Harthausen RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Wehrführung will Bürger stärker einbeziehen

Das Führungsteam der Freiwilligen Feuerwehr Harthausen: Frank Sammet (links) und Tobias Seitzmayer.
Das Führungsteam der Freiwilligen Feuerwehr Harthausen: Frank Sammet (links) und Tobias Seitzmayer.

Harthausens Wehrführer Frank Sammet hat mit Tobias Seitzmayer einen neuen Stellvertreter zur Seite gewählt bekommen. Das Führungsteam der örtlichen Feuerwehr hat sich für dieses Jahr vorgenommen, die Bürger stärker einzubeziehen und etwas zu pflegen, was zuletzt zu kurz kam.

Tobias Seitzmayer ist bereits Vorsitzender des Feuerwehr-Förderkreises St. Florian und stellvertretender Jugendwart. „Ich bin das Mädchen für alles“, sagt der 30-Jährige und schmunzelt. Er kam vor zehn Jahren als Quereinsteiger zur Feuerwehr. „Für mich ist die Wehr nicht nur ein Hobby, sondern eine Berufung“, sagt Seitzmayer. Er und sein Kamerad Frank Sammet, der seit 2011 Harthausens Wehrführer ist, schätzen an ihrem Ehrenamt, dass sie dabei fürs Leben lernen und auch Synergien mit Blick auf das Berufsleben entstehen. „Ich lerne auf der einen Seite etwas dazu, was ich auf der anderen Seite wieder gebrauchen kann“, sagt der 43-jährige Sammet, der als Elektrotechniker bei der BASF arbeitet. Seitzmayer ist dort als Schichtführer in der Produktion beschäftigt.

Fingerspitzengefühl gefragt

2020 wurde die Harthausener Wehr zu knapp 70 Einsätzen gerufen. Die Anzahl sei ähnlich wie in den vergangenen Jahren, sagt Sammet. Den Kameraden ist besonders der Brand eines Wohnhauses im Gewerbegebiet Pfaffensee im Juli in Erinnerung geblieben, weil die Familie bereits von der Gasexplosion vor rund sieben Jahren betroffen war, als ein Gas-Tank in deren Lagerhalle geflogen sei, erzählt Sammet. Ein solches, in diesem Fall sogar wiederholtes Unglück erfordert von den Wehrleuten Fingerspitzengefühl. „Wir können den Menschen gut zureden, aber es ändert die Situation nicht“, sagt der Wehrführer.

Harthausens Feuerwehr hat derzeit 18 aktive Mitglieder. Die Personallage sei nicht schlecht, sagt Sammet. Allerdings gebe es immer wieder Fluktuation, etwa wenn junge Feuerwehr'ler den nachvollziehbaren Wunsch nach einem Eigenheim hätten und wegzögen. Oder eine Familie gründeten. „Ich hatte Bedenken, weil bei jedem Zweiten Nachwuchs anstand, aber es funktioniert und darauf sind wir stolz“, freut sich der Wehrführer. Denn die Arbeit bei der Feuerwehr nimmt Zeit in Anspruch. „Pro Einsatz sind locker ein paar Stunden weg“, sagt Seitzmayer. Hinzu kommen Übungsabende und Ausbildungslehrgänge, die derzeit wegen der Pandemie aber nicht wie gewohnt abgehalten werden können.

Ausfallen müssen auch die für die Nachwuchsgewinnung so wichtigen Treffen der Jugendfeuerwehr, die im Gerätehaus in Dudenhofen stattfinden. Normalerweise werden die fünf Harthausener Kinder sowie der Nachwuchs aus Hanhofen mittwochs abgeholt und zur Übung nach Dudenhofen gefahren. Nun wird sich mit Lernaufgaben ausgeholfen, die die Kinder zu Hause erledigen können. Bisher hätte noch kein Jugendfeuerwehr'ler die Lust verloren, „aber mal sehen, wie lange uns Corona noch beschäftigt“, sagt Sammet.

„Situation nicht optimal“

Die Hygienevorschriften, die von den Wehrleuten strikt eingehalten werden müssen, damit im Falle einer Infektion die Einsatzfähigkeit nicht gefährdet ist, verhindern auch die Kameradschaft. Ein Faktor, der zur Feuerwehr eigentlich dazugehört. Deshalb will die Wehrführung im Sommer, wenn es wieder möglich ist, Aktivitäten für die Mannschaft und deren Familien organisieren. Auch als Dank für den zuverlässigen Dienst der Wehrleute in dieser stressigen Zeit, sagt Sammet. Der Frühschoppen für die Bürger Ende Mai werde aufgrund des organisatorischen Aufwands dagegen nicht stattfinden.

Sammet und Seitzmayer planen stattdessen – sobald es möglich ist – auch mal im Ort zu üben, damit die Bürger zuschauen können. Denn es gebe immer wieder Harthausener, die nicht wüssten, dass es im Dorf einen eigenen Feuerwehr-Standort gibt. Das liegt auch daran, dass die Feuerwache unscheinbar in einer Seitenstraße liegt. Die dortige Situation mit einer kleinen Halle für nur ein Fahrzeug sowie dem fehlenden Platz für Ausrüstung und weitere Stellplätze sei alles andere als optimal, sagt der Wehrführer. Er hofft deshalb, dass sich der angedachte Gerätehaus-Neubau am Ortseingang Richtung Hanhofen „nicht ewig hinauszögert“.

Zur Sache: Einsatzjahr der anderen Wehreinheiten

In der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen gibt es außer der Feuerwehr in Harthausen Wehreinheiten in Römerberg sowie für Dudenhofen/Hanhofen. Die 107 aktiven Mitglieder hatten im vergangenen Jahr 313 Einsätze. Davon waren 242 technische Hilfeleistungen, wie etwa bei 18 Verkehrsunfällen, Ölspuren oder Gasgeruch. 20 Mal stellte sich ein Alarm als Fehlalarm heraus.

Für dieses Jahr rechnet Wehrleiter Stefan Zöller damit, dass die Feuerwehr weiter „mit angezogener Handbremse fahren muss“. Das bedeutet, dass aufgrund des Lockdowns zum Beispiel weiterhin kein Übungsbetrieb „in Standardform“ stattfinden kann. „Vielleicht können wir ein bisschen was auf online umstellen“, sagt der Wehrleiter. Er hofft, dass Atemschutz- oder Sprechfunklehrgänge auf Kreis-Ebene bald wieder – „wenn auch anders als gewohnt“ – angeboten werden, damit der Nachwuchs nicht verloren geht. Dieser stehe in der Pipeline und brauche die Ausbildungen, sagt Zöller. Dieses Jahr wird es auch mit den Planungen für die Erweiterung und den Umbau des Feuerwehrgerätehauses in Dudenhofen weitergehen, außerdem will die Wehr bei den vorgesehenen Gerätehaus-Neubauten in Mechtersheim und Harthausen weiterkommen. Diese Projekte stehen aber noch ganz am Anfang, es geht erst einmal um Grundstücksfragen.

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