Leute im Landkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Klaus Beyerle, Leiter der JSA Schifferstadt, geht in Ruhestand

Hat jetzt mehr Zeit für Wandern, Radtouren und Enkelbetreuung: Klaus Beyerle.
Hat jetzt mehr Zeit für Wandern, Radtouren und Enkelbetreuung: Klaus Beyerle.

Irgendwann muss Schluss sein. Für Klaus Beyerle gilt das in Sachen Arbeitsleben etwas früher. Planmäßig. Der Leiter der Jugendstrafanstalt Schifferstadt verabschiedet sich in den Ruhestand. Die Nachfolge ist geregelt, was ihn beruhigt. Langweilig wird ihm nicht. Dafür hat er zu viele Pläne.

Klaus Beyerle geht es beim Gedanken an den Ruhestand gut. Das sagt er, und man darf es ihm auch guten Gewissens glauben. Er lacht sehr viel beim letzten Gespräch, das er als Leiter der Jugendstrafanstalt (JSA) Schifferstadt mit der RHEINPFALZ führt. Mit 63 Jahren ist er eigentlich noch gar nicht reif für die Rente. „Aber viele Freunde und Kumpel sind schon in Ruhestand“, erzählt er. Und da sei eben auch bei ihm die Frage aufgekommen, ob er es bis zum Schluss durchziehen müsse.

Er hat sie für sich selbst mit nein beantwortet. Am 23. März ist sein letzter Arbeitstag. Am 30. April gibt er den Staffelstab offiziell weiter an Marina Maier, die seine Nachfolgerin wird und aktuell schon als stellvertretende Leiterin in der JSA, der einzigen Einrichtung dieser Art in der Pfalz, aktiv ist. Es gibt einige Gründe, warum sich Klaus Beyerle dafür entschieden hat, schon etwas früher in Ruhestand zu gehen. „Ich bin gesundheitlich fit. Und ich habe mir überlegt, dass man die Zeit ja auch noch anders nutzen kann“, sagt er und lacht.

Auf 34 Jahre im Vollzug kann er zurückblicken. 21 davon war er Leiter der JSA Schifferstadt, die er 1991 auch mit aufgebaut hat. „Es ist ein abwechslungsreicher Job, in dem man viel erlebt. Der Vollzug hat sich über die Jahre verändert. Und die Anstalt hat sich angepasst“, blickt er zurück. Und noch etwas hat sich geändert: „Ich habe jetzt vom Alter her eine größere Distanz zu den Häftlingen“, meint er und lacht wieder.

Reingerutscht in den Vollzug

Nach einem Jahr als Rechtsanwalt sei er als Jurist mehr oder weniger reingerutscht in den Bereich Vollzug. „Ich habe mir gedacht, das könnte interessant werden. Und das hat sich bestätigt“, sagt Beyerle, der aus Hinterweidenthal stammt. Seinen Arbeitsplatz, die JSA, empfindet er noch immer als „etwas Besonderes“. Egal wohin man blicke, wenn man die Gebäude verlasse sehe man viel Grün. Das unterscheide die JSA von „normalen“ Gefängnissen für Erwachsene.

Beyerle erinnert sich noch gut an den Tag der offenen Tür, bei dem die Anstalt den Schifferstadtern präsentiert wurde: „Viele haben es damals als Jugenddorf wahrgenommen. Aber wir haben hier auch Stacheldraht, Kameras und andere Überwachung. Sicherheitstechnisch sind wir vergleichbar mit jeder anderen JVA.“

Geld für Suchtberatung und Sportangebote

2008 habe das Gesetz für den Jugendvollzug vieles einfacher gemacht. Auf einmal sei Geld dagewesen. Geld, das in Suchtberatung, Sportangebote, Übergangsmanagement oder Therapie floss und fließt. Gerade im Sport hat die JSA in den vergangenen Jahren den Insassen immer wieder etwas angeboten. Etliche Spitzensportler haben in der JSA vorbeigeschaut. Die Fußball-Weltmeister Fritz Walter und Horst Eckel waren da, Ex-Weltschiedsrichter Markus Merk, Torwart-Titan Oliver Kahn und Leichtathletik-Olympiasieger Dieter Baumann ebenso. „Und das wird auch goutiert. Als zum Beispiel Horst Eckel da war, war es in der Halle mucksmäuschenstill. Da wurde zugehört“, erinnert sich Beyerle. Die Sportveranstaltungen seien jetzt – nach der Pandemie – wieder möglich.

Den Jugendstrafvollzug hat der 63-Jährige als Erziehungsvollzug verstanden. Das sei auch mit ein Grund, warum er Schifferstadt treu geblieben sei. „Es gab Möglichkeiten ...“, meint er lächelnd in Richtung potenzieller beruflicher Veränderungen, die sich über die Jahre aufgetan hätten. „Jugendvollzug, das ist Erziehung. Man kann nachhaken, bohren, wo noch Entwicklungsbedarf ist.“ Denn der Entwicklungsprozess sei bei den Insassen der JSA, die derzeit im Schnitt 20 Jahre alt sind, noch nicht abgeschlossen.

Zufrieden beim Rückblick

Klaus Beyerle blickt zufrieden auf seine Dienstjahre in der JSA im Industriegebiet Süd zurück. „Ich glaube, so viel haben wir nicht verkehrt gemacht. Wir haben die Möglichkeiten gut umgesetzt, immer wieder Sachen angeboten.“ Dabei habe er sich immer auf das Team der JSA verlassen können. Etwa 200 Leute sind dort beschäftigt in den verschiedensten Bereichen. Von oben runter, das sei nie seine Art gewesen. „Das Team hat die Freiheiten gut genutzt.“ Er selbst sieht sich als Teil des Ganzen. „Das Team hat’s erreicht. Ich habe die Rahmenbedingungen geschaffen.“

Nicht eine Entweichung (Flucht) habe es in seiner Amtszeit gegeben. Die Kontakte zur Stadt seien gut. „Wir standen nie im Brennpunkt. Die Stadt und die Bürger können gut mit der JSA leben“, sagt Beyerle. Was auch mit der abgeschiedenen geografischen Lage im Industriegebiet zu tun habe. Einmal sei die JSA in die Schlagzeilen geraten, als sich im Oktober 2019 der Mörder der 15-jährigen Mia in seiner Zelle umgebracht habe.

Verändert haben sich über die Jahre die Gefangenen. „Wir haben heute viel mehr mit psychischen Auffälligkeiten. Da sind wir ein Spiegelbild der Gesellschaft“, sagt er. Die Drogenproblematik sei groß. „Fast bei allen, die neu zu uns kommen, gibt es einen positiven Test.“ Suchtberatung und Vermittlung an Therapieeinrichtungen gehöre daher auch dazu.

Keine Probleme an den Esstisch bringen

An den Esstisch zu Hause bei der Familie habe er die Probleme, egal welcher Art, nie mitgebracht. „Aber in den Nächten ist mir oft vieles durch den Kopf gegangen. Einige Entscheidungen sind über Nacht gefallen“, sagt er und lacht. Der Schreibtisch ist gut aufgeräumt. „Darauf habe ich aber immer Wert gelegt“, gesteht er. Die Regale sind allerdings schon teilweise geleert. Manche Dinge haben bereits den Weg nach Hause geschafft.

Zu Hause, das war und ist für ihn die Pfalz. In Römerberg hat er sich mit seiner Familie niedergelassen. Er muss schmunzeln, wenn er sagt: „Ich werde die Freiheit genießen.“ Ein Wohnmobil wolle er sich nicht kaufen. Beim Stichwort Cabrio kommt er schon eher ins Grübeln. Aber erst mal werden es wohl die kleinen Dinge sein, die er ebenfalls genießen wird: „Ich kann morgens im Bett liegen bleiben, mich noch mal rumdrehen.“ Und dann spricht ja nichts gegen ein paar Steigerungen. Wander- und Radtouren sowie Kurzreisen mit seiner Frau hat er sich fest vorgenommen. „Und seit anderthalb Jahren ist auch noch die Enkelbetreuung dazugekommen.“

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