Tour de Pfalz (6 und Schluss) RHEINPFALZ Plus Artikel Mit dem Kanu auf den Altrhein: Im Reich Tullas und der Walrösser

Man findet eigentlich immer noch ein halbwegs ruhiges Plätzchen für eine Rast am Ufer.
Man findet eigentlich immer noch ein halbwegs ruhiges Plätzchen für eine Rast am Ufer.

Wer nicht übers Wasser laufen kann, muss Fahren. Kleine Fluchten ermöglicht das gute alte Gummiboot. Es muss nicht einmal rot sein. Das passt in einen großen Rucksack und ist flott aufgepumpt. Dank der Rheinbegradigung sind ein paar wunderbare Seitenarme des großen Stroms entstanden, die echte Paddlerparadiese sind.

Sonnencreme ist sehr zu empfehlen. Eine Flasche Wasser auch. Und ein Picknick. Aber das ist alles Pillepalle. Ein absolutes Muss ist die Finne. Nein, das ist keine Skandinavierin, sondern die Heckflosse am Boot. Wenn die fehlt, sind auch stabile langjährige Beziehungen gefährdet. Wir wissen, wovon wir reden. Wir sind am Otterstadter Altrhein ohne gestartet und haben uns nur im Kreis gedreht. Nach fünf Minuten war klar: Da hilft nur umdrehen und das kleine Plastikteil, das vielleicht halb so groß ist wie eine Postkarte, unterm Rumpf zu befestigen.

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Die Rede ist von unserem Corona-Sport. Es war ein Tipp des Landauer RHEINPFALZ-Fotografen Paul van Schie, eines leidenschaftlichen Kanuten. Jedenfalls haben wir uns in der Hochphase der Pandemie ein aufblasbares Kanu zugelegt, keines von den schlabberigen Badebooten, sondern ein halbwegs professionelles aus einem dicken, gummierten Gewebe. Wencke Myhre hat das einst besungen: „Er hat ein knallrotes Gummiboot ...“ Damit kann man sich wie am Amazonas fühlen, ohne die Pfalz zu verlassen.

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Im Kanu auf den Altrhein: Was dabei zu beachten ist

Bequemen Startpunkt ausgesucht

Der Zweisitzer eines tschechischen Herstellers wiegt etwa 18 Kilo und steckt in einem Packsack, den man sich auf den Rücken laden kann. Größere Wanderungen sollte man sich damit aber nicht vornehmen. Es gibt aber auch noch kleine Bootswägelchen, die aus nicht viel mehr als zwei Rädern und einer Achse bestehen. Die kann man anschließend hinten aufs Bootsheck packen. Wir haben jedoch den leichteren Weg gewählt und die Altrheinklause bei Waldsee (Rhein-Pfalz-Kreis) angesteuert. Da riecht es sehr lecker, und nach der Tour auf dem Wasser kann man sich dort gut auf der Terrasse stärken. Vor allem aber kann man rasch im Wendehammer gleich am Deich das Boot ausladen und das Auto 150 Meter weiter auf dem großen Parkplatz abstellen.

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Aufgepumpt und startklar ist das Boot in kaum mehr als zehn Minuten. Bis zum Wasser – angeblich sind es 262 Hektar – sind es kaum mehr als 100 Schritte. Schon nach ein paar Minuten liegt der lebhafte Badestrand hinter einem. Im Norden sind es nur noch ein paar hundert Meter bis zum offenen Rhein, und dort herrscht lebhafter Betrieb mit Jetskis und teils stark motorisierten Jachten, denen man nicht in die Quere kommen sollte. Also paddelt man am besten in Richtung Süden, da erstreckt sich eine nahezu komplette Altrhein-Schleife vor dem Bug.

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Die Schnaken lieben den Altrhein ebenfalls

Tulla sei Dank! Denn der alte Johann Gottfried, ein aus Karlsruhe stammender Ingenieur, hat im 19. Jahrhundert den Oberrhein schiffbar gemacht, indem er die vielen Schleifen des friedlich vor sich hin mäandernden Flusses durchstochen hat. Beiderseits des heutigen Flussbetts sind etliche Kringel, zumeist Naturschutzgebiete, übrig geblieben, die sich heute zum Schwimmen und für den Wassersport bestens eignen. Gut, mit einer Einschränkung: Die Schnaken lieben das Revier auch. Genauer: seine Besucher.

Eine Folge des Tullaschen Wirkens ist es auch, dass man das Bundesland wechseln kann, ohne den Rhein überquert zu haben: Die Landesgrenze verläuft noch immer in der Mitte des alten Rheinverlaufs, weshalb die Kollerinsel, obgleich durch den heutigen Hauptstrom vom Mutterland abgetrennt, zu Baden-Württemberg gehört.

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Wir folgen erst einmal dem Ufer, das schon bald dicht bewaldet ist. Das gilt auch für die langgestreckten Inseln, die den Altrhein in zwei Arme teilen. Nicht alles scheint ursprünglicher Fluss zu sein, offenbar hat der Kiesabbau erheblich dazu beigetragen, die Wasserfläche zu vergrößern. So gibt es nun außer dem eigentlichen Altrhein auch noch ein paar Wasser-Sackgassen, aber auch die große Fläche des Kollersees, auf dem sich auch etliche Segler tummeln. Am Ufer gibt es Campingplätze, aber der größte Teil ist wilde Natur. Da spiegeln sich die Bäume, die mit ihren Wurzeln im Wasser stehen, auf der stillen Wasserfläche, silbrig-grüne Weiden lassen ihre Zweige wie einen Vorhang herabhängen. Ein Fischreiher schaut grimmig und flüchtet verärgert.

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Was man lieber nicht sehen möchte

Ab und an kreuzen eine Entenfamilie oder ein einsamer Schwan den Weg. Des Öfteren auch Stand-up-Paddler, die elegant übers Wasser gleiten. Bei einer jungen Frau sitzt sogar ein kleiner Hund am Bug, der eine Schwimmweste zu tragen scheint. Und ja – es gibt auch Dinge, die man lieber nicht sehen würde: rot verbrannte Menschen, die wie Walrosse am Ufer dösen und genauso wenig Textilien wie die Meeresbewohner tragen. Aber egal. Ein paar Paddelschläge weiter hat man die Natur auch wieder für sich, sogar an einem lebhaften Sommersonntag.

Auch ein Plätzchen für ein Picknick a la Robinson findet sich – zum Beispiel auf der urwaldartig bedeckten Leberwurstinsel, die mit ein paar sandigen Buchten lockt. Benannt ist sie offenbar nach des Pfälzers Leibspeise, auch wenn sie nicht ganz so schön gekrümmt ist wie ein Ringel Hausmacher. Wenn dann doch die Hände brennen oder die Schultern schmerzen, kann man sich mit einem Sprung ins Wasser erfrischen.

Jedenfalls ist der Otterstadter Altrhein groß genug für einen Tag auf dem Wasser.

Manchmal fühlt man sich wie am Amazonas.
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Von der Altrheinklause aus paddelt man am besten in Richtung Süden.
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Autor dieser Folge: Sebastian Böckmann.
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