Schifferstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neue JSA-Leiterin: Ein Faible für den Strafvollzug

Fühlt sich wohl an ihrem neuen Arbeitsplatz: Marina Maier ist die Nachfolgerin von Klaus Beyerle.
Fühlt sich wohl an ihrem neuen Arbeitsplatz: Marina Maier ist die Nachfolgerin von Klaus Beyerle.

Leute im Landkreis: Bis Marina Maier Leiterin der Jugendstrafanstalt Schifferstadt geworden ist, ist sie erst einmal quer durch die Republik gezogen. Mittlerweile ist sie in der Vorderpfalz angekommen. Und jetzt auch auf dem Chefsessel der JSA gelandet. Der war immer ihr Ziel.

Das Gespräch mit Marina Maier findet noch im Büro statt, das sie in den vergangenen Monaten als stellvertretende Leiterin der Jugendstrafanstalt (JSA) Schifferstadt bezogen hatte. Blumensträuße stehen da. Maier hat vor Kurzem erst ihren 42. Geburtstag gefeiert. Mittlerweile ist die Nachfolgerin von Klaus Beyerle in das Büro der Leiterin der JSA umgezogen. Die letzten Malerarbeiten haben den Umzug noch ein bisschen hinausgezögert.

Maier ist in München geboren. In der bayerischen Landeshauptstadt hat sie auch ihr Abitur gemacht. Danach ging es in den hohen Norden – zum Jurastudium nach Hamburg, wo sie beide Staatsexamen abgelegt hat. Um im Bild zu bleiben: Auf dem Rückweg ist sie auf halber Strecke hängen geblieben – in Speyer, an der Deutschen Hochschule für Verwaltung, wo sie den Magister in Verwaltungswissenschaft gemacht hat.

Praxiserfahrung in Santa Fu

Auch wenn man genau hinhört, merkt man nicht, dass Maier aus München kommt. „So einen ganz krassen Dialekt habe ich nie gesprochen. Und als ich dann nach Hamburg gekommen bin, habe ich ihn mir ganz abgewöhnt“, sagt sie und lächelt. Da drängt sich die Frage auf, wie sie in der Pfalz mit den hiesigen sprachlichen Gepflogenheiten zurecht kommt. Ja, sie verstehe Pfälzisch. „Angeeignet habe ich es mir aber noch nicht.“ Ihr Faible für den Strafvollzug hat sie in Hamburg entwickelt. Im Rahmen des Referendariats habe sie drei Monate in der Justizvollzugsanstalt Hamburg-Fuhlsbüttel, auch bekannt als Santa Fu, die Praxis kennengelernt.

„Ich wollte schon immer in den öffentlichen Dienst. Ich hab’s ausprobiert und mich dann gezielt beworben“, sagt Marina Maier.

2011 kam sie nach Speyer, seit 2012 arbeitet Maier im Strafvollzug. Begonnen hat die Karriere in der JVA Rohrbach zwischen Gau-Bickelheim und Wöllstein. Danach ging es über die JVA in Koblenz und die JVA Frankenthal zur JVA Ludwigshafen – jeweils in der Position der stellvertretenden Leiterin. „Frankenthal hätte eigentlich schon die Endstation sein können. Doch dann hat sich die Vakanz in Ludwigshafen ergeben. Nach zehn Jahren im Regelvollzug hat sich der Wechsel angeboten“, erläutert Maier. Damit zielt sie darauf ab, dass die Einrichtung in Ludwigshafen eine JVA mit sozialtherapeutischem Schwerpunkt ist.

Und jetzt hat sie sich noch mal für was ganz anderes entschieden – den Jugendstrafvollzug in Schifferstadt. Die Rettichmetropole kannte Maier, die mit ihrem Mann und Hund Lotte im Raum Grünstadt wohnt, bis dahin nicht wirklich. Aber die Nachfolge von Klaus Beyerle sei ein guter nächster Schritt gewesen.

„Traumhafte“ Bedingungen

Die Anstalt hat sie schätzen gelernt: „Zwölf Hektar Fläche, eine traumhafte Anstalt. Man hat hier viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Der Betreuungsschlüssel ist anders im Vergleich zum Erwachsenenvollzug“, sagt Maier. Heißt: In Schifferstadt kümmern sich im Schnitt mehr Betreuer um die Häftlinge. „Wir haben mehr Sozialarbeiter. Das erlaubt eine intensivere Betreuung“, erläutert Maier. Der Fokus liege auf der Schulbildung der Insassen. Diese könnten in der JSA den Haupt- oder den Realschulabschluss machen.

Seit 1. Januar dieses Jahres ist Maier schon in der JSA, in der aktuell 170 von 234 Plätzen belegt sind. Schnell habe sie die Abläufe verinnerlicht, gut sei sie aufgenommen worden. Derzeit sei sie noch dabei, sich einen Überblick zu verschaffen. „Im kulturellen und sportlichen Bereich ist immer schon viel gelaufen in der Anstalt“, berichtet sie. Da sei kein Nachholbedarf. Sie erinnert an die Kooperation mit der Sepp-Herberger-Stiftung und die Aktion „Anstoß für ein neues Leben“. Im kulturellen Bereich laufe gerade ein Impro-Theaterprojekt mithilfe des Seelsorgers. Und demnächst komme eine Ausstellung in die JSA in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte KZ Osthofen.

Eine Frau in Leitungsposition – das ist für Maier im rheinland-pfälzischen Strafvollzug nichts Außergewöhnliches. Fünf der elf Anstalten würden von einer Frau geleitet oder hätten eine stellvertretende Leiterin. Eine Pionierstellung habe sie also nicht. „Aber für mich fühlt es sich schon besonders an“, gibt sie zu. Und es sei schön, dass es in dieser Anstalt passiere.

Ein Arbeitsplatz hinter Gittern – das falle ihr in Schifferstadt kaum auf, sagt Marina Maier. Ein beklemmendes Gefühl habe sie nie. Die 42-Jährige beschreibt sich als interessiert, unkompliziert und gelassen. „Was man nicht ändern kann, ist eben so.“ Stur sei sie, und sie habe Prinzipien. Lieber verzichte sie auf etwas, als dass am Ende nichts Gescheites dabei herauskomme. Die Gelassenheit helfe ihr im Berufsalltag. Denn schließlich weiß sie, dass sie mit den Rahmenbedingungen einer Behörde zurechtkommen muss. „Wir sind eben an gewisse Beschaffungsvorgänge gebunden. Und wir müssen uns danach richten, was das Budget hergibt“, erklärt sie.

Eine Schwäche habe sie: „Ich kann bei Schokolade nicht nein sagen. Und hier steht fast in jedem Büro etwas Süßes.“ Na ja, wenn das am Ende alles ist, womit sie in Schifferstadt zu kämpfen hat, dann wird sich Marina Maier nicht beschweren.

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