Mutterstadt
Ehemaliger Real-Markt: Neuer Ankermieter hat viel vor
Seit Monaten gehen verschiedene Baufirmen in der ehemaligen Real-Markthalle ein und aus, etlicher Bauschutt wurde aus dem Gebäude geholt. Klar ist aber auch: Bis hier wieder Geschäfte einziehen, muss noch Einiges geschehen. Doch das Gute daran: Es tut sich was. Das war nach der Real-Markt-Schließung am 31. Januar 2021 monatelang nicht der Fall. Damals gingen Kunden, Mitarbeiter und die anderen Einzelhändler, die ihre Läden vor der Real-Fläche betrieben, davon aus, dass es im Juni weitergeht. In der Zeit sollte die Halle saniert und ein neuer Lebensmittelhändler einziehen. Doch dann tat sich erst einmal nichts.
Indirekt waren wohl der Ukraine-Krieg und die pandemiebedingten Lieferengpässe in der Bauwirtschaft Grund für die Verzögerungen. So ist es zumindest vom damaligen Inhaber der Immobilie, SCP, einigen Händlern gegenüber kommuniziert worden. RHEINPFALZ-Anfragen diesbezüglich blieben damals unbeantwortet. SCP hat im Jahr 2020 276 Real-Märkte vom Metro-Konzern erworben, darunter sechs Märkte in der Pfalz. Mehrheitliche Anteilseigner von SCP waren zu diesem Zeitpunkt die russischen Finanzinvestoren Wladimir und Felix Jewtuschenkow. Ab Februar 2021 wurde die Französin Marijorie Brabet-Friel Inhaberin von SCP und somit auch der Real-Märkte. Grund für die Änderungen der Besitzverhältnisse sollen der Ukraine-Krieg und die damit verbundenen Sanktionen gegen russische Unternehmen gewesen sein.
Halle komplett entkernt
Danach wurde die Immobilie in Mutterstadt an das Immobilien-Unternehmen Van Mark mit Sitz in Westerstede verkauft. Das brachte wieder Schwung in den Umbau, der seit dem Spätsommer läuft. Wie Michael Sappok von Van Mark mitteilt, wurde die etwa 13.000 Quadratmeter große Hallenfläche mittlerweile komplett entkernt und zurückgebaut und wird derzeit nach dem Anforderungen der zukünftigen Mieter neu ausgebaut. Insgesamt investiert Van Mark nach eigenen Angaben „einen hohen einstelligen Millionenbetrag“. „Das Gebäude wird nach Fertigstellung von innen und außen ein gänzlich neues Erscheinungsbild inklusive einer neuen Farbgebung haben“, erläutert Sappok weiter.
Die Fläche, die einst der Real-Markt hatte, werde in drei Mietflächen aufgeteilt. Geplant ist, dass zwei Flächen an die Filialisten Action-Markt und Woolworth vermietet werden, was beide Unternehmen bestätigen. „Wir benötigen dazu allerdings noch einen formellen Nachtrag zur Baugenehmigung, welchen wir in Kürze bei der Baubehörde einreichen werden. Wir hoffen, dass dieser Antrag trotz der Cyber-Attacke und den damit einhergehenden Einschränkungen beim Rhein-Pfalz-Kreis so schnell wie möglich genehmigt wird“, sagt Sappok.
Verträge sind unterschrieben
Die zentrale Fläche ist für den Lebensmittelmarkt Edeka Stiegler als Ankermieter vorgesehen. Darüber wurde schon seit der Schließung des Real-Markts spekuliert, vor einigen Tagen wurde es nun von Sven Stiegler bestätigt: „Die Verträge sind unterschrieben.“ Der 39-jährige Kaufmann wird nach eigenen Angaben neuer Inhaber des Einkaufscenters in Mutterstadt. Er stammt aus Ketsch und besitzt seit 2009 einen Edeka-Markt in Bad Dürkheim, 2016 und 2021 kamen Märkte in Frankenthal hinzu. Sein Bruder Benjamin Stiegler (37) führt einen Edeka-Markt in Haßloch und zwei in Speyer, so dass es mit dem neuen Mutterstadter Markt dann sieben Edeka-Stiegler-Märkte in der Region geben wird. Wann eröffnet wird, ist laut Sven Stiegler noch unklar. Van Mark geht von einer Fertigstellung der Halle im zweiten Quartal 2023 aus, „abhängig von der Material- und Baufirmenverfügbarkeit“, schränkt Sappok ein. Sven Stiegler hofft, dass sein neuer Markt dann im zweiten oder dritten Quartal 2023 eröffnet werden kann.
Alle ehemaligen Real-Mitarbeitenden, das sind nach seinen Angaben 70, werden bald Angestellte von Edeka Stiegler, dafür gibt es eine Übernahmevereinbarung. Das bestätigt auch der Verdi-Gewerkschaftssekretär Stefan Prinz, der für den Handel in der Region zuständig ist. In etwa zwei Wochen soll es ein Treffen mit Stiegler und dem Betriebsrat geben, in dem wohl auch der Zeitpunkt des Betriebsübergangs geregelt werden soll. Der sei in der Regel vor dem Eröffnungstermin, denn die Mitarbeitenden müssten eingearbeitet werden. Prinz informiert weiter, dass etwa drei Viertel der ehemaligen Real-Angestellten schon 20 Jahre und länger für Real tätig waren, so dass es unterschiedliche tarifgebundene Arbeitsverträge gebe. Doch es sei vereinbart worden, dass die Arbeitsverträge übernommen werden. Mit anderen Worten: Gehaltsmäßig bleibt für die ehemaligen Real-Angestellten erst einmal alles beim Alten, auch wenn die Arbeitsverträge der Edeka-Angestellten keiner Tarifbindung unterlägen.
Eigene Bäckerei zieht ein
Laut Sven Stiegler wird es aber nicht bei den 70 Mitarbeitern bleiben: „Wir werden noch neue Mitarbeiter suchen, zum Beispiel für die Marktleitung und für unsere Backstube.“ Die eigene Stiegler-Bäckerei heißt Bäcker Buwe und werde auch in die ehemalige Real-Halle einziehen. Neben dem typischen Backsortiment, Snacks und einer Heißtheke sollen auch Kuchen und Torten aus Stieglers eigener Konditorei angeboten werden. Die Bäckerei sei Teil der 5500 Quadratmeter großen Verkaufsfläche, die Edeka mit seinem Lebensmittelmarkt einnehmen wird. Zudem möchte Stiegler dort einen Toto-Lotto-Shop mit DHL-Station einrichten. Ebenso sollen in der Filiale regionale Produkte verkauft werden, auch aus Mutterstadt: wie etwa von Heike Fehmel, die unter anderem Gewürze, Soßen, Chutneys und Konfitüren herstellt, oder die besonderen Nagellacke von Vinolac, die Jessica Grünewald kreiert. Auch seien Wein- oder Gin-Tastings geplant, wie sie bereits in den anderen Stiegler-Märkten angeboten werden. „Wir haben in diesem Jahr also viel vor in Mutterstadt“, kündigt Sven Stiegler optimistisch an.