Tour de Pfalz (5)
Mit Dachsi den Göllheimer Wald entdecken
GÖLLHEIM. Der Picknick-Rucksack ist gepackt, meine Tochter Carly und ich sind bereit für eine kleine Wanderung durch den Göllheimer Wald. Dort führt uns das Maskottchen „Dachsi“ über einen Wanderweg, auf dem an sechs Stationen Interessantes über den Wald erklärt wird. Beim Parkplatz der Kriegsberghütte des Pfälzerwald-Vereins (PWV) entdecken wir die ersten Dachsi-Wegweiser, einen in Rot, einen in Gelb. Beide Wege sind barrierefrei, der rote ist mit zwei Kilometern Länge aber etwas anspruchsvoller. Wir laufen kurz in Richtung der PWV-Hütte, biegen dann aber rechts in den Wald hinein ab.
Die erste Dachsi-Station, an der wir vorbeikommen, ist nicht nur ein Insektenhotel oder ein Bienenhaus, wie Carly es identifiziert, sondern ein „Lebensturm“. Hier können Insekten, aber auch Vögel unterkommen. Dafür wurden oben Brutröhren, Nistkästen und Nistblöcke angebracht. Es gibt Bambus und Schilf für Wildbienen, Weizenstroh für Florfliegen. Ein Tonblumentopf mit Holzwolle gefüllt dient als Unterschlupf für Ohrwürmer. Außerdem gibt es Plätze für Holzbienen, Käfer, Wespen, Hummeln und Hornissen. Laub könnte einem Igel als Bleibe dienen. Von diesen Bewohnern sehen wir leider niemanden, dafür huscht eine kleine Maus ins oberste Stockwerk und bleibt in einem Asthaufen sitzen.
Picknick unter der Kastanie
Weiter geht es über den Waldweg, der leicht bergan führt. Wir beherzigen den Hinweis, die Wege nicht zu verlassen, um die Waldtiere nicht zu stören. Es gibt auch so genug zu sehen. Außerdem naht schon die nächste Station. Dort steht eine Bank aus Holz, die zu einer kurzen Rast einlädt. Passend dazu erklärt Dachsi, dass im Göllheim-Kerzenheimer Wald in einem Jahr über 5000 Kubikmeter Holz auf umweltfreundliche Art produziert werden. Damit könnte man 700 Haushalte etwa ein Jahr lang heizen.
Jetzt steht eine Entscheidung an: Folgen wir dem gelben, etwa 700 Meter kürzeren Weg oder der roten Route? Wir wollen die zwei Kilometer lange Strecke schaffen und entscheiden uns deshalb für die rote Alternative. Erst geht es ein Stück bergab, dann macht der Weg eine scharfe Kurve, es geht einen kleinen Berg hinauf. Wir kommen an schönen lila Blumen vorbei und sehen eine orange-braune Nacktschnecke, die gerade genüsslich ein Blatt verspeist. Auch wir bekommen langsam Hunger. Zum Glück ist die nächste Dachsi-Station der Picknickplatz. Unter den Blättern einer großen Kastanie stehen Tisch und Bank. Dort machen wir es uns gemütlich und packen unser Picknick aus.
Wir genießen die Ruhe und das Essen. Weiter geht es jetzt wieder bergab, sodass wir die nächste Station schon sehen können. Sie steht unter dem Motto „Wald tut gut!“. Hier gibt es einen großen Baumstamm, auf dem Carly sofort begeistert balanciert, außerdem wurde aus Ästen eine Art Zelt oder Tipi an einen Hang zum Spielen gebaut. Aufmerksamkeit erweckt ein Bauwerk, das aus mehreren breiten Balken besteht, in die Rollen eingebaut sind. Eine Art Musikinstrument? Nein, man kann sich mit dem Rücken anlehnen und hin und her schubbern, sodass die Balken den Rücken massieren – Wald tut eben gut.
Jetzt kommt das längste Stück der Strecke. Es geht noch ein bisschen um eine Kurve bergab, dann folgt ein langer Aufstieg. Wir halten Ausschau nach den letzten beiden Dachsi-Stationen. An einem Wasserloch, von denen wir im Wald schon einige entdeckt haben, erklärt uns Dachsi, dass im Wald Regenwasser in kleinen Tümpeln gespeichert wird. Sie dienen als Wasserspeicher für Tiere und Pflanzen. Frösche und Libellen siedeln sich dort gerne an. Leider können wir aber heute keine Tiere entdecken, deswegen geht es wenige Meter weiter zur nächsten und damit letzten Station, die an einer Sandsteinwand liegt.
Ein uralter Fluss
Dort erfahren wir etwas sehr Interessantes: Vor 255 Millionen Jahren war an der Stelle, wo wir gerade stehen, kein Wald, sondern ein Fluss. Damals befand sich Göllheim zwischen einem Gebirge und dem Meer. Vom Gebirge transportierten Flüsse massenweise Sand und Geröll heran, die sich nach und nach ablagerten. So entstand die raue Sandsteinwand, die wir betrachten.
Nun geht es die letzten Meter geradeaus zum Parkplatz zurück. Der Ausflug ging schnell vorbei, obwohl wir doch einige Zeit unterwegs waren. Mit Dachsi haben wir viel über den Wald gelernt und es gab viel zu sehen im schönen Göllheimer Wald.
Die Anfahrt
Zum „Dachsi-Wanderweg“ geht es über die Autobahn 63 bis zur Ausfahrt Göllheim, dann weiter über die Bundesstraße 47 bis zur Abfahrt Göllheim. In Göllheim in die Dreisener Straße abbiegen und von dort die erste Möglichkeit rechts in die Gutenbergstraße nehmen. Am Seniorenheim biegt man rechts Richtung Schulzentrum auf die Königkreuzstraße ein, die aus dem Ort hinaus zum Wald führt. Auf der L396 Richtung Ramsen folgt man dann den Hinweisschildern bis zum Parkplatz an der Kriegsberghütte des Pfälzerwald-Vereins. Direkt dort startet der „Dachsi-Wanderweg“.
Die Serie
Die nächste Folge der Serie „Tour de Pfalz“ erscheint am kommenden Montag. Thema: Unterwegs mit dem Kanu auf dem Altrhein.