Mutterstadt Neujahrsempfang: Zuversicht als Motto der Gemeinde
„Trotz der weltweiten Krisen müssen wir uns glücklich schätzen, dass wir hier in unserer Region leben dürfen“, sagte Thorsten Leva. Zuvor hatte er in seiner Begrüßung die Aufgabe der beiden ihm zur Seite stehenden Schornsteinfeger Michael Fußer und Michael Rutz genau definiert: „Sie sollen uns allen Glück bringen.“ Man sei hier von Krieg und Naturkatastrophen verschont und in der Lage, Schutzbefohlenen Unterkünfte zu stellen, selbst wenn man dabei an Grenzen gelange, sagte der Ortschef. Auch wenn gefühlt bis 2023 alles schlechter geworden sei, sei die Inflationsrate nunmehr rückläufig, würden die Energiepreise wieder sinken, seien erneuerbare Energien auf dem Vormarsch und ein Umdenken in der Bevölkerung erkennbar. „All das sind hoffnungsvolle Signale“, betonte er.
Die große Politik sei zwar nicht beeinflussbar, vor Ort jedoch könne viel bewegt werden. Das werde nicht zuletzt an den tollen Sport- und Kulturveranstaltungen sowie an einem lebendigen Vereinsleben sichtbar. Ganz konkret sichtbar wurde das beim Neujahrsempfang mit einem filmischen Rückblick.
Gardetanz und Sternsinger
Dem Gardetanz der Hopser des MCV „Die Geeßtreiwer“, nicht im Film, sondern live auf der Bühne, bei dem die Drei- bis Sechsjährigen eine hinreißende Darbietung zeigten, war der Bürgermeister im Programmablauf versehentlich zuvorgekommen, was er humorvoll kommentierte: „Bei der Einhaltung des Programms sowie beim Fassbieranstich ist noch Luft nach oben.“ Auf zuvor gezeigten Bildern aus dem Vorjahr war zu sehen, dass Thorsten Leva mehrere Hiebe benötigte, bis das Kerwebier endlich floss.
Begeisterten Applaus erhielten auch Tanzmariechen Sofia (neun Jahre) sowie die Jugendgarde (sechs bis elf Jahre) für ihre originelle Choreografie. Julia Berkel und ihre Sternsinger stellten das Motto der Sternsingeraktion „Gemeinsam für unsere Erde – in Amazonien und weltweit vor“ und sprachen dem Palatinum wie bereits in den vergangenen Tagen zahlreichen Haushalten in Mutterstadt den Segen aus. Für die musikalische Unterhaltung beim Empfang sorgte die Mutterstadter Blaskapelle.
Zahlreiche Neujahrsvorhaben
Derzeit zähle die Gemeinde 13.993 Einwohner, informierte Thorsten Leva in seiner Neujahrsrede. Denen konnte der Ortschef mitteilen, dass die Sanierung der Pestalozzi-Sporthalle im März fertig sein solle. Außerdem werde fest mit dem Baubeginn der Kita und der Erweiterung der Pestalozzi-Schule zum Kindercampus gerechnet. Ebenso stehe in der Mandelgrabenschule die Generalsanierung des Daches an. Die Aufgabe, Asylsuchende dezentral unterzubringen, werde gut gemeistert, dennoch schaffe man die Möglichkeit, weitere Container aufzustellen.
Mitte des Jahres soll der Jugendtreff eröffnet werden, zudem seien Mittel für eine Generalsanierung der Gemeindebibliothek bereitgestellt, verkündete der Bürgermeister. Für das geplante Neubaugebiet Südwest kaufe die Gemeinde nach wie vor Grundstücke an, und das Projekt Straßenbahnanschluss am Alten Friedhof werde weiterverfolgt. Außerdem werde die Eröffnung von Edeka Stiegler in der Fohlenweide erwartet. „Lassen Sie uns das Jahr mit Zuversicht angehen, lassen Sie uns Mutterstadt leben!“, schloss Thorsten Leva seine Rede.
Narren stürmen die Bühne
Mit einer Tradition will der Bürgermeister jedoch brechen. „Wie Sie ja wissen, bin ich Banker, und wir müssen in der Verwaltung sparen, den Rathausschlüssel und das Geldsäckel werde ich nicht kampflos herausgeben“. Sofern sich „Die Geeßtreiwer“ ruhig verhielten, würde er einfach zum nächsten Programmpunkt übergehen. Doch da stürmte aus dem Saal mit lautem Ahoi eine Horde der Narren auf die Bühne. Sie hängten Leva die Bürgermeisterkette um und verkündeten die Regularien. Demnach muss er diese bis nach dem Fasnachtsumzug zu allen öffentlichen Terminen tragen. „Es gibt nix“, beteuerte der noch, doch nach einer gründlichen Leibesvisitation fanden die „Geeßtreiwer“ schließlich das Säckel in seiner Hosentasche. „Hans-Dieter hat es immer freiwillig hergegeben“, hielt die zweite Vorsitzende, Monika Poignée, dem Amtsnachfolger vor. Schließlich verpasste sie dem Bürgermeister ein blaues Riesenlätzchen mit Ziegenkopf, das bei jedem Mittagessen zu tragen sei, und drohte Strafen an.
Der anschließende Auftritt der Gitarristen Florian Gallant und Jens Lorbeer kamen beim Publikum bestens an. „Halleluja“ von Leonard Cohen wurde von vielen lautstark mitgeträllert. „Wenn wir gewusst hätten, dass Sie alle so gut singen“, freute sich das Duo.