Maxdorf
Norbert Mosbach gründet ein Repaircafé
Nichts wegzuwerfen, das hat Norbert Mosbach schon von klein auf beigebracht bekommen. „Mein Vater und mein Großvater haben immer probiert, alles zu reparieren“, sagt der 63-jährige Maxdorfer. Ihm habe es als Kind schon Spaß gemacht, technische Geräte auseinander zu nehmen und zu lernen, wie sie funktionieren.
Seit Anfang des Jahres ist Mosbach, der zuvor als Physikingenieur bei der BASF gearbeitet hat, im Ruhestand. „Ich habe mir eine Liste gemacht, damit ich dann etwas zu tun habe“, erzählt er. Ein Punkt darauf war die Repaircafé-Initiative, die ihren Ursprung in Amsterdam hat und bei der Ehrenamtliche gemeinsam mit den Besuchern defekte Haushaltsgegenstände reparieren.
Neu im Netzwerk Hilfe
Also begann Mosbach schon im vergangenen Sommer, in den Repaircafés in Speyer und Bad Dürkheim vorbeizuschauen und mitzumachen. Weil die bestehenden Cafés in der Region aber doch etwas weit entfernt sind oder sich zu Zeiten treffen, zu denen viele Berufstätige keine Zeit haben, kam er auf die Idee, ein eigenes Repaircafé in Maxdorf zu eröffnen. Auf der Suche nach einem Treffpunkt stieß er auf das Maxdorfer Netzwerk Hilfe. Der Verein ist vor allem in der Flüchtlingshilfe aktiv, organisiert aber auch regelmäßige Treffen für Kinder und Erwachsene im Maxdorfer Haus im Horst und versorgt Bedürftige mit Essen und Kleidung. „Da gibt es alles, nur kein Repaircafé“, sagt Mosbach.
Über seine Nachbarschaft, Veranstaltungen des Netzwerks und die sozialen Medien fanden sich noch ein gutes Dutzend Hobbybastler im Alter zwischen 28 und 79 Jahren, die nun das Repaircafé-Team bilden. Darunter sind einige Ingenieure, aber zum Beispiel auch IT-Experten, Zahntechniker oder Bankangestellte. „Jeder hat andere Kompetenzen“, sagt Mosbach. Er selbst habe von seinem Großvater, der Zimmermann war, viel über Holz gelernt, schraube aber auch gerne an Elektrogeräten. „Was wir noch bräuchten, wären Frauen, die gerne Sachen reparieren“, sagt Mosbach. Das könnten technische Geräte, aber auch Kleidungsstücke sein. „Wir haben zum Beispiel niemanden, der nähen kann.“ Und ein paar Leute, die sich gerne um die Bewirtung mit Kaffee und Kuchen kümmern würden, würden auch noch gesucht.
Im Repaircafé soll es nämlich vor allem darum gehen, in gemütlicher Atmosphäre „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu leisten, sagt Mosbach. Eine Garantie, dass die defekten Gegenstände nach dem gemeinsamen Werkeln wieder funktionieren, gibt es nicht. Seine Befürchtung sei, dass Besucher mit der falschen Erwartungshaltung vorbeikommen. „Im Ludwigshafener Repaircafé war die Erwartungshaltung irgendwann so hoch, dass Leute davon ausgegangen sind, sie bringen ihre Sachen hin und können sie am nächsten Tag wieder abholen“, sagt Mosbach.
Spenden für Werkzeuge
Ihm gehe es neben der Idee, möglichst wenig wegzuwerfen, vor allem um den sozialen Aspekt. Die Reparatur ist für die Besucher prinzipiell kostenlos, um Spenden wird gebeten. Die Grundausrüstung für das Repaircafé stellen das Netzwerk Hilfe und die Ehrenamtlichen, weiteres Werkzeug soll dann durch die Spenden finanziert werden.
Das einzige, was im Repaircafé nicht repariert werden soll, sind Fahrräder. „Alles was Räder hat, verweisen wir an die Fahrradscheune“, sagt Norbert Mosbach. Diese Einrichtung des Maxdorfer Netzwerks Hilfe bietet Fahrräder und Reparaturen für Bedürftige an.
Ein Ziel, dass sich Norbert Mosbach für seinen Ruhestand gesetzt hat, ist, Schüler für Technik und Nachhaltigkeit zu begeistern. „Es geht immer mehr Wissen darüber verloren, wie die Dinge eigentlich funktionieren“, sagt er. Ihm schwebt etwa ein Kindertag im Repaircafé vor, bei dem nach Herzenslust geschraubt und ausprobiert werden kann, oder Projekte mit Schulklassen, wie es sie auch im Bad Dürkheimer Mehrgenerationenhaus gibt.
Noch Fragen?
Das neuinitiierte Repaircafé in Maxdorf findet ab dem 25. Juni jeden zweiten Donnerstag im Monat von 16.30 bis 18.30 Uhr und jeden vierten Sonntag im Monat von 15 bis 17 Uhr Im Horst 16 statt. Wer Interesse hat, dabei zu helfen und mitzuwerkeln, kann sich gerne bei Norbert Mosbach unter der Telefonnummer 0172 7472201 melden.