Rhein-Pfalz Kreis Mobilität und Miteinander

Der Laden läuft: Das Team der Fahrradscheune hat schon rund 250 Räder ausgeben können.
Der Laden läuft: Das Team der Fahrradscheune hat schon rund 250 Räder ausgeben können.

«Maxdorf.»Zwischen Rädern und Werkzeug hat sich in Maxdorf ein samstäglicher Treff entwickelt: Die Fahrradscheune des Netzwerks Hilfe ist ein Ort der Kommunikation geworden. Vor drei Jahren wurde sie gegründet, am Samstag das Bestehen mit einem Tag der offenen Tür gefeiert. Neben einer Besichtigung der Werkstatt in der Scheune, ging es vor allem ums Kontakte knüpfen und den Austausch zwischen Flüchtlingen und Dorfbewohnern.

Mit einer Essensausgabe für Flüchtlinge hat vor drei Jahren alles angefangen. Als dann ein paar Radbegeisterte auf die Idee kamen, auch für die Mobilität der damals noch in kleinen Hotelzimmern untergebrachten jungen Männer zu sorgen, war die Fahrradscheune der protestantischen Kirchengemeinde Maxdorf geboren. Der Platz neben der Christuskirche eignete sich gut und Fahrradspenden kamen recht schnell aus dem erweiterten Freundes- und Bekanntenkreis der Schrauber. Etwa 250 Räder konnten seitdem vermittelt werden. Helmut Roth ist einer der Fahrradscheune-Gründerväter. Anfangs hat er mit seinem Team noch recht blauäugig die Räder ausgegeben. Viele kamen kaputt zurück, andere verschwanden ganz. Daraufhin wurde ein Pfandsystem eingeführt mit einer hinterlegten Kaution. Kaum mobil, nutzten die Flüchtlinge ihre Fahrräder. „Da war ein Syrer total begeistert, als er auf der Autobahn nach Ludwigshafen fuhr, wie viele nette Leute ihm gewunken haben. Das hat uns dann dazu gebracht, auch Sicherheitskurse anzubieten“, erzählt Roth. Mittlerweile werden deshalb in Kooperation mit der Kreisverkehrswacht Fahrradkurse und Verkehrsregeln gelehrt. „Ohne eine Probefahrt und dem Nachweis der Fahrtauglichkeit, gibt es bei uns kein Rad mehr“, erklärt Christian Rothenberger, einer der acht Monteure. Jeder Helfer hat seinen namentlich gekennzeichneten Werkzeugkasten. An der Wand hängt das Werkzeug in dafür vorgezeichneten Feldern. Die Räder stehen dicht gedrängt oder hängen ebenfalls an der Wand. Während in der Werkstatt geschraubt wird, kümmert sich das Team um Sue Fröhlich und Uli Heilmann um Begegnung, Kommunikation und Organisation der Ausgabe. Das Ganze entwickelte sich schnell zum Integrationstreff. Anlässlich des kleinen Scheunenfests beim Tag der offenen Tür steht Pfarrer Stefan Fröhlich am Grill, es gibt Kaffee und Kuchen, die Scheune ist für Neugierige offen. Ortsbürgermeister Werner Baumann (CDU) nutzt die Chance, um den Dynamo seines Rads überprüfen zu lassen. Fadel Esmail weist ihn erst mal darauf hin, dass, falls er das Rad mal spenden will, der Schlüssel zum Fahrradschloss dabei sein sollte. Der gerade volljährig gewordene Flüchtling kam mit 16 Jahren zum Scheunenteam dazu und repariert heute regelmäßig Fahrräder. Vor allem als Dolmetscher wird er geschätzt. Denn es geht in der Scheune auch darum, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Deshalb gibt es auch Werkzeug zum Leihen, mit dem selbst repariert werden darf. Waren es früher überwiegend Männer, trauen sich heute verstärkt die Frauen aufs Rad. Nach dem großen Erfolg gingen ein paar Räder auch an die Gemeinden Lambsheim und Gönnheim. Dennoch sind die ehrenamtlichen Helfer stets auf Spenden angewiesen. Sie eint die Begeisterung fürs Rad und die Geselligkeit beim Fachsimpeln über schwierige Fälle. Noch Fragen? Die Fahrradscheune, Kirchenstraße 2, ist samstags von 10 bis 12 Uhr geöffnet.

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