Mutterstadt
Real-Halle: Viele Geschäfte sind wieder dabei
„Wir könnten sofort aufmachen“, sagt Frank Schröder, Geschäftsführer für Logistik und Vertrieb bei Rofu Kinderland. Das Geschäft für Spielwaren, Deko- und Geschenkartikel hatte vor der Schließung des Real-Markts und der gesamten Markthalle Ende Januar 2022 eine der größten Fläche inne. Eigentlich hatte Schröder gehofft, dass die Filiale Ende Oktober, Anfang November noch eröffnet werden kann, um vom Weihnachtsgeschäft zu profitieren. Dazu sollte der Teil der Markthalle, in dem die Bauarbeiten noch vonstattengehen, mit einer Staubschutzwand abgetrennt werden. „Doch das hat wegen Problemen bei der Verfügbarkeit von Handwerkern nicht mehr funktioniert“, erzählt der Rofu-Geschäftsführer.
Die Zeit sei aber genutzt worden, um die Filiale teilweise umzugestalten – ein Büro wurde verlegt, ein neuer Notausgang geschaffen, der Boden und die Beleuchtung erneuert und die Regale neu aufgestellt. Auch wenn alles einsatzfähig sei, wolle man noch nicht eröffnen, wenn der Großteil der Markthalle noch Baustelle ist. „Das macht für uns wirtschaftlich keinen Sinn. Wir öffnen erst wieder, wenn alle anderen eingezogen sind“, sagt Schröder und plädiert sogar für eine gemeinschaftliche Eröffnung aller Läden.
Auch wenn keine Miete gezahlt werden musste, wirtschaftlich sei die Schließzeit von über einem Jahr problematisch. Wie berichtet, verzögert sich die Sanierung und Wiedereröffnung mit Edeka als neuem Ankermieter wegen des Besitzerwechsels der Immobilie, des Ukraine-Kriegs und der Engpässe in der Bauwirtschaft. Geplant war diese für Juni 2022. „Zwar kamen seit der Schließung viele Mutterstadter Rofu-Kunden in unsere Filiale nach Speyer, aber ganz kompensiert man das nicht“, gibt Frank Schröder offen zu. Er weiß: Das Rofu-Sortiment haben auch andere Verkaufsmärkte im näheren und weiteren Umkreis im Angebot. „Kunden gewöhnen sich schnell um, darum wird es unsere Herausforderung sein, sie wieder zurückzugewinnen.“ Dass mit den neuen Mietern wie Action Markt und Woolworth Konkurrenz mit in die Halle einzieht, sieht er sogar positiv: „Ich denke, das wird eine gewisse Anziehungskraft auf viele Kunden haben, nach Mutterstadt zu kommen.“
Zeit für Umbau genutzt
Auch die meisten anderen Händler werden es so handhaben. Ali Ördek, Inhaber des Antalya Grill Restaurants, bietet seine türkischen Spezialitäten seit der Schließung vor einem Jahr aus einem mobilen Stand auf dem Parkplatz vor seinem Geschäft an. Eine Notlösung mit finanziellen Verlusten, sagt er: „Die Umsätze decken mal gerade so die Kosten.“ Es waren vor allem die Stammkunden, die ihm die Treue hielten. Aber etliche seiner Kunden hätten auch nicht wahrgenommen, dass er weiter hier seine Speisen anbietet. Für Ali Ördek, der seit über 21 Jahren sein Geschäft im Gewerbegebiet betreibt, stand immer fest, dass er durchhält, denn mit der Sanierung der Halle wollte er auch sein Restaurant verändern. Und das hat er nun auch umgesetzt. „Ich konnte ein angrenzendes Geschäft dazu mieten und die Fläche im Restaurant vergrößern“, berichtet er. In seinem an der anderen Seite angrenzenden Eiscafé möchte er mit der Wiedereröffnung mehr Speisen anbieten, zum Beispiel Crêpes-Varianten. Und im Pavillon gegenüber auf dem Parkplatz, wo derzeit seine Kunden die Döner-Spezialitäten essen können, soll dann Eis verkauft werden. „Nun muss nur noch eröffnet werden“, sagt er und bleibt optimistisch.
Unweit des Antalya Grill Restaurants war die Filiale der Bäckerei Görtz. Das soll auch so bleiben: „Wir sind wieder dabei“, informiert Geschäftsführer Peter Görtz, und zwar wieder am Haupteingang mit einer Fläche von 180 Quadratmetern für die Bäckerei mit Café innen und mit einer separaten Außenterrasse. Die Filiale soll zeitgleich mit der Eröffnung von Edeka mit dem Verkauf beginnen.
Noch vor Edeka eröffnen
Ein paar Schritte weiter betrieb Mohamed-Salah Bayoudh seinen Marktbrunnen, in dem einkaufsmüde Kunden ein Bier oder andere Getränke bekamen und sich die Zeit am Spielautomat vertreiben konnten. Auch er wird wieder eröffnen, sobald das möglich sei, sagt er.
Christoph Gehrke, Betreiber der Easy-Apotheke, möchte sich mit der Eröffnung seiner Filiale an den anderen Mietern orientieren. Er hofft, dass das eventuell noch vor der Edeka-Eröffnung sein wird. Die Apotheke bleibt an gleicher Stelle am vorderen Eingang, und auch innen habe sich nach seiner Auskunft nichts geändert.
Das Feinkost-Geschäft Daud des Ehepaars Kawa Tofiq und Susanne Guhmann rückt einige Meter nach vorne, dorthin, wo einst die Metzgerei Zeiss eine heiße Theke hatte. Wie Susanne Guhmann informiert, habe das Paar das Feinkostgeschäft Mesinia Anfang November 2021 übernommen. Damals wussten beide, dass die Markthalle zwei Monate später geschlossen werden würde. Doch dass sich die Wiedereröffnung, die für Juni 2022 geplant war, um gut ein Jahr verzögern wird, „das war für uns hart“, sagt sie. Aber auch sie wollten nicht aufgeben, zu sehr haben sie sich auf das neue Geschäft gefreut. „Nach dem Umbau ist unsere eigentliche Neueröffnung, wir möchten dann auch das Sortiment erweitern, etwa um türkische Backwaren oder kleine Snacks“, sagt Susanne Guhmann.
Neue Cocktailbar?
Noch nicht geklärt ist, ob das Friseurgeschäft Haarschnitt von Volker Andres wieder in seinen ursprünglichen Laden einzieht. Nachdem sich die Wiedereröffnung verzögerte und lange Zeit kein verlässlicher Termin vom neuen Immobilienbesitzer genannt werden konnte, ist Andres mit seinem Team nach Mutterstadt in den Ort in die Neustadter Straße, schräg gegenüber vom Rewe-Markt, gezogen. „Man hat mit mir noch keinen Kontakt aufgenommen“, sagt Andres. Grundsätzlich habe er aber Interesse, im Gewerbegebiet zu bleiben.
Sollte das nicht klappen, hätte Emine Türk, Inhaberin von Blumen Emii, Interesse an der Ladenfläche, wie sie sagt. Sie hat bisher ihre Blumen auf dem Parkplatz vor dem vorderen Eingang verkauft, seit der Schließung ist sie auf das Areal des ehemaligen Praktiker-Marktes ausgewichen, das näher an der Zufahrtsstraße liegt. „Dort werde ich auch bleiben“, sagt sie. Zusätzlich möchte sie gern eine Cocktailbar mit Außenbereich eröffnen, in der Obst, Süßigkeiten und kleine Snacks angeboten werden. Dafür würde sich das Friseur-Geschäft anbieten.
Auch der Cigo-Shop, der unter anderem Tabakwaren, Zeitschriften und Karten angeboten hat und zudem eine Toto-Lotto und Post-Filiale war, soll nach RHEINPFALZ-Informationen wieder einziehen. Ebenso der Service-Punkt von Resat Teker, der seine Schuh-Reparatur- und Gravur-Dienste während der Schließzeit in einem Container auf dem Parkplatz angeboten hat.
Bis Redaktionsschluss war nicht zu erfahren, ob auch die anderen Mieter wie das asiatische Restaurant Fu Loi Hikari, der O2-Laden oder das Nagelstudio „My Nails“ sich wieder einmieten werden.