Speyer Tüftler mit Erfolgsrezept

Haucht alten Geräten neues Leben ein: Karlheinz Usinger-Frieß.
Haucht alten Geräten neues Leben ein: Karlheinz Usinger-Frieß.

Am 10. Februar wird der mit 1250 Euro dotierte Umweltpreis der Stadt an das Repair-Café Speyer vergeben. Reparieren statt wegwerfen ist der Gedanke, der die Ehrenamtlichen seit Oktober 2013 dazu antreibt, sich einmal monatlich mit Hilfesuchenden zu treffen und an kaputten Dingen zu tüfteln. Was treibt die Aktiven an?

Mit dem Preisgeld sei die Miete für die Räumlichkeiten in der Quartiersmensa Q+H erst einmal gesichert, erzählt Karlheinz Usinger-Frieß, der das Repair-Café ins Leben gerufen hat. Ansonsten werde man untereinander beratschlagen, wofür das Geld noch verwendet werden könnte. Üblicherweise gebe das Repair-Café Spenden, über die es zu großen Teilen finanziert wird, für Anschaffungen wie Verbrauchsmaterial und Werkzeug aus. „Pro Termin schauen wir uns etwa 30 Gegenstände an“, erzählt Usinger-Frieß. In letzter Zeit seien es eher mehr. Dinge wie elektrische Geräte und Elektronik seien am häufigsten vertreten. Seit der Gründung 2013 hätten sich die Ehrenamtlichen 1500 Sachen angeschaut. Die Erfolgsquote liege etwa bei der Hälfte. „Das hängt stark von der Art des Gegenstands ab“, sagt Usinger-Frieß. Elektronische Geräte seien am einfachsten zu reparieren. Für das Team vom Repair-Café sei der Preis eine Bestätigung ihrer ehrenamtlichen Arbeit gewesen. „Es haben sich alle sehr gefreut.“ An Mitgliedern mangle es ihnen nicht. Für die Treffen könne auf einen Pool aus 25 Helfern zurückgegriffen werden. „Unsere Stammmannschaft ist seit Jahren unverändert“, sagt Usinger-Frieß. In der Regel seien immer 15 bis 17 Leute bei einem Termin dabei. „Das ist gut, wenn es jemandem zeitlich mal nicht passt.“ Mitmachen würden Handwerker, Ingenieure und Leute, die einfach gerne reparieren. Einige davon seien Rentner, viele stünden aber noch im Berufsleben und müssten das Repair-Café mit dem Job vereinbaren. Über die Jahre habe es immer wieder Kooperationen mit anderen Repair-Cafés gegeben, wie Germersheim, Landau, Leimen, Heidelberg und Bad Kreuznach. Im Oktober 2015 gab es ein Netzwerktreffen, bei dem sich die Repair-Cafés bis über die Region hinaus zum Informationsaustausch in Speyer trafen. Im März 2017 hätten die Speyerer Tüftler mit den Kollegen aus Mannheim und Heidelberg ein Repair-Café für einen Tag im Luisenpark eröffnet. Die Rückmeldungen der Leute hat Usinger-Frieß bisher als positiv empfunden. Auch wenn es nicht klappe, etwas zu reparieren, seien sie doch froh, wenn sie wüssten, woran es lag. Der Erfolg ist seiner Ansicht nach vor allem in der gemütlichen Atmosphäre begründet. „Ich sehe das als erweiterte Nachbarschaftshilfe“, sagt Usinger-Frieß. Bei Kaffee und Kuchen können zum Überbrücken der Wartezeit nette Gespräche geführt werden. Auch darum kümmern sich freiwillige Helfer. Auf sein eigenes Verhalten habe die Arbeit im Repair-Café abgefärbt, sagt er. „Ich weiß jetzt, was alles beim Reparieren möglich ist und gebe weniger schnell auf.“ In die Zukunft blickt er zuversichtlich und glaubt daran, dass es das Repair-Café noch länger geben wird. Am 10. Februar ist nicht nur Tag der Umweltpreis-Vergabe, sondern ab 14 Uhr auch wieder Repair-Café, wie jeden zweiten Samstag im Monat – diesmal schon zum 53. Mal.

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