Körner – und eines Heizöltanks war zu kriegen.

Der Kreis musste zuschlagen, salopp gesagt, um die Wärmeversorgung sicherzustellen. „Wir hatten eine Frist von drei Tagen, uns zu entscheiden“, sagte der Landrat – wegen der hohen Nachfrage. Die Fixkosten mit dem notwendigen Zubehör belaufen sich laut Kreisverwaltung auf rund 130.000 Euro – plus den auf 80.000 Euro geschätzten Kosten für die nötige Heizöllieferung.

Betagte Heizzentrale

20 Jahre alt ist die Holzhackschnitzelheizung, die zusammen mit zwei kleineren Gasheizkesseln in der Peter-Gärtner-Realschule plus samt Sporthalle in Böhl-Iggelheim für Wärme sorgt – und dazu laut Verwaltung im Rathaus, der Wahagnies-Halle, dem Seniorentreffpunkt und der Hausmeisterwohnung. Und eben jene Heizzentrale könnte aufgrund ihres Alters und des entsprechenden Verschleißes „jederzeit ausfallen“. Problem: „Eine Reparatur ist nicht mehr möglich, da Kessel dieser Bauart nicht mehr hergestellt werden und es die Herstellerfirma nicht mehr gibt.“

Eine Machbarkeitsstudie für eine neue Heizzentrale ist noch nicht fertig, diese wird auch den Anschluss der geplanten neuen Berufsbildenden Schule einbeziehen und es werden verschiedene Varianten wie Biomasse, Wärmepumpen, Erd- und Sonnenwärme geprüft. Also müsse auch hier eine Übergangslösung her. Die Lösung: Ein mobiler ölbetriebener Heizkessel wird angeschafft und in einen bereits vorhandenen Seecontainer, der der Kreisverwaltung gehört, eingebaut. Das sei vielleicht „Sicherheitsluxus“, sagte Körner, „aber Heizungen gehen nun mal gern im Winter kaputt“. Außerdem entstehe mit dem selbst gebauten Heizcontainer eine mobile Anlage, die dann bei Bedarf auch bei anderen Liegenschaften genutzt werden könne. Die Kosten hier: 97.000 Euro.

Öl statt Gas

Im Schulzentrum Schifferstadt ist die Lage anders: Hier geht es „nur“ darum, vom Gas unabhängig zu sein. Vor Jahren ist das Zentrum auf Gasheizung umgestellt worden, erinnerte Körner. Und hier stehen die Pläne, im Rahmen eines Nahwärmekonzepts Anlagen zur dezentralen Versorgung aus erneuerbaren Energien für das ganze Schul- und Sportzentrum zu errichten. Starten soll das voraussichtlich in ein bis zwei Jahren. Auf dem Gelände des Schulzentrums gebe es jedoch noch einen Heizöltank mit 100.000 Litern Fassungsvermögen, der noch zu einem Fünftel gefüllt sei. Der Vorschlag der Kreisverwaltung: Diesen Tank komplett zu füllen, um bei einer Gasmangellage sofort mit einem entsprechenden „Hotmobil“ reagieren zu können. Nach den aktuellen Preisen würde diese Menge Heizöl rund 138.000 Euro kosten.

Die Unterstützung der Ausschussmitglieder hatte die Verwaltung, sie stimmten allen Vorschlägen einhellig zu. „Eine gemeinsame Lösung ist sinnvoll“, sagte etwa Marc Hauck (FDP) im Hinblick auf die Maßnahmen in Bobenheim-Roxheim und Böhl-Iggelheim, bei denen die jeweilige Gemeinde mit ihren Liegenschaften mit im Boot sitzt. Diese sollten sich dann auch entsprechend beteiligen. „Schön ist das alles nicht in der derzeitigen Situation“, seufzte der Landrat. Aber: „Es ist ja auch für unsere Kinder.“

Der geplante Neubau der Realschule plus in Bobenheim-Roxheim soll mit Erwärme geheizt werden, hier eine Probebohrung.
Der geplante Neubau der Realschule plus in Bobenheim-Roxheim soll mit Erwärme geheizt werden, hier eine Probebohrung.
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